Wien (PK) – Tief erschütternde Zeugnisse von Holocaust-Überlebenden
versammelt
der Band „Nach so viel Schmerz und Pein. Erste Briefe nach dem
Holocaust“, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Zweiter
Nationalratspräsident Peter Haubner als Vorsitzender des
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des
Nationalsozialismus und der Verein „Freunde von Yad Vashem
Österreich“ luden am Montagabend zur Präsentation des Buches ins
Palais Epstein ein.
Haubner: Ein Buch, das Geschichte unmittelbar spüren lässt
„Es gibt Bücher, die uns Geschichte unmittelbar spüren lassen“,
sagte Zweiter Nationalratspräsident Haubner in den Eröffnungsworten
zur Buchpräsentation. „Das Buch ‚Nach so viel Schmerz und Pein‘ ist
ein solches Buch.“ Die Briefe darin seien Lebenszeichen von Menschen,
die nach der Hölle des Holocaust versuchten, herauszufinden, ob es
noch jemanden gäbe, der ihnen antworten könnte. Erleichterung und
Verzweiflung, Hoffnung und Trauer, Sehnsucht und Ungewissheit, alles
das komme darin zum Ausdruck. In einer Zeit, in der die Zeitzeuginnen
und Zeitzeugen immer weniger würden, leiste das Buch einen wichtigen
Beitrag dazu, die Menschen hinter den abstrakten Zahlen des Holocaust
sichtbar zu machen, ihnen eine Stimme zu geben und damit die
Erinnerung an sie wach zu halten, so Haubner.
Die historische Verantwortung Österreichs gegenüber den Opfern
des Nationalsozialismus ende aber nicht beim Gedenken, sagte Haubner.
Sie verpflichte auch dazu, aus der Erinnerung an die Opfer des
Holocaust Konsequenzen für das heutige Handeln zu ziehen. Dazu gehöre
vor allem der entschiedene Kampf gegen den Antisemitismus.
Antisemitismus bedrohe nicht nur Jüdinnen und Juden. Er sei ein
direkter Angriff auf das Fundament jeder Demokratie und ihrer Werte,
sagte der Zweite Nationalratspräsident. „Wie wir unsere Demokratie
schützen, entscheidet mit darüber, wie wir morgen leben werden“,
schloss Haubner seine Eröffnungsrede.
Auch Rainer Nowak rief als Vorsitzender der „Freunde von Yad
Vashem Österreich“ zum Kampf gegen den Antisemitismus auf, der
teilweise wieder erschreckende Formen annehme. Der neu gegründete
Verein wolle seinen Beitrag dazu leisten, indem er die Arbeit einer
der wichtigsten Forschungsstätten zur Geschichte des Holocaust einer
breiten Öffentlichkeit bekannt mache. Dafür ersuche er um breite
Unterstützung.
Manuel Herder berichtete als geschäftsführender Gesellschafter
des Herder Verlags über die Herausforderungen für die Umsetzung des
Projekts, das eine „editorische Großtat“ sei, die nur mit der
Beteiligung und Unterstützung vieler Menschen möglich gewesen sei.
Das Buch sei auch ein wichtiger Baustein für eine Erinnerungskultur,
die bald gänzlich ohne lebende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auskommen
müsse.
Die Schauspielerin und Sängerin Ruth Brauer-Kvam und der
Schauspieler Markus Meyer lasen anschließend aus den Briefen. Durch
den Abend führte Milli Segal, Generalsekretärin der „Freunde von Yad
Vashem Österreich“. Für die musikalische Umrahmung sorgte der
Violinist Aliosha Biz.
Sammlung wichtiger Dokumente aus der Zeit nach dem Holocaust
Die von der Forschungseinrichtung Yad Vashem zusammengestellte
Auswahl von Briefen von Überlebenden des Holocaust erschien 2016 auf
Hebräisch und Englisch. Unter dem Titel „Nach so viel Schmerz und
Pein. Erste Briefe nach dem Holocaust“, wurde sie heuer vom Herder
Verlag einer deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht. Die
Herausgabe besorgten Robert Rozett und Iael Nidam-Orvieto vom
Internationalen Institut für Holocaust-Forschung Yad Vashem. Neben
Yad Vashem beteiligten sich der Herder Verlag und der Deutsche
Freundeskreis von Yad Vashem an der Erarbeitung dieser aktuellen
Ausgabe.
Unmittelbar nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern
wandten sich Überlebende des Holocaust in ersten Briefen an Eltern,
Kinder, Ehepartnerinnen und Ehepartner oder Freundinnen und Freunde.
Einige Briefe wurden auf Deutsch verfasst und sind damit erstmals im
Original der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Sprachen, die
von den Überlebenden verwendet wurden, waren Hebräisch, Jiddisch,
Niederländisch, Slowakisch, Polnisch, Russisch und Englisch. (Schluss
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HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .