Inklusive Schule wirkt

Wien (OTS) – „Inklusive Bildung ist die bessere Bildung – für alle
Kinder. Und sie
funktioniert bereits dort, wo Ressourcen, Unterstützung und Haltung
zusammenpassen“, betonen Lebenshilfe, Inklusion Österreich und
Diakonie anlässlich der Veröffentlichung ihrer Analyse, die
strukturelle Lücken aufzeigt.

Zwtl.: Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Die drei Organisationen haben die Bundesländer unter anderem
danach verglichen,

– wie viele der rund 5% Schüler*innen mit sonderpädagogischem
Förderbedarf (SPF) inklusiv beschult werden,

– wie Schulassistenz geregelt ist,

– wie die Ressourcen zwischen Sonderschulwesen und inklusiver Bildung
verteilt sind und

– wie oft Suspendierungen vorkommen.

Zwtl.: Rückschritte und Überforderung im System Schule

Österreich hat sich 2008 mit der Ratifizierung der UN-
Behindertenrechtskonvention verpflichtet, ein inklusives Schulsystem
zu schaffen, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen.
Fast zwei Jahrzehnte später ist dieses Versprechen nicht eingelöst.
Im Schuljahr 2024/25 hatten 31.411 Kinder und Jugendliche einen
sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF). Mehr als ein Drittel von
ihnen, 36,6 Prozent, besuchte eine Sonderschule.

Ob ein Kind gemeinsam mit anderen lernt, hängt vor allem davon
ab, wo es lebt. Der Anteil der inklusiv unterrichteten Kinder reicht
je nach Bundesland von 84 Prozent bis 43 Prozent. „Das ist eine
Wohnortlotterie“, konstatieren die Autor*innen Der Bericht vergleicht
erstmals systematisch, wie die neun Bundesländer schulische Inklusion
umsetzen. Er stützt sich auf Daten der Statistik Austria, auf
Auskünfte der neun Bildungsdirektionen und auf Erfahrungsberichte von
Familien, Expert*innen und Lehrkräften.

Zwtl.: Der schulische Lernort macht einen Unterschied

Obwohl bislang nur wenige Daten zu Bildungs- und Berufswegen
junger Menschen mit Behinderungen vorliegen, zeigen Studien deutliche
Unterschiede. In Österreich ist zwei Jahre nach dem Verlassen der
Sonderschule mehr als die Hälfte der Jugendlichen mit
sonderpädagogischem Förderbedarf ohne Anschluss an Bildung, Arbeit
oder Unterstützungsangebote.

Unter Jugendlichen mit demselben Förderstatus aus Regelschulen
betrifft das nur etwas mehr als ein Viertel. Auch deutsche Daten
zeigen eine deutliche Kluft: Zwei Jahre nach Ende der 9. Klasse sind
nur gut ein Viertel der ehemaligen Förderschüler*innen in regulärer
Berufsausbildung – gegenüber knapp der Hälfte der Jugendlichen aus
Regelschulen.

Das bisherige Datenmonitoring reicht jedoch nicht aus: Bildungs-
und Berufswege junger Menschen mit Behinderungen müssen
systematischer erfasst werden, um inklusive Bildung evidenzbasiert
weiterzuentwickeln.

Zwtl.: Datenlücken verhindern gezielte Reformen

Die Analyse legt insgesamt gravierende Daten- und
Transparenzlücken offen, und die Daten, die von Statistik Austria und
den Bundesländern selbst veröffentlicht werden, sind oft
widersprüchlich und schwer vergleichbar. „Wer inklusive Bildung
gestalten will, braucht verlässliche Daten. Es kann nicht sein, dass
wir zentrale Informationen zur Steuerung eines ganzen Systems … so
schwer zu bekommen und diese dann so wenig brauchbar sind“, so die
Organisationen.

Zwtl.: Gute Rahmenbedingungen lassen Inklusion gelingen

Trotz vieler belastender Fallgeschichten von betroffenen Kindern
und Familien zeigt der Bericht aber auch klar: „Überall dort, wo die
Rahmenbedingungen gut sind, gelingt Inklusion – und zwar nicht nur
für Kinder mit Behinderungen, sondern für alle“, heißt es von den
Organisationen. In Klassen, in denen Kinder mit SPF überwiegend
inklusiv lernen, profitieren alle von vielfältigen Lerngruppen,
gemeinsamer Verantwortung und einem Unterricht, der Vielfalt als
Chance versteht.

Zwtl.: Klare Forderungen an Politik und Verwaltung

„Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen darf gemeinsames
Lernen deshalb nicht mit der Pflichtschule enden“, sind sich alle
einig, und fordern deshalb:

„Wir brauchen

– ein inklusives Bildungssystem ohne separates Sonderschulwesen,

– die klare Umverteilung der Ressourcen hin zu inklusiven
Regelschulen,

– bundesweit einheitliche Standards,

– eine verbesserte Datenlage

– und vor allem eines: ein klares Bekenntnis zur inklusiven Bildung
und eine Haltung, die die strukturelle Diskriminierung beendet.“

„Ziel muss sein, dass jedes Kind entsprechend seinem
Unterstützungsbedarf wohnortnah inklusiv lernen könne – ohne
Aussonderung aufgrund einer Behinderung“, so die Vertreter*innen von
Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie Österreich.

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