Wien (OTS) – Im Februar 2026 hat die Bundesregierung eine
Grundsatzentscheidung
zum Impfen in Apotheken getroffen. Eine gesetzliche Basis dafür fehlt
allerdings bis heute, trotz des geplanten Starts im Jänner 2027.
Angesichts sinkender Durchimpfungsraten in einigen Impfindikationen
und der internationalen Erfolge durch das Impfen in der öffentlichen
Apotheke fordert der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller
(ÖVIH) nun, dass die notwendigen Gesetzesänderungen so schnell wie
möglich auf den Weg gebracht werden.
Zwtl.: Unzureichende Durchimpfungsraten
„ Mit dem österreichischen Kinderimpfkonzept und der Einführung
des öffentlichen Impfprogramms sind bereits wichtige Meilensteine
gelungen “, erklärt Mag. a Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖVIH. „
Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Daten zu den eingesetzten
Impfstoffmengen, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird. In
einzelnen Indikationen sind die Durchimpfungsraten weiterhin nicht
ausreichend, zudem bestehen nach wie vor Herausforderungen bei der
Umsetzung und beim niederschwelligen Zugang zu Impfungen. “
Zwtl.: FSME: Fallzahlen steigen, Impfquote sinkt
Als Beispiel nennt der ÖVIH die Impfung gegen FSME*. „ Österreich
zählt zu den am stärksten von FSME betroffenen Ländern Europas.
Dennoch haben Evaluierungen 2026 ergeben, dass die Durchimpfungsrate
sinkt, die notwendigen und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen
oftmals nicht durchgeführt werden und die Anzahl der FSME-
Erkrankungsfälle ansteigt “, berichtet Mag. a Nicole Zahradnicek,
Vizepräsidentin des ÖVIH. Laut Virologie der MedUni Wien wurden 2026
bis September bereits 155 bestätigte FSME-Infektionen registriert. Im
gesamten Jahr 2025 waren es insgesamt 132 Erkrankungsfälle.
Zwtl.: Nachholbedarf bei HPV
Nicht befriedigend ist die Situation auch bei HPV**: Die HPV-
Impfung wird in Österreich seit 2014 für Mädchen und Buben im
Schulimpfprogramm und seit Februar 2024 für alle bis zum 21.
Geburtstag kostenlos angeboten. Weiters gab es bis Juni 2026 ein
befristetes Catch-up-Programm für 21- bis 29-Jährige. „ Diese
Impfoption steigerte die Impfaktivität dieser Altersgruppe deutlich.
Nach Ende dieses Angebots ist die Impfbereitschaft der über 21-
Jährigen jedoch wieder zurückgegangen. Außerdem gibt es erhebliche
Impflücken bei Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr “, betont
Haslinger. „ Hier könnten öffentliche Apotheken helfen, wieder mehr
junge Menschen zu erreichen. Außerdem kann die Maßnahme durch das HPV
-Cockpit, in dem die Impfungen genau dokumentiert werden, ab dem
ersten Tag evaluiert werden. “
Zwtl.: Impfen in Apotheken als zusätzliche Option
Sie stellt klar: „ Das Impfen in Apotheken stellt eine weitere
zusätzliche Impfoption dar, neben dem Impfen in den Ordinationen,
Schulen, Betrieben und Impfinstituten. Die Vorteile liegen klar auf
der Hand. Das Impfen in Apotheken bietet einen niederschwelligen
Zugang, Impfaufklärung und -verabreichung ohne zusätzlichen Termin
sowie die Möglichkeit, auch junge und gesunde Menschen zu erreichen,
die selten zum Arzt oder zur Ärztin gehen. “
Zahradnicek ergänzt: „ In den meisten Ländern der EU wird in der
Apotheke geimpft und das sehr erfolgreich. Die Durchimpfungsraten
werden gesteigert und die Impfbereitschaft erhöht. In einigen Ländern
zeigte sich sogar, dass das Impfen in der Apotheke die
Impfbereitschaft in der ärztlichen Praxis gesteigert hat. “
Zwtl.: Internationale Erfolgsbeispiele
Beispielsweise dürfen Pharmazeut:innen in Irland seit 2011
impfen. Das führte zu einem Anstieg der Influenza-Durchimpfungsrate
um etwa 50 %. 1 Eine von vier in der Apotheke geimpften Personen war
davor nicht geimpft. 2 In Portugal stieg die Influenza-
Durchimpfungsrate durch die Einführung der Apothekenimpfung um 32 %.
1 Zahlen aus der Schweiz zeigen, dass 15 % der in Apotheken gegen
Influenza geimpften Personen ohne dieses Angebot ungeimpft geblieben
wären. 3
Zwtl.: Rasche und praktische Umsetzung notwendig
Der ÖVIH fordert die Bundesregierung daher auf, die im Februar
getroffene Grundsatzentscheidung zum Impfen in öffentlichen Apotheken
zeitnah umzusetzen. Haslinger: „ Wir schlagen vor, mit einigen
ausgewählten Impfungen im Jänner 2027 zu beginnen, nämlich HPV, FSME
und eventuell auch Keuchhusten (Pertussis). “ Bei HPV gebe es nach
wie vor Probleme bei den Schulimpfungen und bei FSME und Keuchhusten
sei aufgrund der Fallzahlen Handlungsbedarf gegeben. Die HPV-Impfung
ab 14 von Beginn an in das Impfangebot in Apotheken zu inkludieren,
wäre darüber hinaus eine Bestätigung der von Österreich
eingeschlagenen HPV-Eliminierungsstrategie.
Ein Start mit ausgewählten Impfungen schafft erste
Erfahrungswerte für einen schrittweisen Ausbau. Das Ziel sollte sein,
alle im ÖIP verfügbaren Impfungen neben den bisherigen
Impfmöglichkeiten auch in Apotheken zur Verfügung stellen zu können.
* Frühsommer-Meningoenzephalitis
** Humane Papillomviren
1. International Pharmaceutical Federation (FIP). Vaccine
administration and prescribing by pharmacists: Scope of services,
training and impact. The Hague: FIP; 2024. S. 4.
2. The Pharmaceutical Society of Ireland. Report on the Evaluation of
the Seasonal Influenza Vaccination Service in Pharmacy 2014/2015.
Dublin: PSI; 2015. S. 12–15.
3. Kaiser B, Zimmermann L. Impfen in der Apotheke: Bestandsaufnahme
und Erfahrungen der Apotheken. Bericht zuhanden des Schweizerischen
Apothekerverbands pharmaSuisse. Basel: B,S,S. Volkswirtschaftliche
Beratung; 2018. S. 21, 23.
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