Wien (OTS) – Die Forderung nach einem stärkeren Ausbau der
kapitalgedeckten
Altersvorsorge, wie sie unter anderem von WIFO-Chef Gabriel
Felbermayr erhoben wird, muss sachlich und anhand der tatsächlichen
Ergebnisse beurteilt werden. Für die FCG-Pensionist:innen ist
entscheidend, welche Leistungen bei den Menschen im Ruhestand
ankommen, wie verlässlich diese sind und welche Kaufkraft sie
langfristig behalten.
„Es reicht nicht, auf mögliche Veranlagungserträge zu verweisen.
Entscheidend ist, was nach Abzug sämtlicher Kosten tatsächlich
ausbezahlt wird und wie sich diese Auszahlung im Verhältnis zur
Inflation entwickelt“, betont Willi Waldner, Vorsitzender der FCG-
Pensionist:innen im ÖGB.
Kapitaldeckung ist kein Selbstläufer
Die Erfahrungen mit bestehenden Pensionskassen zeigen, dass
Kapitaldeckung nicht automatisch höhere oder sicherere Pensionen
bedeutet. Veranlagungsergebnisse schwanken, Kosten schmälern die
Erträge und bei beitragsorientierten Modellen tragen die Versicherten
einen erheblichen Teil des Anlagerisikos. Auch eine langfristig
positive Rendite garantiert daher noch keine dauerhaft ausreichende
Pensionsleistung.
Besonders kritisch ist die Entwicklung, wenn laufende
Pensionskassenleistungen nominell gekürzt werden und gleichzeitig die
Inflation die verbleibenden Auszahlungen entwertet. Die Betroffenen
erhalten dann nicht nur weniger Geld, sondern können sich mit diesem
Geld zusätzlich weniger leisten.
„Wer die kapitalgedeckte Altersvorsorge als Lösung für die
Herausforderungen des Pensionssystems präsentiert, muss auch
offenlegen, wie sich die tatsächlichen Auszahlungen entwickeln. Eine
Rechnung, die lediglich Veranlagungsrenditen betrachtet, greift zu
kurz. Maßgeblich sind die Nettopension, die Kosten, die
Leistungsentwicklung und die Kaufkraft über den gesamten
Bezugszeitraum“, erklärt Waldner.
Die FCG-Pensionist:innen fordern deshalb eine transparente und
unabhängige Aufarbeitung der bisherigen Erfahrungen mit
Pensionskassen. Dazu gehören die Entwicklung der Leistungen,
sämtliche Kosten und leistungswirksamen Veränderungen sowie die
inflationsbedingten Kaufkraftverluste. Erst auf dieser Grundlage ist
ein seriöser Vergleich mit anderen Vorsorgemodellen möglich.
Schweden: Ein Beispiel für eine kostengünstige Kapitalanlage
Ein interessanter Vergleich ist der schwedische AP7-Fonds. Er ist
Teil der kapitalgedeckten Prämienpension und institutionell
unabhängig organisiert. Durch eine breit gestreute Veranlagung und
vergleichsweise niedrige Kosten konnte AP7 langfristig einen
erheblichen Kapitalstock aufbauen. Die ausgewiesene langfristige
Wertentwicklung ist beachtlich – sie geht allerdings mit
Kapitalmarktrisiken einher und ist keine Garantie für künftige
Erträge oder Pensionen.
Für Waldner zeigt das schwedische Beispiel vor allem, dass die
konkrete Ausgestaltung entscheidend ist: „Wenn Kapitaldeckung, dann
müssen wir auch über ein kostengünstiges, breit gestreutes und
transparentes Modell sprechen. Ein öffentlich organisierter,
professionell verwalteter Fonds nach dem Vorbild von AP7 verdient
eine ernsthafte Prüfung. Es ist nicht selbstverständlich, dass die
Interessen der Versicherten durch jedes bestehende
Pensionskassenmodell am besten gewahrt werden.“
Ein solcher Vergleich muss allerdings fair erfolgen. Zu
berücksichtigen sind nicht nur Renditen und Gebühren, sondern auch
Anlagerisiken, Wechselkurse, Auszahlungsregeln, die Absicherung im
Alter und die Frage, wer Verluste trägt.
Die erste Säule bleibt das Fundament
Für die FCG-Pensionist:innen ist klar: Die gesetzliche
umlagefinanzierte Pension bleibt die tragende Säule der
österreichischen Altersversorgung. Sie gewährleistet einen sozialen
Ausgleich und beruht auf dem Generationenvertrag. Eine zusätzliche
kapitalgedeckte Vorsorge kann diese erste Säule ergänzen, aber nicht
ohne Weiteres ersetzen.
Ein Ausbau der Kapitaldeckung darf daher nicht dazu führen, dass
Risiken von Staat und Finanzwirtschaft auf einzelne Versicherte
verlagert werden, während Kosten und mögliche Verluste bei den
Pensionist:innen landen. Ebenso müssen die Übergangskosten
berücksichtigt werden, die entstehen, wenn Beiträge aus einem
umlagefinanzierten System in kapitalgedeckte Modelle umgeleitet
werden.
FCG-Pensionist:innen fordern einen ergebnisorientierten Vergleich
Die FCG-Pensionist:innen verlangen daher eine unabhängige
Gegenüberstellung der bestehenden österreichischen
Pensionskassenmodelle und kostengünstiger Alternativen nach
schwedischem Vorbild. Dabei müssen insbesondere folgende Fragen
beantwortet werden:
– Welche Nettopensionsleistungen erhalten die Versicherten
tatsächlich?
– Wie hoch sind sämtliche Verwaltungs-, Veranlagungs- und sonstigen
Kosten?
– Wie entwickeln sich die Auszahlungen im Vergleich zur Inflation?
– Wer trägt die Risiken bei Kursverlusten und ungünstigen
Veranlagungsperioden?
– Welche Auswirkungen ergeben sich auf die Finanzierung der
gesetzlichen ersten Säule?
„Wir sind offen für sachliche Reformen. Aber wir lehnen es ab,
Kapitaldeckung pauschal als überlegen darzustellen, ohne die
tatsächlichen Leistungen und Risiken offenzulegen. Sicherheit vor
Rendite, Transparenz vor Expansion und die erste Säule als Fundament
– daran muss sich jede Reform der Altersvorsorge messen lassen“, so
Waldner abschließend.