Wien (OTS) – Die österreichische Betonfertigteilbranche bleibt trotz
Hoffnung auf
bessere Umsätze in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die
anhaltende Schwäche des Wohnbaus, belastende Finanzierungsbedingungen
und die geringe Zahl neuer Baubewilligungen lassen eine rasche
Erholung fraglich erscheinen. Zwar rechnen 73 % der befragten
Unternehmen im zweiten Halbjahr 2026 mit steigenden Umsätzen,
gleichzeitig beurteilen aber 70 % die Entwicklung der gesamten
Branche im Gesamtjahr als eher weniger zufriedenstellend. Das
aktuelle VÖB-Konjunkturbarometer zeigt damit ein widersprüchliches
Bild: Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren wächst die
Hoffnung, dass die Talsohle endlich erreicht ist. Von einer
nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein.
„Nach drei wirtschaftlich schwierigen Jahren ist die Hoffnung auf
bessere Zeiten verständlich. Wir müssen aber zwischen Erwartungen und
tatsächlicher Entwicklung unterscheiden. Die Unternehmen wünschen
sich eine Trendwende, doch die Zahlen zeigen, dass wir davon noch ein
gutes Stück entfernt sind“ , kommentiert Michael Wardian,
Vorstandsvorsitzender des Verbands Österreichischer
Betonfertigteilwerke (VÖB), die Ergebnisse der halbjährlichen
Konjunkturumfrage. „Wenn nahezu die Hälfte der Betriebe weiterhin
Umsatzrückgänge verzeichnet, kann von einer echten Entspannung keine
Rede sein. Was wir derzeit erleben, ist eher das Prinzip Hoffnung als
eine breit getragene Aufbruchsstimmung.“
Zwtl.: Wirtschaftliche Realität bleibt ernüchternd
Ein Blick auf die tatsächliche Umsatzentwicklung verdeutlicht die
schwierige Ausgangslage. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten 47 %
der befragten Betriebe einen Umsatzrückgang gegenüber dem
Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei 20 % blieben die Umsätze
unverändert, während 33 % Zuwächse erzielen konnten.
Zwar stellt dies gegenüber der vorherigen Erhebung, bei der
lediglich 18 % von steigenden Umsätzen berichteten, eine Verbesserung
dar. Dennoch überwiegen weiterhin die Unternehmen mit rückläufiger
Geschäftsentwicklung.
Auch der neu entwickelte VÖB-Konjunktur-Indikator, der die
tatsächliche Umsatzentwicklung abbildet, unterstreicht dieses Bild.
Er verbesserte sich auf minus 14, verharrt damit aber weiterhin im
negativen Bereich. Die Branche hat sich von den massiven Einbrüchen
der vergangenen Jahre noch nicht erholt.
Steigende Erwartungen – Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt
Deutlich positiver als die bisherige Geschäftsentwicklung fallen
die Erwartungen für das zweite Halbjahr 2026 aus. 83 % der befragten
Unternehmen rechnen für den eigenen Betrieb mit einer sehr,
beziehungsweise eher zufriedenstellenden Entwicklung. 73 % erwarten
einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während
lediglich 3 % mit weiteren Rückgängen rechnen.
Der VÖB-Erwartungsindikator steigt damit auf plus 70 und erreicht
den höchsten Wert seit dem ersten Halbjahr 2022. Bei der vorherigen
Erhebung lag er nur knapp im positiven Bereich.
Doch dieser deutliche Anstieg der Erwartungen steht in
bemerkenswertem Gegensatz zur Einschätzung der allgemeinen
Branchenentwicklung. Trotz der Zuversicht für den eigenen Betrieb
gehen 70 % der Befragten davon aus, dass das Gesamtjahr 2026 für die
Branche insgesamt eher weniger zufriedenstellend ausfallen wird.
Die Diskrepanz zwischen individuellen Umsatzerwartungen und
skeptischer Branchenbewertung ist damit eine der zentralen Aussagen
des aktuellen Konjunkturbarometers. Die Betriebe rechnen offenbar mit
einer Verbesserung ihrer eigenen Situation, ohne bereits von einer
umfassenden Erholung des Marktes auszugehen.
„Die steigenden Umsatzerwartungen sind zunächst ein positives
Signal. Sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns
nach wie vor auf einem sehr niedrigen wirtschaftlichen Niveau
bewegen“ , erklärt VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier. „Viele
Unternehmen haben schwierige Jahre hinter sich. Dass sie jetzt wieder
mit besseren Umsätzen rechnen, ist nachvollziehbar. Ob daraus
tatsächlich eine nachhaltige Erholung entsteht, muss sich erst
zeigen. Derzeit überwiegt die Hoffnung, dass es nicht noch weiter
bergab geht.“
Zwtl.: Wohnbau unter Druck: Finanzierungsbedingungen und fehlende
Baubewilligungen bremsen die Erholung
Besonders kritisch bleibt die Situation im Wohnbau. Lediglich 11
% der befragten Betriebe verzeichneten im ersten Halbjahr 2026
steigende Umsätze, während 43 % von Rückgängen berichteten. Eine
Erholung ist in diesem wichtigen Marktsegment weiterhin nicht
erkennbar.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren eine rasche
Trendwende. Hohe Finanzierungskosten und die Unsicherheit über die
weitere Zinsentwicklung belasten die Investitionsbereitschaft
privater und institutioneller Bauherren. Die niedrige Zahl an
Baubewilligungen spiegelt diese Zurückhaltung wider. Derzeit werden
zu wenige neue Bauvorhaben auf den Weg gebracht, um eine Belebung der
Fertigteilindustrie erwarten zu lassen. Selbst bei einer Verbesserung
der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird es Zeit brauchen, bis
wieder mehr Projekte geplant, eingereicht und tatsächlich umgesetzt
werden.
Für die Betonfertigteilindustrie kommt hinzu, dass sie
Veränderungen in der Baukonjunktur erfahrungsgemäß erst mit
zeitlicher Verzögerung spürt. Bauunternehmen füllen zunächst ihre
eigenen Kapazitäten, bevor wieder verstärkt Betonfertigteile
nachgefragt werden. Laut VÖB beträgt diese Verzögerung in der Regel
rund drei Monate.
„Eine nachhaltige Erholung lässt sich nicht allein an positiven
Erwartungen festmachen. Entscheidend ist, ob neue Projekte bewilligt,
finanziert und tatsächlich umgesetzt werden“, betont Glasmaier.
„Solange die Zahl der Baubewilligungen niedrig bleibt und die
Investitionsbereitschaft nicht deutlich zunimmt, fehlt der notwendige
Impuls für eine breitere Belebung der Bauwirtschaft. Die Branche
braucht nicht nur Zuversicht, sondern vor allem wieder konkrete
Bauaufträge.“
Zwtl.: Tiefbau als wichtige Stütze – öffentliche Budgets zunehmend
unter Druck
Während der Wohnbau weiterhin schwächelt, erwies sich der Tief-
und Straßenbau im ersten Halbjahr 2026 als stabilisierender Faktor.
In diesem Segment berichteten 38 % der befragten Unternehmen von
gestiegenen Umsätzen, bei weiteren 58 % blieb der Umsatz unverändert.
Allerdings sind auch die weiteren Perspektiven dieses
Marktsegments mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Angespannte
Budgets der Gemeinden und Länder könnten die öffentliche
Investitionstätigkeit und damit die Nachfrage nach Betonfertigteilen
zunehmend beeinträchtigen.
„Der Tiefbau hat die Branche in den vergangenen Monaten
wesentlich gestützt. Angesichts der angespannten öffentlichen
Haushalte müssen wir aber auch hier vorsichtig sein“ , erklärt
Glasmaier. „Wenn Gemeinden und Länder notwendige
Infrastrukturinvestitionen verschieben, würde das die Bauwirtschaft
zusätzlich belasten.“
Zwtl.: Marktpotenzial vorhanden – entscheidend ist die tatsächliche
Nachfrage
Ungeachtet der schwierigen aktuellen Situation sehen die
befragten Unternehmen weiterhin erhebliche Marktpotenziale für die
Betonfertigteilbauweise im Hochbau, etwa im Wohn-, Industrie- und
Bürobau. 57 % rechnen in diesem Bereich mit einer steigenden
Marktentwicklung, 40 % erwarten eine gleichbleibende Entwicklung und
lediglich 3 % einen Rückgang.
Die wichtigsten Argumente für den verstärkten Einsatz von
Betonfertigteilen sind aus Sicht der Unternehmen die Verkürzung der
Bauzeiten (97 %), höhere Vorfertigungsgrade, etwa bei Fassaden sowie
Heiz- und Kühlsystemen (83 %), und die Verbesserung von Präzision und
Qualität.
„Die Betonfertigteilbauweise bietet Lösungen für viele
Herausforderungen des Bauens – von kürzeren Bauzeiten über
wirtschaftliche Fertigungsprozesse bis hin zu ressourcenschonenden
Bauweisen. Doch ohne Investitionen und eine entsprechende
Bautätigkeit können diese Potenziale nicht wirksam werden“ , betont
Glasmaier. „Wir brauchen deshalb eine bessere Abstimmung jener
Ministerien, die für das Bauen verantwortlich sind, und wirksame
Impulse, um den ehemaligen Konjunkturmotor Bau wieder in Gang zu
bringen.“
Zwtl.: Hoffnung ist noch keine Trendwende
Das aktuelle VÖB-Konjunkturbarometer zeigt eine Branche zwischen
anhaltendem wirtschaftlichem Druck und der Hoffnung auf eine
Stabilisierung. Die deutlich verbesserten Umsatzerwartungen sind ein
wichtiges Signal, können die schwierige tatsächliche
Geschäftsentwicklung jedoch noch nicht aufwiegen.
Ob sich daraus eine nachhaltige Erholung entwickelt oder der
derzeitige Optimismus vor allem dem Wunsch nach einem Ende der
langjährigen Talfahrt entspringt, werden erst die kommenden Monate
zeigen. Entscheidend dafür sind eine Belebung des Wohnbaus,
ausreichend neue Bauprojekte, tragfähige Finanzierungsbedingungen und
eine verlässliche öffentliche Investitionstätigkeit.
Über den VÖB
Der Verband Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) ist die
zentrale Interessensvertretung der österreichischen
Betonfertigteilhersteller. Der 1955 gegründete Verband vertritt rund
70 Mitgliedsbetriebe – und damit den Großteil aller in Österreich
produzierenden Betonfertigteilwerke. Der VÖB wurde nach dem
österreichischen Vereinsrecht gegründet, ist eine freiwillige
Interessensvertretung und versteht sich als innovativer und
aufgeschlossener Wirtschaftsverband. Die Betonfertigteilbranche ist
ein bedeutender Bereich der österreichischen Bauwirtschaft. Die
Branche steht mit ihren hochwertigen Produkten aus inländischer
Wertschöpfung für Leistungsfähigkeit, Qualitätsdenken,
ressourcenschonende Produktion und qualitatives Wachstum. Damit
leisten die österreichischen Betonfertigteilwerke einen bedeutenden
Beitrag zum zukunftsfähigen und nachhaltigen Bauen. Mehr
Informationen unter www.voeb.com
Über den VÖB-Konjunkturbarometer und die VÖB-Konjunktur-
Indikatoren
Die Daten des VÖB-Konjunkturbarometers beruhen auf einer
halbjährlich durchgeführten Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben und
wurden in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen TQS
erhoben und ausgewertet. Der Branchenbarometer misst unter anderem
die aktuelle Stimmung, die Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung der
Mitgliedsbetriebe. Die neu entwickelten VÖB-Indikatoren beruhen auf
einem Mehrjahresvergleich der bisherigen Umfrage-Ergebnisse seit dem
1. Halbjahr 2022.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at