Wien (OTS) – Wenn Schmerzen den Alltag bestimmen, werden oft selbst
einfache
Tätigkeiten zur Herausforderung. Schlechter Schlaf, eingeschränkte
Beweglichkeit und Erschöpfung können das Familienleben, soziale
Kontakte und die Berufstätigkeit beeinträchtigen. Rund 1,8 Millionen
Menschen in Österreich leben nach Angaben der Österreichischen
Schmerzgesellschaft (ÖSG) mit chronischen Schmerzen. Die Folgen
reichen weit über die unmittelbaren Beschwerden hinaus: Auch
finanzielle Belastungen, berufliche Einschränkungen und der Verlust
gesellschaftlicher Teilhabe können damit verbunden sein.
„ Chronische Schmerzen können Menschen die Kraft für ihren Alltag
nehmen. Deshalb müssen wir in der Behandlung über die
Schmerzintensität hinausblicken: Auf Beweglichkeit,
Selbstständigkeit, Schlaf und die Möglichkeit, am Familien- und
Berufsleben teilzunehmen “, erklärt Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna,
Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft.
Zwtl.: Multimodale Schmerztherapie: Gemeinsam behandeln
Chronische Schmerzen haben körperliche, psychische und soziale
Dimensionen. Die multimodale Schmerztherapie verbindet deshalb
verschiedene Behandlungsansätze in einem abgestimmten Konzept. Je
nach individuellem Bedarf gehören dazu medikamentöse Therapie,
Physikalische Medizin, Bewegungs- und Trainingstherapie sowie
psychologische oder psychotherapeutische Verfahren. Information und
Anleitung unterstützen Betroffene dabei, aktiv an ihrer Behandlung
mitzuwirken.
„ Multimodale Schmerztherapie bedeutet, dass unterschiedliche
Berufsgruppen gemeinsam mit den Betroffenen an konkreten
Behandlungszielen arbeiten. Die Maßnahmen müssen ineinandergreifen
und zur Lebenssituation passen “, betont Crevenna.
Zwtl.: Die verborgenen Kosten chronischer Schmerzen
Chronische Schmerzen belasten auch die Arbeitswelt und das
Sozialsystem. Neben den Kosten für Behandlung und Versorgung
entstehen weitere Belastungen durch Krankenstände, eingeschränkte
Leistungsfähigkeit und ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem
Erwerbsleben. Für Betroffene können Einkommensverluste,
Zukunftssorgen und finanzielle Unsicherheit hinzukommen. Wer trotz
Schmerzen arbeitet, ist häufig mit Einschränkungen konfrontiert, die
für andere kaum sichtbar sind. Längeres Sitzen oder Stehen,
körperlich belastende Tätigkeiten und fehlende Erholungsmöglichkeiten
können den Arbeitsalltag erschweren. Umso wichtiger sind Verständnis
und geeignete Unterstützung am Arbeitsplatz.
Eine umfassende Versorgung sollte deshalb frühzeitig
berücksichtigen, was Menschen benötigen, um im Beruf zu bleiben oder
nach einer Erkrankung wieder einzusteigen. Dazu können
Rehabilitation, arbeitsmedizinische Begleitung, angepasste
Tätigkeiten und eine schrittweise Rückkehr gehören.
Gesundheitsversorgung, Sozialpolitik und Arbeitswelt müssen dabei
zusammenwirken.
Zwtl.: Endometriose: Auswirkungen auf Alltag und Arbeitswelt sichtbar
machen
Auch Endometriose ist ein wichtiges Thema in der
Schmerzversorgung und verdient mehr Aufmerksamkeit in Medizin,
Öffentlichkeit und Arbeitswelt.
„ Endometriose ist ein Schmerzthema, das weit über
gesundheitliche Beschwerden hinausgeht. Chronische und oft starke
Schmerzen können den Alltag, die Lebensqualität und auch die
berufliche Teilhabe der betroffenen Frauen erheblich beeinträchtigen
– bis hin zu wiederkehrenden Fehlzeiten und Arbeitsausfällen “,
erklärt Crevenna.
Mit einem wegweisenden Projekt setzt die Stadt Wien daher einen
Schwerpunkt auf Information, Sensibilisierung und bessere
Unterstützung von Frauen mit Endometriose und macht damit auch die
gesellschaftlichen und arbeitsweltlichen Auswirkungen der Erkrankung
sichtbar.
Zwtl.: Schmerzzentren und ambulante Angebote ausbauen
Die ÖSG setzt sich für den flächendeckenden Ausbau
interdisziplinärer und multimodaler Schmerzzentren sowie ambulanter
multimodaler Angebote ein. Prävention, Bewegung und Rehabilitation
sollen stärker berücksichtigt werden.
„ Der Zugang zu umfassender Schmerzmedizin darf nicht vom Wohnort
abhängen. Wir brauchen erreichbare Angebote und klare Wege durch die
Versorgung. Ebenso wichtig ist die schmerzmedizinische Aus-, Fort-
und Weiterbildung aller beteiligten Gesundheitsberufe “, so Crevenna.
Zwtl.: Schmerzen ernst nehmen – Teilhabe ermöglichen
Anhaltende Schmerzen sollten frühzeitig abgeklärt und ihre
Auswirkungen auf Alltag und Beruf ernst genommen werden. Die beiden
Aktionstage sind für die ÖSG Anlass, auf die Bedeutung einer
Versorgung aufmerksam zu machen, die den Menschen mit seiner gesamten
Lebenssituation berücksichtigt.