Massive Kürzungen im AMS-Förderbereich in OÖ

Linz (OTS) – Kürzungen bis zu 30 % im AMS-Förderbereich setzen
zentrale
arbeitsmarktpolitische Angebote in Oberösterreich massiv unter Druck.
Die Sozialplattform Oberösterreich reagiert darauf mit einem offenen
Brief an Vertreter:innen der Bundes- und Landespolitik, das AMS sowie
weitere zentrale Akteur:innen auf Landesebene.

Aktuell berichten in Oberösterreich 14 Sozialorganisationen mit
arbeitsmarktintegrativen Angeboten von Kürzungen mit einem
Gesamtvolumen von über 13,5 Millionen Euro für die Jahre 2026/2027.
Betroffen sind Beschäftigungsprojekte, Beratungsangebote und
Frauenberufszentren.

Das AMS Frühwarnsystem wird von mehreren Sozialorganisationen
ausgelöst. Nach aktueller Einschätzung sind mindestens 100
qualifizierte Mitarbeiter:innen von Kündigungen betroffen.

Die notwendigen Veränderungen und Schließungen der Angebote haben
gravierende Folgen für arbeitssuchende Menschen, die nun keine oder
nur noch deutlich eingeschränkte Unterstützung beim (Wieder-)Einstieg
in den Arbeitsmarkt erhalten. Gerade für die steigende
Langzeitarbeitslosigkeit wären aber ausreichende Angebote notwendig.

Zwtl.: Weniger Unterstützung – weitreichende Folgen

Aus Sicht der Sozialplattform OÖ führen die Einschnitte zu einem
deutlichen Qualitäts- und Wirksamkeitsverlust der
arbeitsmarktpolitischen Angebote:

– Individuelle, maßgeschneiderte Beratung und Begleitung werden
reduziert

– Unterstützungsangebote für arbeitslose Menschen werden
eingeschränkt

– Regionale Strukturen als Leistungserbringer für Gemeinden,
Unternehmen und Privatpersonengeraten unter Druck

– Bewährte Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt verlieren an
Wirkung

Die Konsequenzen betreffen nicht nur die unmittelbar betroffenen
Menschen, sondern haben Auswirkungen auf den gesamten Wirtschafts-
und Sozialraum.

Zwtl.: „Wir stehen vor strukturellen Einschnitten“

„ Die geplanten Kürzungen gehen weit über einzelne Projekte
hinaus. Wir stehen vor strukturellen Einschnitten, die sich auf die
gesamte arbeitsmarktpolitische Landschaft in Oberösterreich
nachhaltig negativ auswirken werden “, betont Stefan Thurner,
Sozialplattform Oberösterreich .

„ Die Kürzungen, in deren Folge bei B7 32 Prozent des Personals
im AMS-Kontext ihren Job verlieren, bleiben nicht ohne Folgen für die
Qualität der Betreuung. Für die Kundinnen und Kunden heißt das: Statt
einer persönlichen Begleitung bei ihren oft komplexen Hürden in den
Arbeitsmarkt bleibt nur noch Zeit für Lebenslaufgestaltung,
Kompetenzerfassung und ‚Mein AMS‘ – und das ist eindeutig zu wenig “
, erklärt Ulrike Würzburger, B7 Arbeit und Leben .

„ Die massiven Kürzungen im arbeitsmarktpolitischen Budget
treffen Oberösterreich genau dort, wo Unterstützung in Zeiten
steigender Arbeitslosigkeit am dringendsten gebraucht wird.
Gleichzeitig führen die Einsparungen zu erheblicher Verunsicherung
innerhalb der Trägerorganisationen: Hochqualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern ab, weil Planungssicherheit
und langfristige Perspektiven fehlen. Kurzsichtige
Budgetentscheidungen gefährden damit nicht nur Angebote für
Arbeitssuchende, sondern auch die Stabilität und Expertise jener
Strukturen, die seit Jahren erfolgreich wirken “, erläutert Günther
Dachs, FAB Sozialbetriebe.

„ Für uns bedeuten diese massiven Kürzungen nicht nur eine
budgetäre Herausforderung, sondern in erster Linie drastische
Einschnitte in Angebote, die Menschen mit gesundheitlichen
Einschränkungen beim Wiedereinstieg in Arbeit unterstützen. Wir
brauchen jetzt zumindest Planungssicherheit – für die über 1.000
arbeitslosen Menschen mit psychischen Problemen, für viele unserer
Mitarbeiter:innen, die wir nun leider kündigen müssen und für die
Weiterentwicklung bewährter arbeitsmarktpolitischer Strukturen. Wenn
Angebote in dieser Größenordnung kurzfristig reduziert werden, gehen
nicht nur viele Arbeitsplätze verloren, sondern auch Erfahrung,
regionale Verankerung und wirksame Unterstützung für jene Menschen,
die sie besonders brauchen “, betont Gernot Koren, pro mente OÖ .

Zwtl.: Auswirkungen auf Wirtschaft, Regionen und Sozialsystem

Die Sozialplattform OÖ weist darauf hin, dass die Folgen der
Kürzungen weit über den AMS-Kontext hinausreichen:

– geringere Unterstützung für Unternehmen bei der
Arbeitskräfteintegration

– drohende Schließungen regionaler Standorte

– Rückzug von Angeboten aus ländlichen Regionen

– steigende Folgekosten im Sozial- und Gesundheitsbereich

– Verlust von Arbeitsplätzen innerhalb der Trägerorganisationen

Zwtl.: Forderungen: Planungssicherheit und klare Perspektive

Im offenen Brief (www.sozialplattform.at) formuliert die
Sozialplattform OÖ zentrale Forderungen:

– Planungssicherheit bis Ende 2027 für Trägerorganisationen und
Beschäftigte

– Entwicklung und Kommunikation eines klaren Zukunftsbildes für die
arbeitsmarktpolitischen Angebote in Oberösterreich

– Einbindung der Trägerorganisationen in strategische
Entscheidungsprozesse

Ziel sei es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und
bewährte Strukturen zu sichern.