Wien (OTS) – Nach der Entfernung bestimmter Darmpolypen wird derzeit
häufig
bereits nach drei Jahren eine Kontrollkoloskopie empfohlen. Eine
große europäische Studie mit Beteiligung der Medizinischen
Universität Wien zeigt nun: Eine erste Kontrolle nach fünf Jahren war
hinsichtlich des Darmkrebsrisikos nach fünf Jahren nicht schlechter
als eine Kontrolle nach drei Jahren. An der EPoS-II-Studie nahmen
10.799 Patient:innen aus acht europäischen Ländern teil. Monika
Ferlitsch von der MedUni Wien ist Co-Autorin der im New England
Journal of Medicine veröffentlichten Studie.
Untersucht wurden Patient:innen, bei denen sogenannte Hochrisiko-
Adenome entfernt worden waren. Adenome sind gutartige Darmpolypen,
aus denen sich in manchen Fällen Darmkrebs entwickeln kann. Als
Hochrisiko-Adenome gelten etwa größere oder auffällig veränderte
Polypen sowie mehrere gleichzeitig auftretende Adenome.
Zwtl.: Ähnliches Darmkrebsrisiko bei weniger Untersuchungen
Die Studienteilnehmer:innen wurden nach dem Zufallsprinzip zwei
Gruppen zugeteilt: In einer Gruppe erfolgte die erste
Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren, in der anderen nach drei Jahren.
Nach fünf Jahren lag das Darmkrebsrisiko bei 0,77 Prozent in der
Gruppe mit späterer Kontrolle und bei 0,82 Prozent in der Gruppe mit
häufigerer Kontrolle. Damit erfüllte das Fünf-Jahres-Intervall das
vorab festgelegte Kriterium der Nicht-Unterlegenheit. Auch bei den
Tumorstadien zum Zeitpunkt der Diagnose zeigte sich kein erkennbarer
Unterschied.
Gleichzeitig waren deutlich weniger Koloskopien nötig: In der
Gruppe mit Fünf-Jahres-Intervall wurden während des
Untersuchungszeitraums rund 49 Prozent weniger Koloskopien
durchgeführt.
„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, die bisherigen
Kontrollintervalle nach Entfernung von Hochrisiko-Adenomen neu zu
bewerten. Wenn sich diese Ergebnisse langfristig bestätigen, könnten
vielen Patient:innen zusätzliche Koloskopien erspart werden, ohne die
Sicherheit zu verringern. Entscheidend bleibt eine qualitativ
hochwertige erste Untersuchung, bei der alle relevanten Polypen
vollständig entfernt werden“, sagt Monika Ferlitsch von der MedUni
Wien (sie ist Vorständin der Abteilung für Innere Medizin mit
Gastroenterologie, Akutgeriatrie/Remobilisation an der Klinik
Floridsdorf).
Zwtl.: Ergebnisse müssen langfristig bestätigt werden
Die jetzt veröffentlichten Daten sind eine Zwischenanalyse nach
fünf Jahren. Die entscheidende Auswertung der Studie ist nach zehn
Jahren vorgesehen. Erst dann lässt sich abschließend beurteilen, ob
längere Kontrollintervalle auch langfristig gleich sicher sind.
Parallel dazu zeigte eine zweite EPoS-Studie mit 1.861
Patient:innen, dass auch nach Entfernung sogenannter serratierter
Polypen das Darmkrebsrisiko innerhalb von fünf Jahren niedrig war.
Publikation: New England Journal of Medicine
Colonoscopy Intervals and Colorectal Cancer Incidence after Adenoma
Removal
Rodrigo Jover, Michael Bretthauer, Joaquin Cubiella et al., darunter
Monika Ferlitsch
DOI: 10.1056/NEJMoa2603816
