Totschnig: Forschungsprojekt zur Rolle der Wälder für den Wasserhaushalt startet

Wien (OTS) – Der Klimawandel führt zu häufigeren
Starkregenereignissen und
längeren Trockenperioden. Um Wasser künftig besser in der Landschaft
zu halten, gewinnen naturbasierte und weitläufig verteilte
Rückhaltemaßnahmen an Bedeutung. Das Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft (BMLUK) hat nun das Forschungsprojekt „AquaSilva“
gestartet. Dabei wird am Beispiel des Waldes erforscht, wie
natürliche Rückhalte- und Speicherfunktionen gestärkt werden können,
um den Wasserhaushalt zu stabilisieren und die Landschaften
widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Starkregen zu machen.

Umweltminister Norbert Totschnig: „Wasser ist unsere wichtigste
Lebensgrundlage und muss künftig noch stärker als wertvollste
Ressource betrachtet werden. Wichtig ist, dass wir einen
gesamtheitlichen Ansatz wählen, da Wasser viele Bereiche wie z.B. die
Trinkwasserversorgung oder die Land- und Forstwirtschaft betrifft.
Mit AquaSilva erforschen wir, wie man Wasser angesichts der
klimawandelbedingten Trockenperioden länger in der Landschaft halten
kann und welche Rolle unsere Wälder dabei spielen.. Gleichzeitig
leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz,
verbessern die Wasserversorgung von Ökosystemen und unterstützen die
langfristige Sicherung unserer wertvollen Wasserressourcen“ .

Forstliche Infrastruktur als Beitrag zum Wasserrückhalt
Ziel des Projekts ist es, die Retentionswirkung forstlicher
Infrastruktur, wie z. B. Forststraßen, und bestehender Maßnahmen zum
Wasserrückhalt wissenschaftlich zu bewerten und ihr Potenzial für
Hochwasserrisikomanagement und Klimawandelanpassung sichtbar zu
machen. Zunächst werden bestehende Retentionsmaßnahmen im Wald sowie
relevante Strukturen der forstlichen Erschließung systematisch
bewertet. Als Pilotgebiet wurde der Wienerwald gewählt.

Univ. Prof. Christian Scheidl vom Institut für Alpine Naturgefahren
der BOKU betont: „Die Einzugsgebiete im Wienerwald verdeutlichen die
Herausforderungen eines sich verändernden Wasserhaushalts mit
zunehmenden Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden. Das
Hochwasser im September 2024 hat deutlich gemacht, wie wichtig es
ist, die Abflussbildung besser zu verstehen – nicht zuletzt wegen der
erheblichen Schäden an Infrastruktur, Forstwegen und im
Siedlungsraum.“

„Die forstliche Infrastruktur dient nicht nur der Bewirtschaftung,
sondern beeinflusst auch den Wasserabfluss. Je nach Lage oder
Zustand, kann Wasser zwischengespeichert, verzögert oder beschleunigt
abgeleitet werden. AquaSilva rückt daher die bislang wenig beachtete
Rückhaltewirkung forstlicher Infrastruktur in den Mittelpunkt“, so
Dr. Franz Holzleitner vom Institut für Forsttechnik der BOKU .

Wälder als natürliche Wasserspeicher
„Der Wald ist ein natürlicher Wasserspeicher und spielt eine zentrale
Rolle für einen stabilen Wasserhaushalt. AquaSilva liefert wichtige
Erkenntnisse, die unsere laufenden Maßnahmen zur Entwicklung
klimafitter und widerstandsfähiger Wälder ergänzen – damit der Wald
seine vielfältigen Leistungen für Mensch, Natur und Wirtschaft auch
in Zukunft erfüllen kann“ , so Andreas Gruber, Vorstand für
Forstwirtschaft und Naturschutz der Österreichischen Bundesforste.

„Unser Ziel ist es, Niederschlagswasser im Einzugsgebiet möglichst
lange zurückzuhalten, dort wo dies sinnvoll ist, statt es rasch
abzuleiten. Wälder spielen dabei eine Schlüsselrolle: Gesunde
Waldböden und vitale Vegetation speichern Wasser, verzögern Abflüsse
und stabilisieren den Wasserhaushalt“ , sagt Projektleiterin DI in
Veronika Lechner vom Institut für Naturgefahren des BFW.

Die Projektleitung liegt beim Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).
Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt gemeinsam mit dem Institut
für Alpine Naturgefahren und dem Institut für Forsttechnik der
Universität für Bodenkultur (BOKU). Die Österreichischen Bundesforste
und der Biosphärenpark Wienerwald unterstützen die Umsetzung im
Pilotgebiet Wienerwald.