Digitale Souveränität wird zur Überlebensfrage für Wiens Unternehmen

Wien (OTS) – Jeder fünfte Cyberangriff in Wien erfolgt mittlerweile
über die
Lieferkette. „Genau deshalb rückt NIS2 stärker in den Mittelpunkt,
denn die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens endet nicht an der
eigenen Firewall“, sagt Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte
Information und Consulting der WK Wien.

Die NIS2-EU-Richtlinie tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und soll
die Wirtschaft vor den wachsenden Bedrohungen durch Cyberkriminalität
schützen und die digitale Widerstandsfähigkeit erhöhen. Sowohl die
Richtlinie als auch das Thema digitale Souveränität waren Thema bei
der heuer zum elften Mal von KPMG gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum
Sicheres Österreich (KSÖ) erstellten Studie „Cybersecurity in
Österreich“. Die Wien-Zahlen wurden zum vierten Mal erhoben.

Digitaler Brandschutz
Statt bislang 100 Organisationen werden in Österreich künftig mehrere
tausend Unternehmen vom Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz
2026 betroffen sein. Somit muss Cybersicherheit als Managementaufgabe
verstanden und Sicherheitsmaßnahmen in Geschäftsprozesse integriert
werden.

Erst 19 Prozent der Wiener Unternehmen haben Maßnahmen zur
Sicherheit ihrer Lieferkette etabliert und nur 36 Prozent haben
bereits Schulungen für ihre Unternehmensführungen umgesetzt.
Gleichzeitig wissen viele Betriebe immer noch nicht, ob sie künftig
unter die NIS2-Regelungen fallen werden.

„Cybersicherheit ist längst keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern
ein zentraler Bestandteil unternehmerischer Resilienz, vergleichbar
mit Brandschutz und Betriebshaftpflicht. Die Ergebnisse unserer KPMG
& KSÖ Studie „Cybersecurity in Österreich 2026“ zeigen, wie
entscheidend es ist, Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksame
Schutzmaßnahmen fest in der Unternehmenssteuerung zu verankern.
Spätestens mit NIS2 ist klar: Cyberrisiken gehören auf die Agenda der
Geschäftsführung“, sagt Robert Lamprecht, Partner bei KPMG Austria.

Digitale Souveränität
Die Digitalisierung eröffnet Unternehmen neue Chancen, schafft jedoch
gleichzeitig auch Abhängigkeiten. Wiener Unternehmen sehen eine hohe
Abhängigkeit von der EU (91 Prozent) und den USA (80 Prozent).
Allerdings ist das Vertrauen in die EU mit 97 Prozent größer als
jenes in die USA, das nur 39 Prozent beträgt.

Eine starke Abhängigkeit von anderen Staaten besteht vor allem in
folgenden Bereichen: Cloud-Technologie (56 Prozent), Künstliche
Intelligenz (54 Prozent) und IT-Komponenten (53 Prozent). Und 62
Prozent der Wiener Betriebe sagen, dass sie die Abhängigkeit von
ausländischen Geschäftspartnern aktuell nicht umgehen können. Und
rund 38 Prozent von einer Unterbrechung der Lieferkette betroffenen
Unternehmen könnten nach eigener Einschätzung nur rund drei Monate
wirtschaftlich überleben.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen wird digitale
Souveränität zunehmend bedeutender. Unternehmen und Staaten wollen
und müssen bei kritischen Technologien handlungsfähig bleiben können.
Aus der Studie geht auch hervor, dass 85 Prozent der Wiener
Unternehmen Cybersecurity-Lösungen aus Österreich bevorzugen würden
und sich eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Bereich
Cybersicherheit wünschen.

„Digitale Souveränität ist eine zentrale wirtschaftspolitische
Herausforderung. Unser Ziel muss sein, die digitale Resilienz Europas
zu stärken und heimische Unternehmen unabhängiger und
widerstandsfähiger zu machen“, sagt Heimhilcher abschließend.

Wer ist betroffen?
Von NIS2 besonders betroffen sind mittlere und große Unternehmen aus
insgesamt 18 gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Sektoren:
Energie, Verkehr, Gesundheit, digitale Infrastruktur, IT-
Dienstleistungen, Post- und Kurierdienste, Abfallwirtschaft,
Lebensmittelwirtschaft und bestimmte Bereiche der Industrie. Wer
unter das Gesetz fällt, muss ab 1. Oktober angemessene technische,
organisatorische und operative Cybersicherheitsmaßnahmen umgesetzt
haben – u.a. die Absicherung der Lieferkette. Und da die
Verantwortung bei der Geschäftsführung liegt, muss sie entsprechende
Cybersicherheitsschulungen absolvieren.

Ab 1. Oktober gelten zudem neue Meldepflichten für erhebliche
Cybersicherheitsvorfälle. Betroffene Unternehmen müssen sich bis
spätestens 31. Dezember registrieren. Aber auch Unternehmen, die
selbst nicht unmittelbar unter NIS2 fallen, sollten ihre
Cybersecurity überprüfen. Als Lieferanten oder Dienstleister von NIS2
-pflichtigen Unternehmen können sie künftig verstärkt mit
Sicherheitsanforderungen ihrer Auftraggeber konfrontiert werden.

Ob das eigene Unternehmen betroffen ist und welche Schritte
erforderlich sind, können Betriebe über den NIS2-Online-Ratgeber der
Wirtschaftskammer überprüfen.

Weitere Informationen zu NIS2: wko.at/it-sicherheit/nis2-
uebersicht