Helga Krismer: „Stephan Pernkopf verweigert die Umsetzung der Renaturierungsverordnung“

St. Pölten (OTS) – Scharfe Kritik am zuständigen Landesrat Stephan
Pernkopf übt die
Klubobfrau der Grünen im NÖ Landtag, Helga Krismer, in der
Budgetdebatte zur EU-Renaturierungsverordnung: „Die ÖVP wirft der SPÖ
vor, beschlossene Gesetze wie die Schließung der Notarztstützpunkte
nicht zu vollziehen – und genau dasselbe Muster betreibt Landesrat
Stephan Pernkopf bei der Renaturierungsverordnung. Ob es einem passt
oder nicht: Wenn wir das Gefüge unserer Demokratie ernst nehmen, dann
ist eine gültige Verordnung umzusetzen. Punkt. Stattdessen macht
Stephan Pernkopf gemeinsam mit Gemeindebundpräsident Johannes Pressl
politisches und mediales Kleingeld und verbreitet Schreckensszenarien
statt die Gemeinden auf die Umsetzung vorzubereiten. Das ist
verantwortungslos und stillos.“

Artikel 8 der EU-Renaturierungsverordnung verpflichtet die
Mitgliedsstaaten, den Anteil an Grünflächen und Baumüberschirmung im
urbanen Raum zu erhalten und zu erhöhen. Ab 2031 muss ein steigender
Trend nachweisbar sein, alle sechs Jahre ist ein Bericht vorzulegen.
Betroffen sind laut LAU-Liste österreichweit 467 Gemeinden, rund 130
davon in Niederösterreich. „Ich habe nicht den Eindruck, dass
Landesrat Stephan Pernkopf diese Gemeinden bisher auch nur informiert
hat – weder über die Energie- und Umweltagentur noch über die
Naturschutz- oder die Raumordnungsabteilung. Die Gemeinden werden im
Regen stehen gelassen, während die zwei Herren groß in den Medien
Stimmung machen“, so Helga Krismer.

Datenerhebung: Copernicus allein reicht nicht

Die Verordnung sieht die Erhebung mittels Copernicus-
Satellitendaten vor – diese erfassen aber nur Grünflächen ab einer
Rasterauflösung von 10 mal 10 Metern. Einzelbäume im urbanen Raum
sind damit technisch nicht detektierbar. „Genau deshalb schreibt die
Verordnung vor, dass diese Daten national angereichert werden müssen.
Das ist der Job der Landesräte, gemeinsam etwa mit dem Bundesamt für
Eich- und Vermessungswesen. Es gibt längst wissenschaftliche
Vorarbeiten. Man müsste nur arbeiten wollen. Auch die FPÖ-Landesrätin
Rosenkranz hat endlich die Arbeit aufzunehmen“, betont Helga Krismer.

Große Gemeinden haben bereits Gis-Baumkataster

Viele größere Gemeinden verfügen zwar bereits über Baumkataster,
oft aber nur als Excel-Tabelle, wenige auch öffentlich zugänglich auf
einer Plattform. Notwendig sei eine einheitliche, georeferenzierte
und öffentlich einsehbare GIS-Plattform, in der neben den Geodaten
auch Baumart und Alter erfasst werden, um die tatsächliche
Kronenfläche hochrechnen zu können. Wie wichtig jeder einzelne Baum
ist, illustriert Helga Krismer mit einem Beispiel aus Baden: „Als die
Grünen in Baden mitregiert haben, haben wir geschaut, wo in der
Fußgängerzone noch Bäume gepflanzt werden können. Vor zwei Jahren hat
mich ein Bewohner der Beethovengasse angesprochen: ‚Danke für den
Baum vor unserem Fenster, im Sommer ist es dadurch wirklich ein paar
Grad kühler.‘ Jeder Baum im verbauten Zentrum ist eine natürliche
Klimaanlage. Wer in den Innenstädten von Mödling, Klosterneuburg,
Baden oder Wiener Neustadt unterwegs ist, weiß: Grüne Infrastruktur
ist für die Lebensqualität der Bürger:innen essenziell – ja
existenziell.“