Jugend Eine Welt: Kinderrechte in Liberia massiv unter Druck

Wien/Monrovia (OTS) – „In einer kleinen Zelle, die für zwei Insassen
vorgesehen ist, sind
acht bis zehn Jugendliche untergebracht. Geschlafen wird abwechselnd,
weil diese Zellengröße ihren vielen Bewohnern nur stehend Platz
bietet. Der ständige Hunger und die dramatische Raumsituation
schwächen die Gesundheit der Kinder enorm“, berichtet Jugend Eine
Welt-Projektpartner Lothar Wagner aus dem Zentralgefängnis von
Monrovia, der Hauptstadt Liberias, anlässlich des Weltkindertags am
20. September.

Liberia: Kinder hinter Gittern
Der Salesianer Don Boscos leistet im knapp 6-Millionen Einwohnerstaat
seit zehn Jahren wichtige Arbeit. Bruder Lothar kümmert sich
tagtäglich nicht nur um sogenannte Friedhofskinder – auf der Straße
lebende Minderjährige, die in Ermangelung eines sicheren Zuhauses in
verlassenen Gräbern schlafen müssen. Sondern vorwiegend auch um
minderjährige Häftlinge im heillos überfüllten städtischen Gefängnis.
Die Haftanstalt wurde ursprünglich für 325 Menschen errichtet. Heute
sind dort mehr als 1.500 Personen untergebracht, darunter auch Kinder
und Jugendliche. Nach Erfahrung der Projektmitarbeiter landen
Minderjährige teilweise wegen geringfügiger Vorwürfe im Gefängnis. In
einzelnen Fällen würden Kinder auch ohne eigenes Verschulden
festgehalten, berichtet Wagner. „Nach zehn Jahren harter Arbeit gibt
es für mich absolut keinen Grund zu feiern. Es ist vielmehr ein
Moment, bitter innezuhalten. In unserem Büro stehen meterweise Ordner
voller Dokumentationen über unvorstellbares Leid. Über Kinder, die im
Gefängnis eingepfercht sind und deren grundlegende Rechte nicht
eingehalten werden.“

„Wir lassen diese Kinder niemals im Stich“
Lothar Wagner versucht den Jugendlichen ganz konkret zu helfen. Er
spricht mit Polizei, Gerichten und Angehörigen, besucht die Kinder im
Gefängnis und versorgt sie mit Trinkwasser und warmen Mahlzeiten.
Darüber hinaus organisiert er medizinische Betreuung, psychologische
Unterstützung und unabhängigen Rechtsbeistand. Mehr als 1.000 junge
Menschen hat der Jugend Eine Welt-Projektpartner in den vergangenen
zehn Jahren begleitet. „Wir haben auch hart gegen Missstände und
Korruption im Polizei- und Justizwesen angekämpft. Gleichzeitig ist
das ein großer Spagat, ein Dilemma“ , erklärt Wagner. „Denn jede
Kritik am System, so leise sie ist, kann unseren sofortigen
Rausschmiss aus dem Gefängnis bedeuten. Dann wären die Kinder völlig
auf sich allein gestellt. Unser Handlungsspielraum ist begrenzt. Aber
diese Ernüchterung bedeutet für mich niemals Resignation. Wir machen
auf jeden Fall weiter, weil diese Kinder Rechte haben und wir sie
auch niemals im Stich lassen.“

Besonders hart trifft das System Kinder aus armen Familien. Meist
fehlt Geld für eine Kaution oder anwaltliche Unterstützung, selbst
bei geringfügigen Vorwürfen. Dadurch bleiben Minderjährige länger in
Haft, verpassen wichtige Schuljahre und werden nach ihrer Entlassung
gesellschaftlich stigmatisiert. „Rechte werden oft erst dann
umgesetzt, wenn bezahlt wird“ , kritisiert Wagner. „Die Kinder
bleiben dadurch nicht nur im Gefängnis, sondern auch in einem System
gefangen, aus dem sie kaum herausfinden.“

Großer Handlungsbedarf in West- und Zentralafrika
Wie groß der Handlungsbedarf beim Thema Kinderrechte weltweit ist,
zeigt der aktuelle KidsRights Index 2026. Der internationale
Vergleich untersucht die Situation der Kinderrechte in 194 Ländern
und greift dabei unter anderem auf Daten internationaler
Institutionen wie WHO und UNICEF zurück. Die Bilanz ist ernüchternd:
Nur fünf Länder verbesserten sich gegenüber dem Vorjahr, 31 Länder
fielen zurück. Äußerst schwierig ist die Situation in West- und
Zentralafrika. Kein einziges Land dieser Region findet sich unter den
ersten 100 Plätzen des KidsRights Index 2026. Liberia rangiert auf
Rang 167 und hat sich gegenüber dem Vorjahr um fünf Plätze
verschlechtert. Besonders niedrig fällt die Bewertung in den
Bereichen Leben und Schutz von Kindern aus.

Jugend Eine Welt hilft konkret
Jugend Eine Welt unterstützt die Arbeit von Bruder Lothar und der
Salesianer Don Boscos vor Ort in West-Afrika seit vielen Jahren. „Mit
einer Spende von 50 Euro kann beispielsweise anwaltlicher Beistand
für ein Kind finanziert werden. Spenden ermöglichen außerdem die
Versorgung der inhaftierten Jugendlichen mit Essen, Trinkwasser und
Medikamenten“ , erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend
Eine Welt . Gleichzeitig ruft Heiserer dazu auf, das Schicksal der
Kinder sichtbar zu machen: „Sprechen Sie darüber. In Ihrem
Freundeskreis, in der Schule Ihrer Kinder, in Ihrem Verein oder in
Ihrer Pfarre. Der Weltkindertag darf nicht nur ein Tag schöner Worte
sein. Er muss uns daran erinnern, dass Kinderrechte in allen Ländern
unserer EINEN Welt und jeden Tag gelten – und dass wir dort handeln
müssen, wo Kinder Gewalt, Ausbeutung, Armut oder Perspektivlosigkeit
erleben.“

Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 |
Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind
steuerlich absetzbar!

Weiterführende Informationen zum Thema „Kinderrechte“:
Jugend Eine Welt: www.jugendeinewelt.at/kinderrechte
KidsRights Index 2026: www.kidsrights.org/what-we-
do/research/kidsrights-index

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