Zementindustrie begrüßt Marterbauers Vorstoß zur CO₂-Speicherung

Wien (OTS) – Die Transformation hin zu einer klimafreundlichen
Wirtschaft
erfordert enorme Anstrengungen. Als CO₂-intensive Industrie stellt
sich die heimische Zementindustrie dieser Verantwortung seit langem:
In den vergangenen 25 Jahren wurden Hunderte Millionen Euro in
Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung und Energieeffizienz
investiert. Mit Erfolg: Lokale Abfallkreisläufe liefern heute einen
Großteil der Energie für die Klinkerproduktion, fossile Brennstoffe
wurden zu rund 90 Prozent aus den Zementwerken verdrängt. Bereits 25
Prozent der eingesetzten Rohstoffe stammen aus „Urban Mining“, also
aus recyceltem Bauschutt oder Nebenprodukten der Industrie.

„Mit einer klar definierten Roadmap für Dekarbonisierung,
Kreislaufwirtschaft und CO₂-Abscheidung zählen wir international zu
den Vorreitern der industriellen Transformation und zu jenen mit den
niedrigsten CO₂-Emissionen. Wir fühlen uns zu Recht angesprochen,
wenn von Vorreitern gesprochen wird. Doch die letzte Meile auf dem
Pfad der Dekarbonisierung können wir nur mit der Abscheidung, dem
Transport und der Speicherung von CO₂ gehen. Darauf drängen wir bei
den politischen Entscheidungsträgern bereits seit Jahren. Umso
erfreulicher ist es, dass Finanzminister Markus Marterbauer jetzt den
erforderlichen Rechtsrahmen schafft “, sagt Sebastian Spaun,
Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie.

Zwtl.: Österreich verlor bisher Zeit und Millionen an EU-Förderungen

Denn während die Zementindustrie ihre Dekarbonisierung
vorangetrieben hat, fehlten in Österreich bislang die rechtlichen
Voraussetzungen für CCS. Die Carbon-Management-Strategie war bereits
2024 Thema im Ministerrat – abgesegnet wurde sie, umgesetzt nicht.
Während zuletzt europaweit 2,9 Milliarden Euro an Fördermitteln für
61 Projekte vergeben wurden, ging Österreich bisher bei der Förderung
von Klimaprojekten leer aus. Mit dem Rechtsrahmen erfolgt jetzt
hoffentlich der erste Schritt! Ein koordinierter Infrastrukturplan
eines CO₂-Pipeline-Systems samt Lagerstätten müssen folgen. Doch
selbst wenn jetzt rasch gehandelt wird, die Zeit drängt.

Zwtl.: CCS für Österreichs Industrie erst ab 2040 realistisch

„Einzelne CCS-Projekte können in Österreich bereits in wenigen
Jahren realisiert werden. Für die breite industrielle Anwendung ist
CCS in Österreich frühestens ab 2040 realistisch. CCS ist nichts, was
man in zwei Jahren aufstellt – das braucht jahrelange Vorbereitung,
Genehmigungen und Infrastruktur. Selbst wenn Österreich jetzt schnell
ist, ist eine Nordsee-Anbindung realistisch nicht vor 2040 verfügbar.
Und warum sollten uns Nachbarländer in ihrer Pipeline-Planung
berücksichtigen, wenn CCS bei uns bis vor Kurzem noch verboten war?
Halb Europa ist bereits deutlich weiter. Deutschland und die Schweiz
planen Trassen, De-Risking-Modelle und internationale Anbindungen.
Norwegen, Dänemark und Großbritannien zeigen, wie es geht: Der Staat
übernimmt Verantwortung, stößt erste Projekte an und schafft damit
Infrastruktur und Akzeptanz. Wir haben hier enormen Aufholbedarf und
ohne CO₂-Speicher, Pipelines und Mittel aus dem EU Innovation Fund
sind Nullemissionen bis 2040 ein Wunschtraum“, sagt Spaun.

Zwtl.: EU Innovation Fund braucht neue Förderkriterien – oder
Österreich geht leer aus

Neben der raschen Infrastrukturplanung eines CO₂-Pipeline-Systems
samt Lagerstätten müssen die Förderkriterien des EU-Innovationsfonds
dringend überarbeitet werden. Der Fonds wird aus Einnahmen des EU-
Emissionshandelssystems finanziert und fördert großvolumige
Dekarbonisierungsprojekte, etwa CCUS/CCS, Wasserstoff und
klimaneutrale Industrieprozesse. Ein Zementwerk, das weder an eine CO
₂-Pipeline angeschlossen ist noch über geeignete Speicherstätten –
etwa ausgebeutete Erdgas- oder Erdölfelder in unmittelbarer Nähe –
verfügt, steht vor gewaltigen Hürden bei der Dekarbonisierung.

Zwtl.: Österreich darf nicht zum Verlierer der Transformation werden

Rund 40 Milliarden Euro stehen im EU-Innovationsfonds bis 2030
für die industrielle Dekarbonisierung zur Verfügung – doch Österreich
droht leer auszugehen. Denn gefördert werden vor allem Projekte, die
möglichst kosteneffizient CO₂ reduzieren. Das verschafft Standorten
mit bereits vorhandener CCS-Infrastruktur – etwa Häfen, Pipelines
oder nahe gelegenen CO₂-Speichern – einen strukturellen Vorteil. Es
überrascht daher nicht, dass bislang kein österreichisches Klima-
oder CCUS-Projekt beim EU-Innovationsfonds zum Zug gekommen ist.

„Hier braucht es dringend eine Kurskorrektur. Dekarbonisierung
darf nicht allein nach Kosteneffizienz entschieden werden.
Förderentscheidungen müssen auch industrie- und strukturpolitische
Kriterien berücksichtigen und Transformation gerade dort ermöglichen,
wo die infrastrukturellen Voraussetzungen schwieriger sind. Sonst
drängen wir ausgerechnet jene Unternehmen aus dem Markt, die
effizient produzieren, Arbeitsplätze und Wertschöpfung sichern und
gleichzeitig seit Jahrzehnten in ihre Transformation investieren. Das
wäre ein industrie- und klimapolitisches Eigentor – gerade
Österreichs Unternehmen produzieren bereits heute den Zement mit der
niedrigsten CO₂-Intensität weltweit“, sagt VÖZ-Präsident Heimo Berger
abschließend.

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