„Tag des frischen Gemüses 2026“ von Herausforderungen der Betriebe geprägt

Wien (OTS) – Auch wenn die Konsumentinnen und Konsumenten gewöhnt
sind, in den
Regalen vielfältiges heimisches Gemüse in Topqualität vorzufinden,
kämpfen die Gemüsebaubetriebe selbst mit erheblichen
Herausforderungen. Der Bundesgemüsebauverband (BGV) und der
Österreichische Branchenverband für Obst und Gemüse (ÖBOG) nehmen
daher den heutigen „Tag des frischen Gemüses 2026“ zum Anlass, um auf
zentrale Anliegen und Notwendigkeiten der Branche hinzuweisen. Sie
warnen, dass der Kampf mit Klimaanpassung und Bürokratie, aber auch
das Ringen um ausreichend Arbeitskräfte und Möglichkeiten zum Schutz
der Kulturen viele Gemüsebäuerinnen und -bauern von längst
notwendigen Investitionen abhalten. Nachhaltige Verbesserungen werden
gefordert.

Bewässerung im Gemüsebau mittlerweile unverzichtbar

„Das heurige Jahr war wettertechnisch bisher alles andere als
konstant: Auf einen trockenen, aber kalten Winter folgte zwar ein
deutlich niederschlagsreicherer Februar, danach wurde es vielerorts
aber wieder sehr trocken. Die Niederschlagsdefizite konnten im
Gemüsebau großteils durch Bewässerung ausgeglichen werden.
Insbesondere im Mai hat sich einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar
Wasser und Bewässerung für unsere Produktion sind“, berichtet der
Präsident des Bundesgemüsebauverbands, Karl Auer , und weiter: „Hinzu
kamen starke Temperaturschwankungen mit Werten vom leichten
Minusbereich bis 25°C innerhalb weniger Tage. Sonst verlief der
Saisonstart zeitlich insgesamt sehr normal, sodass heimische Produkte
wie geplant an den LEH und andere Abnehmer geliefert werden konnten
und können.“

„Die wirtschaftliche Situation im Gemüsebau bleibt heuer jedoch
weiterhin sehr angespannt. Trotz dauerhaft steigender
Produktionskosten kann man von einer Inflationsanpassung bei den
Erzeugerpreisen nur träumen – bei manchen Produkten werden sogar
Preise unter dem Vorjahresniveau abgeschlossen. Diese Entwicklung
wirkt sich zunehmend auf die Investitionsbereitschaft der Betriebe
aus“, warnt Auer.

Fehlende Investitionen besorgniserregend

„Laut internen Erhebungen des Bundesgemüsebauverbandes
investieren derzeit lediglich rund 27% der Betriebe aktiv in die
Weiterentwicklung ihrer Produktion. Etwa 37% tätigen ausschließlich
notwendige Ersatzinvestitionen und warten die weitere Entwicklung ab.
Der verbleibende Teil verzichtet selbst darauf. Einzelne Betriebe
haben bereits konkrete Maßnahmen für einen Ausstieg gesetzt“,
berichtet der BGV-Präsident. „Besorgniserregend ist in diesem
Zusammenhang auch die Situation bei der Betriebsnachfolge: Nur rund
40% jener Gemüsebetriebe, bei denen die Betriebsleitung innerhalb der
nächsten 15 Jahre in Pension gehen wird, haben derzeit ihre Nachfolge
gesichert“, gibt Auer zu bedenken.

Situation im Bereich der Arbeitskräfte spitzt sich zu

Mitgrund dafür ist sicher auch, dass steigende Lohn(neben)kosten
und Verfügbarkeit von Arbeitskräften eine zunehmende Belastung für
die Gemüsebaubetriebe darstellen – genauso wie für die ebenso
arbeitsintensiven Obstbaubetriebe. „Viele Nachbarländer mit
vergleichbarem Lohnniveau haben Sonderregelungen für
Saisonarbeitskräfte eingeführt, etwa in Form deutlich reduzierter
Lohnnebenkosten. Solche Modelle gewinnen EU-weit zunehmend an
Bedeutung. Wir brauchen daher auch in Österreich rasch umsetzbare und
rechtssichere Lösungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
Gemüseproduktion langfristig abzusichern. Kleine Anpassungen wie eine
Reduktion der Lohnnebenkosten um 1% sind zwar positiv, gleichen die
bestehenden Wettbewerbsnachteile aber bei weitem nicht aus“, betont
ÖBOG-Obmann Manfred Kohlfürst .

Außerdem seien die verfügbaren Kontingente aktuell in vielen
Bundesländern bereits ausgeschöpft bzw. sehr knapp, wodurch Betriebe
zum Teil keine weiteren Arbeitskräfte aus Drittstaaten beschäftigen
können. „Vor allem im Hinblick auf die kommenden Monate stellt sich
die Frage, wie die anfallende Arbeit überhaupt bewältigt werden
soll“, so Kohlfürst. „Außerdem bestehen bei der Anstellung der
Saisonarbeitskräfte erhebliche bürokratische Hürden, die dringend
vereinfacht und praxisnäher gestaltet werden sollten“, fordert der
ÖBOG-Obmann, genauso wie BGV-Präsident Auer.

Pflanzenschutz – eine dauerhafte Herausforderung

„Im Pflanzenschutzbereich konnten zwar – auf Drängen bäuerlicher
Interessenvertreter – Verbesserungen und mehr Fairness im
europäischen Wettbewerb erreicht werden. Große Sorgen bereitet jedoch
weiterhin der laufende Wegfall von Wirkstoffen auf EU-Ebene. Das
gefährdet langfristig auch die Wirksamkeit“, warnt Auer. „Auch der
Bürokratieabbau bleibt eine dringende Notwendigkeit – allein schon
bei den Aufzeichnungen. Hier braucht es dringend eine echte
Entlastung, damit sich die Betriebe wieder stärker auf ihre
eigentliche Arbeit konzentrieren können“, so der Verbandspräsident,
der sich auch für eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung
ausspricht.