Wien (OTS) – Mehr als 1.000 Rettungseinsätze an heißen Sommertagen:
Eine aktuelle
Studie des LBI DHPS, der MedUni Wien sowie weiteren
Forschungsinstitutionen analysierte mehr als 936.000 Rettungseinsätze
in Wien und zeigt – schon zwei aufeinanderfolgende Hitzetage erhöhen
die Belastung des Rettungsdienstes messbar. Die Ergebnisse geben
Einblicke in typische Einsatzgründe und liefern wichtige Grundlagen
für künftige Hitzeaktionspläne.
Die aktuelle Hitzewelle in Österreich erreicht Rekordtemperaturen
und die nächste Welle zeichnet sich bereits ab. Diese extremen
Hitzeperioden belasten nicht nur die Bevölkerung, sondern auch
Einsatzorganisationen. Eine neue Studie des Ludwig Boltzmann
Institute for Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) gemeinsam
mit der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien), dem Complexity
Science Hub (CSH), der Berufsrettung Wien (MA 70), sowie der
University of California, San Francisco (UCSF) zeigt, dass während
Hitzewellen die Zahl der Rettungseinsätze in der Bundeshauptstadt
Wien signifikant ansteigt. Besonders betroffen sind Kinder sowie
ältere Menschen. Die Ergebnisse, der kürzlich im Fachjournal
Scientific Reports veröffentlichten Studie, liefern wichtige
Erkenntnisse für Hitzeaktionspläne, Frühwarnsysteme und die
Einsatzplanung von Rettungsorganisationen.
Zwtl.: Hitze in Wien erhöht Druck auf den Rettungsdienst: Zwei Tage
über 20,5 Grad führen bereits zu signifikantem Anstieg für Einsätze
Für die Studie analysierte das Forschungsteam 936.461
Rettungseinsätze der Berufsrettung Wien zwischen 1. Jänner 2018 und
31. Dezember 2021 und verknüpfte diese mit meteorologischen Daten aus
506 Messpunkten im Wiener Stadtgebiet. Damit zählt die Untersuchung
zu den ersten umfassenden Analysen dieser Art in Mitteleuropa.
Die Auswertung zeigt: Bereits zwei aufeinanderfolgende Tage mit
einer Mindesttemperatur von mindestens 20,5 Grad Celsius führten zu
einem signifikanten Anstieg der Rettungseinsätze. An Sommertagen
rückte die Berufsrettung im Durchschnitt zu 900 bis 1.000 Einsätzen
pro Tag aus, an Spitzentagen sogar zu mehr als 1.000. Je intensiver
und länger eine Hitzewelle andauerte, desto stärker nahm auch die
Nachfrage nach Notfallversorgung zu. Besonders ausgeprägt war der
Effekt während der ersten Hitzewelle eines Sommers, wenn sich die
Bevölkerung noch nicht an die hohen Temperaturen angepasst hat.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hitzewellen die Notfallversorgung
deutlich stärker beeinflussen als bislang angenommen“, so Sebastian
Zeiner, Studienerstautor sowie Anästhesist und Intensivmediziner an
der MedUni Wien und der UCSF. „Mit zunehmender Intensität und Dauer
von Hitzeperioden steigt auch die Zahl der Rettungseinsätze spürbar
an. Diese Erkenntnisse können helfen, Einsatzkapazitäten künftig
vorausschauender zu planen und Gesundheitswarnsysteme gezielter
auszurichten.“
Zwtl.: Kinder und ältere Menschen besonders von Hitzewellen betroffen
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre:
Während Hitzewellen mussten sie um knapp 20 Prozent häufiger vom
Rettungsdienst versorgt werden als außerhalb von Hitzeperioden. Auch
bei älteren Menschen zeigte sich ein deutlicher Effekt – vor allem in
der Altersgruppe der 76- bis 85-Jährigen – bei der die Einsätze im
Studienzeitraum um mehr als 12 Prozent zunahmen.
Neben den altersbezogenen Unterschieden traten während
Hitzewellen auch bestimmte Einsatzgründe deutlich häufiger auf. Dazu
zählen hitzebedingte Erkrankungen, Atemwegserkrankungen wie COPD,
Bewusstlosigkeit sowie Verletzungen und Stürze. Gleichzeitig zeigt
die Publikation, dass die Belastung des Rettungsdienstes noch bis zu
fünf Tage nach dem Ende einer Hitzewelle erhöht bleibt.
„Die Studie zeigt klar, dass Hitzewellen das Gesundheitssystem
spürbar belasten, besonders bei vulnerablen Gruppen. Gleichzeitig
sehen wir, dass diese Belastung nicht nur während der Hitze selbst,
sondern auch Tage danach anhält. Solche Muster frühzeitig zu
erkennen, ist entscheidend, um Rettungsdienste und Gesundheitssysteme
besser auf extreme Hitze vorzubereiten und rechtzeitig zu entlasten“,
erklärt Oliver Kimberger, Co-Autor der Studie, Facharzt für
Anästhesie und Intensivmedizin sowie wissenschaftlicher Leiter am LBI
DHPS.
Zwtl.: Datenbasierte Modelle sollen Rettungsdienste künftig
unterstützen
Das Forschungsteam sieht die Ergebnisse als wichtige Grundlage
für die Weiterentwicklung von Hitzewarnsystemen und
Hitzeaktionsplänen, um Gesundheitsrisiken früher zu erkennen und
Einsatzkräfte gezielter vorzubereiten. Aufbauend auf dieser Arbeit
entwickelt die Forschungsgruppe derzeit Machine-Learning-Modelle zur
Vorhersage des Rettungsdienstaufkommens, um die Einsatzplanung
künftig weiter zu verbessern.
Das Projekt wurde durch den Medizinisch-Wissenschaftlichen Fonds
des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt Wien sowie durch das FFG-
Projekt „HeatProtect“, geleitet vom Complexity Science Hub,
gefördert.
Publikation:
Zeiner, S., Rietzinger, S., Ledebur, K., Dobler, M., Aigner, P.,
Schnaubelt, S., Krammel, M., Laxar, D., Müller, D., Maleczek, M.,
Kimberger, O., Klimek, P. Effects of heatwaves on emergency medical
service activity in Vienna: a 4-year analysis. Scientific Reports (
2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-55670-y