Präventionsbilanz 2025 der Sozialversicherung

Wien (OTS) – Der Dachverband der Sozialversicherungen legt erstmals
eine
„Präventionsbilanz“ mit dem Ziel vor, eine gebündelte und
transparente Darstellung der Aufwendungen für Prävention und
Gesundheitsförderung sowie ihrer Entwicklung zu geben. Investitionen
in Prävention werden von allen drei Zweigen (KV, UV, PV) der
Sozialversicherung getragen und spielen bei allen fünf SV-Trägern
eine wichtige Rolle. Die Zusammenschau der Präventionsausgaben aller
Sozialversicherungszweige zeigt ein Gesamtvolumen von 4,4 Milliarden
Euro. Die Investitionen in den Sektor der Gesundheitsförderung und
Primärprävention (Krankheitsverhütung) sind in der „Nach-Corona-Zeit“
von 2023 bis 2025 um 33 Prozent gestiegen, Investitionen in
Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) um 21 Prozent. Insgesamt
sind die Präventionsausgaben in diesem Zeitraum deutlich stärker
gewachsen als die Krankheitsausgaben. Das zeigt, die gezielte
Vorsorgepolitik der Sozialversicherung zeigt Wirkung. Die
Sozialversicherung wird auch in Zukunft weitere Anstrengungen in den
Präventionsausbau stecken. Mehr gesunde Lebensjahre sind sowohl aus
individueller als auch aus systemischer Sicht eine Investition in die
Zukunft.

Vorsorgeleistungen wachsen stärker als Krankheitsleistungen

In den Jahren 2023 bis 2025 wurden – nicht zuletzt durch den
neuen Zielsteuerungsvertrag zwischen Bund, Ländern und
Sozialversicherung – entscheidende Weichenstellungen zur Stärkung der
Prävention vorgenommen. Im Bereich der Sozialversicherung schlägt das
mit einer deutlichen Intensivierung der Präventionsleistungen zu
Buche. Der Aufwand für Gesundheitsförderung und Prävention ist in den
zwei Jahren von 2023 bis 2025 um 21 Prozent gewachsen und damit
deutlich stärker als jener für die Krankenversorgung (+17 Prozent).
Das ist vor allem auf die deutliche Stärkung der Gesundheitsförderung
und Primärprävention (Krankheitsvermeidung) sowie den Bereich der
Sekundärprävention (Früherkennung) zurückzuführen.

Gesundheitsförderung und Primärprävention seit 2023 um 33 Prozent
ausgeweitet

Die deutliche Stärkung dieses Bereiches wird von Experten
empfohlen und von der Gesundheitspolitik gewünscht. Prävention ist
insbesondere angesichts der demografischen Entwicklung eine
Investition in die Zukunft. Die Entwicklungsrichtung, in die die SV
steuert, geht somit in die richtige Richtung. Strategisch werden jene
Bereiche angesteuert, die der Präventionsstrategie entsprechen und
die auf die Herausforderungen der aktuellen Lebenswirklichkeiten
ausgerichtet sind. Konkrete Beispiele für Fortschritte in diesem
Bereich zwischen 2023 und 2025 sind:

– Ausweitung der Impfprogramme für Kinder und Erwachsene :
Zusätzlich zum Finanzierungsbeitrag für das Kinderimpfprogramm oder
die FSME-Impfung leistet die Sozialversicherung seit 2024 30 Mio.
Euro jährlich für das öffentliche Erwachsenenimpfprogramm (Grippe,
HPV, Herpes Zoster, Pneumokokken).

– Betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitssicherheit :
Die ÖGK betreut mittlerweile über 4.000 Betriebe bei der Umsetzung
von Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung und hat damit
bereits 750.000 Beschäftigte erreicht. 60 Prozent aller Klein- und
Mittelbetriebe bis 50 Arbeitnehmer werden durch die AUVA
arbeitsmedizinisch und sicherheitstechnisch betreut. Die
Betreuungsstunden wurden seit 2023 um 10,2 Prozent ausgeweitet.

– Bewegungsförderung im Freien:
Sport im Freien boomt – die Initiative „Bewegt im Park“ liefert die
Kurse dazu. Im Vorjahr konnten 134.314 Personen für die insgesamt 714
angebotenen Kurse österreichweit gewonnen werden. Steigerung 2023 auf
2025: +16,7 Prozent.

– Übergewicht bei Kindern:
Aufbau des Programms „Easykids“ der ÖGK für Familien mit
übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen. Ziel ist die
Begleitung von Familien und ihren Kindern auf dem Weg zu einem
gesunden und aktiven Lebensstil.

Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) massiv gestärkt

Der Bereich der Krankheitsfrüherkennung konnte finanziell seit
2023 um 21 Prozent aufgewertet werden. Hier sind vor allem große und
bekannte Programme der Krankenversicherung wie die
Vorsorgeuntersuchung, die Jugendlichenuntersuchung für Lehrlinge, die
Krebsfrüherkennungsprogramme im niedergelassenen Bereich (
Mammographie, PAP-Abstrich, Koloskopie, Muttermalkontrolle, etc.)
oder der Eltern-Kind-Pass zu nennen.

Rekordteilnehmerzahl bei der Vorsorgeuntersuchung

Jede Österreicherin und jeder Österreicher über 18 Jahre hat das
Recht auf eine jährliche Vorsorgeuntersuchung (VU). Im Jahr 2025
konnte erstmals eine Teilnahmerate von 20 Prozent der Bevölkerung
erreicht werden (1,5 Millionen). Das ist nicht zuletzt durch gezielte
Einladungsprogramme der Sozialversicherung unterstützt worden. Die
Zahl der Vorsorgeuntersuchungen des allgemeinen Programmes konnte in
den letzten 2 Jahren um 13,4 Prozent gesteigert werden. Besonders
erfreulich ist, dass die Inanspruchnahme des gynäkologischen
Untersuchungsprogrammes der VU um 31,7 Prozent gegenüber 2023
gestiegen ist.

Mit der Jugendlichenuntersuchung für Lehrlinge konnten 27.000
Lehrlinge erreicht werden, Das entspricht einer Teilnahmerate von
73,6 Prozent der Zielpersonen und einer Steigerung gegenüber den
Vorjahren.

Besonders wichtig ist die Krebsfrüherkennung bei niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten und in organisierten Screeningprogrammen. Die
Steigerungsraten beim Aufwand für Mammographie, PAP-Abstrich oder
Muttermalkontrolle liegen gegenüber dem Jahr 2023 bei jeweils über 20
Prozent.

„Prävention und Gesundheitsvorsorge sind die besten Maßnahmen, um
systemischen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem demografischen
Wandel entgegenzuwirken und um unser Gesundheitssystem auch für
zukünftige Generationen finanzierbar zu halten. Wer jetzt in
Prävention investiert und Gesundheitskompetenz fördert, profitiert
später vielfach. Es ist daher auch wichtig, dass wir als
Sozialversicherung auf Angebotsseite entsprechende Maßnahmen
bereitstellen, die die Versicherten möglichst lange gesund halten.
Ein Vorzeigebeispiel ist die Vorsorgeuntersuchung, mit der wir im
Jahr 2025 knapp 1,5 Millionen Versicherte erreicht haben und knapp
260 Millionen Euro investiert haben. Dabei reicht es nicht aus, nur
auf Angebotsseite einen Leistungsausbau voranzutreiben, wir müssen
auch alles daransetzen, die Gesundheitskompetenz der Versicherten
weiter zu stärken, um auch in Zukunft mit Versichertengeldern
planvoll umgehen zu können“, so der Vorsitzende der Konferenz der
Sozialversicherungsträger, Peter McDonald.

Leistungsausweitung beim Eltern-Kind-Pass

Ein Meilenstein ist die Ausweitung des Programmes für den Eltern-
Kind-Pass. Ab Oktober 2026 kommt ein neues Gesundheitsgespräch, eine
zusätzliche Hebammenberatung, ein zusätzlicher Ultraschall, eine
allgemein- und Familienmedizinische Untersuchung, eine frühere
Abklärung des Diabetesrisikos oder ein gezielterer Blick auf weitere
Risikofaktoren hinzu. Die finanziellen Auswirkungen auf die
Präventionsbilanz der Sozialversicherung werden hier jedoch erst im
Jahr 2027 sichtbar.

„Gesundheit und Lebensqualität muss allen Menschen gleichermaßen
zugänglich sein. Dafür ist Prävention ein wesentlicher Baustein. Denn
Gesundheit darf keine Frage des Einkommens oder der Lebensumstände
sein. Ein Vorzeigebeispiel für die Steigerung der Gesundheit von Kind
und Mutter ist der Eltern-Kind-Pass und die darin vorgesehenen
Vorsorgeuntersuchungen. Ebenso hervorzugeben ist zur Früherkennung
von Krankheiten: das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm. Es zeigt, wie
wichtig niederschwellige und qualitätsgesicherte Vorsorgeangebote
sind, um Erkrankungen möglichst früh zu entdecken. Unser Anspruch als
Sozialversicherung ist es, allen Menschen die Chance auf ein gesundes
Leben zu geben – unabhängig von ihrer sozialen Situation. Denn wer
Prävention stärkt, schützt nicht nur die Gesundheit jedes Einzelnen,
sondern stärkt auch die gesamte Versichertengemeinschaft“, betont die
stellvertretende Vorsitzende der Konferenz der
Sozialversicherungsträger, Claudia Neumayer-Stickler.

Dynamische Entwicklung der Prävention im internationalen
Vergleich

Österreich hält bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Prävention mit den
Nachbarländern Deutschland und Schweiz mit. Österreich liegt bei den
Pro-Kopf-Ausgaben für Prävention vor der Schweiz, hat jedoch noch
Aufholbedarf gegenüber Deutschland. Die Dynamik der Entwicklung der
Präventionsausgaben seit 2019 ist in Österreich jedoch deutlich
stärker ausgeprägt als in der Schweiz oder Deutschland.

Ausblick: Präventionsinvestitionen sind Investitionen in die
Zukunft

Prävention ist eine Investition in mehr gesunde Lebensjahr und
damit auch in die Zukunft des Gesundheitssystems. Entscheidend sind
jedoch zielgerichtete und zielgruppenspezifische Maßnahmen. Das
Brustkrebs-Früherkennungsprogramm zeigt, wie organisierte Screenings
mit Einladesystem dazu beitragen können, Erkrankungen früher zu
erkennen, Ressourcen gezielter einzusetzen und komplexe
Krankheitsverläufe zu vermeiden. Präventionsmaßnahmen können zudem
andere Bereiche entlasten: Das Toxoplasmose-Screening im Eltern-Kind-
Pass bietet beispielsweise Einsparungspotenziale für die
Sozialversicherung ebenso wie für das Bildungs- und Sozialwesen.

Die Präventionsbilanz der Sozialversicherung fällt positiv aus:
Die Ausgaben steigen, Angebote werden ausgebaut und wichtige
Vorsorgeleistungen stärker in Anspruch genommen. Der Weg zu einer
gesundheitsförderlichen Gesellschaft ist dennoch weit. Umso wichtiger
ist es, Präventionsangebote weiterzuentwickeln, die
Gesundheitskompetenz zu stärken und die Mittel der Versicherten
langfristig zielgerichtet einzusetzen.