Treibstoff-Preisschock: 25 Cent gegen neue Teuerung

Graz (OTS) – Angesichts der rasant steigenden Treibstoffkosten
fordert die Sparte
Gewerbe und Handwerk der WKO Steiermark ein Sofortmaßnahmenpaket:
Unternehmen sollen von Oktober bis Dezember 2026 für nachweislich
gewerblich genutzten Treibstoff 25 Cent je Liter rückerstattet
bekommen. „Unsere Betriebe brauchen jetzt eine wirksame Entlastung.
Der Staat darf nicht zum Krisengewinner geopolitischer Verwerfungen
an der Zapfsäule werden“, betont Obmann Joahnn Reisenhofer.

Die aktuelle Kostendynamik an den Zapfsäulen droht zu einem neuen
Inflationstreiber zu werden. Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis um
mehr als 40 Prozent gestiegen. Für Unternehmen bleibt es dabei nicht
beim höheren Preis für die eigene Tankfüllung: Steigende
Treibstoffkosten verteuern gleichzeitig Anlieferung, Material,
Montage, Service und Entsorgung. So wandert jeder Preisschub an der
Zapfsäule durch die gesamte Wertschöpfungskette – vom Zulieferbetrieb
über das steirische Gewerbe und Handwerk bis zu den Konsumentinnen
und Konsumenten.

Für Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist diese Entwicklung
besonders brisant. Kleintransporter und Firmenfahrzeuge sind keine
frei wählbare Zusatzleistung, sondern mobile Werkstätten.
Installateurinnen und Installateure, Tischlereien, Metalltechniker,
Bäckereien, Elektrobetriebe oder Bauunternehmen können ihre
Leistungen nicht ohne Fahrzeuge erbringen. Sie müssen Fachkräfte,
Werkzeuge und Material zu Baustellen und Kunden bringen. Jeder
zusätzliche Cent je Liter schlägt daher direkt auf die betriebliche
Kalkulation durch – bei vielfach bereits stark angespannten Margen.

Wie dramatisch sich der Treibstoffanstieg auswirkt, zeigen die
Berechnungen für den Verkehrssektor: Diesel macht rund ein Fünftel
der gesamten Transportkosten aus, bei einzelnen Lkw-Transporten liegt
der Anteil laut Wirtschaftskammer Österreich sogar zwischen 20 und 30
Prozent. Zusätzlich zum reinen Marktpreis verteuern staatliche
Abgaben jeden Liter. Der nationale CO₂-Preis beträgt 2026 genau 55
Euro je ausgestoßener Tonne. Das entspricht einer Nettobelastung von
rund 13,8 Cent je Liter Diesel beziehungsweise 12,5 Cent je Liter
Benzin. Dazu kommen Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer. Je stärker
der Nettopreis steigt, desto höher fallen auch die absoluten
Mehrwertsteuereinnahmen aus. Der Staat profitiert damit automatisch
von einer Preisentwicklung, die Betriebe und Haushalte massiv unter
Druck setzt. „Der Staat darf nicht zum Krisengewinner an der
Zapfsäule werden. Wenn geopolitische Verwerfungen die
Treibstoffpreise in die Höhe treiben, kann die Antwort nicht sein,
bei jeder Tankfüllung höhere Steuereinnahmen zu kassieren und
gleichzeitig zuzusehen, wie sich die Teuerung durch alle Branchen
frisst. Unsere Betriebe brauchen jetzt eine wirksame Entlastung,
bevor aus dem Treibstoffschock die nächste Inflationswelle wird“,
erklärt Johann Reisenhofer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk
der WKO Steiermark.

Die Sparte schlägt deshalb einen klar begrenzten Anti-Inflations-
Pakt vor: Unternehmen sollen für den Zeitraum von 1. Oktober bis 31.
Dezember 2026 eine Rückerstattung von 25 Cent je Liter nachweislich
gewerblich genutzten Treibstoff erhalten. Die Abwicklung könnte über
Tankbelege, Tankkarten oder bereits bestehende betriebliche
Abrechnungssysteme erfolgen. Dadurch ließe sich die Entlastung
zielgerichtet und ohne den Aufbau einer neuen Förderbürokratie
umsetzen. „25 Cent je Liter sind kein Mitnahmeeffekt, sondern ein
Bremsklotz gegen die Teuerung. Die Rückerstattung würde den Betrieben
Luft verschaffen und ihnen helfen, den Kostensprung nicht vollständig
in ihre Preise weitergeben zu müssen. Wer Inflation ernsthaft
bekämpfen will, muss ihre Treiber entschärfen – und darf nicht erst
reagieren, wenn sich die höheren Preise bereits dauerhaft festgesetzt
haben“, betont Reisenhofer.

Die Wirtschaftskammer hat bereits auf Bundes- und Landesebene
konkrete Grundlagen für eine Entlastung vorgelegt. Die
Wirtschaftskammer Österreich sprach sich im April gemeinsam mit den
Bundessparten Transport und Verkehr, Gewerbe und Handwerk sowie
Handel für einen Gewerbediesel, eine temporäre Senkung der
Mineralölsteuer und ein Aussetzen der CO₂-Bepreisung aus. Im
Wirtschaftsparlament der WKO Steiermark wurden im Juni 2026 zudem
Initiativen zur Stabilisierung der Transportwirtschaft und zur
vorübergehenden Aussetzung des nationalen Emissionszertifikatehandels
eingebracht.

Als kurzfristige Maßnahme käme nun die Rückerstattung von 25 Cent
je Liter für drei Monate in Betracht. Eine Finanzierung wäre aus
jenen Mehreinnahmen denkbar, die dem Staat infolge der höheren
Treibstoffpreise zufließen. Ergänzend könnte der nationale CO₂-Preis
temporär ausgesetzt und die Mineralölsteuer befristet auf das
europarechtlich zulässige Mindestniveau abgesenkt werden. Ein solcher
Anti-Inflations-Pakt würde nicht nur steirische Betriebe entlasten,
sondern auch regionale Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und
leistbare Preise schützen.