Wien (OTS) – Eine neue EU-weite Untersuchung zeigt das erschreckende
Ausmaß
sexualisierter KI-Deepfakes: Bei 138 Politikerinnen aus 22 EU-Staaten
wurden entsprechende Inhalte gefunden. Darunter auch die Grüne
Europaabgeordnete Lena Schilling. Frauen in der Politik sind 33-mal
häufiger betroffen als Männer – eine von 14 Politikerinnen gegenüber
einem von 500 Politikern.
„Frauen werden mit KI gegen ihren Willen ausgezogen, ihre
Gesichter auf sexualisierte Bilder und Videos gesetzt und diese im
Netz verbreitet. Das ist keine harmlose Spielerei mit KI. Das ist
digitale sexualisierte Gewalt. Sie erniedrigt, schüchtert ein und
soll Frauen zum Schweigen bringen. Meine volle Solidarität gilt allen
Betroffenen. Und aus dieser Solidarität folgt ein klarer politischer
Handlungsauftrag: Frauen müssen sich darauf verlassen können, dass
der Rechtsstaat sie auch im digitalen Raum wirksam schützt“, sagt
Meri Disoski, Frauen- und Europasprecherin der Grünen.
„Wenn Frauen damit rechnen müssen, gegen ihren Willen ausgezogen
und sexualisiert zu werden, sobald sie politisch sichtbar werden,
haben wir ein Demokratieproblem. Was macht das mit einer jungen Frau,
die überlegt, in die Politik zu gehen? Wenn Gewalt Frauen
einschüchtert, zum Schweigen bringt oder aus dem öffentlichen Leben
drängt, beschränkt sie ihre politische Teilhabe. Das dürfen wir
niemals zur neuen Normalität werden lassen“, betont Disoski.
Scharfe Kritik übt Disoski an der Bundesregierung: „Im April hat
die Regierung eine ‚Fast Lane‘ im Kampf gegen KI-produzierte Gewalt
angekündigt. Fünf Monate später warten Frauen noch immer auf
wirksamen gesetzlichen Schutz. Die Regierung kennt die Schutzlücken.
Sie kennt unsere Vorschläge. Trotzdem passiert nichts. Aus der
angekündigten Fast Lane ist politisches Schneckentempo geworden.
Justizministerin Sporrer und Frauenministerin Holzleitner müssen
endlich liefern.“
Im Juni hatten die Grünen ein umfassendes Maßnahmenpaket
vorgelegt. Gefordert werden unter anderem wirksamer strafrechtlicher
Schutz gegen sexualisierte Missbrauchs-Deepfakes, stärkere
Verantwortung von KI-Anbietern und Plattformen, bessere Opferhilfe
sowie Cyberambulanzen. Der Antrag wurde von den Regierungsparteien
abgelehnt.
Auch auf europäischer Ebene bringt Disoski das Thema heute ein.
Beim EU Parliamentary Democracy Forum im Europäischen Parlament in
Brüssel diskutiert sie über digitale Bedrohungen für demokratische
Prozesse und die Verantwortung großer Plattformen.
„Sexualisierte Deepfakes kennen keine Staatsgrenzen. Deshalb
müssen wir Plattformen und KI-Anbieter auch auf europäischer Ebene in
die Pflicht nehmen. Aber Österreich darf sich nicht hinter Europa
verstecken: Wer Frauen wirksam vor digitaler sexualisierter Gewalt
schützen will, muss jetzt auch national die Schutzlücken schließen“,
hält Disoski fest.