Wien (OTS) – „Die Stadtregierung rühmt sich gerne damit, dass Wien
zur Hälfte
Grünfläche sei. Aber ein Großteil des Grüns liegt an den
Stadträndern, etwa im Wienerwald, und nicht direkt vor den Haustüren
der Stadtbewohner:innen, wo sie es dringend brauchen“, kritisiert die
Umweltsprecherin der Grünen Wien, Tina Wirnsberger.
„Alle, die sich in den letzten Tagen bei der erbarmungslosen
Hitze möglichst von Schatten zu Schatten durch die Straßen Wiens
bewegt haben, haben am eigenen Leib erfahren, wie wichtig große
kühlende Bäume für die Lebensqualität in unserer Stadt sind. Mit
ihren ambitionslosen Zielen lässt die Stadtregierung die Menschen im
Stich. Wien braucht 100.000 neue Bäume bis 2030, nicht nur ein
mickriges Fünftel davon“, so Wirnsberger.
Expert:innen empfehlen Mindestbeschattung von 30% – Wien hat nur 15%
3-30-300 lautet die Regel für mehr Lebensqualität und Klimaresilienz
in Städten. Sie besagt, dass jede Person von ihrem Zuhause aus
mindestens 3 Bäume sehen sollte, alle Stadtviertel zumindest zu 30%
von Baumkronen überschattet und der nächste Park oder andere
Grünflächen maximal 300 Meter entfernt sein sollten.
Das 3-30-300-Modell hat sich in der Stadtplanung weltweit
etabliert – nur nicht bei der Wiener Stadtregierung: Der
Baumüberschattungsgrad liegt hier mit 15% gerade einmal bei der
Hälfte. Um die notwendigen 30% bis 2030 zu erreichen, müsste man bis
dahin 100.000 neue Straßenbäume pflanzen. SPÖ und Neos haben in ihrer
Koalitionsvereinbarung für diesen Zeitraum gerade einmal 20.000 Bäume
vorgesehen – noch weniger als in der vorigen Periode. Bäume sind die
wichtigsten natürlichen Klimaanlagen. Sie spenden Schatten und kühlen
die Umgebung durch Verdunstung nachweislich um mehrere Grad ab.
Budget für Baumpflanzungen massiv gekürzt
Zudem habe die Stadtregierung die Mittel für Baumpflanzungen und
Klimawandelanpassung massiv gekürzt. In der vergangenen Periode
standen den Bezirken dafür mit dem Programm der „Lebenswerten
Klimamusterstadt“ 100 Millionen Euro zur Verfügung. Diese hat Rot-
Pink 2025 ersatzlos gestrichen und die Bezirksbudgets eingefroren.
Außerdem verschwinden derzeit die Einnahmen durch Baumfällungen,
sogenannte Ausgleichszahlungen, im maroden Stadtbudget. Die laut
Baumschutzgesetz zweckgebundene Verwendung für Pflanzungen und Erhalt
von Bäumen kann die Stadt nicht nachweisen, wie auch der
Stadtrechnungshof bereits kritisierte. „Es sind die Bezirke, die für
die spürbaren Veränderungen sorgen und den Wiener:innen das Leben in
Hitzezeiten leichter machen. Daher fordern wir, dass ihnen die
Einnahmen aus den Ausgleichszahlungen direkt zukommen, damit sie
Grätzl lebenswert und klimafit gestalten können“, so Wirnsberger
abschließend.