AustroCel: Steigende Holzpreise werden zur Standortfrage

Hallein, 25.9.2026. (OTS) – Holz ist eine der wichtigsten
erneuerbaren Ressourcen Österreichs –
aber nicht unbegrenzt verfügbar. Die stark steigenden Preise für
Sägehackschnitzel zeigen nach Ansicht von AustroCel Hallein, dass
sich die Nutzungskonkurrenz um Holz zunehmend verschärft. Für
rohstoffintensive Industriestandorte wird daraus eine Frage der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

AustroCel betreibt in Hallein eine integrierte Bioraffinerie und
steht für eine umfassende Nutzung des Rohstoffs Holz. Holz wird
zunächst stofflich verwertet; weitere Holzbestandteile und
verbleibende biogene Ströme werden zu zusätzlichen biobasierten
Produkten und erneuerbarer Energie verarbeitet.

„Wir wollen aus einer begrenzten erneuerbaren Ressource möglichst
viel Wertschöpfung schaffen. Genau das bedeutet für uns
Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie: hochwertige stoffliche Nutzung
zuerst, Energie am Ende der Kaskade“, sagt AustroCel-Geschäftsführer
Wolfram Kalt.

Zwtl.: Sägehackschnitzel sind kein Abfall

Sägehackschnitzel und andere Sägenebenprodukte sind seit
Jahrzehnten wichtige Rohstoffe für Zellstoff, Papier und
Holzwerkstoffe. Gerade dieser Markt hat sich zuletzt außergewöhnlich
stark verändert.

Seit dem zweiten Halbjahr 2025 sind die Preise für
Sägehackschnitzel stark gestiegen. Veröffentlichte Marktberichte
zeigen für Österreich Ende 2025 noch Preisniveaus von rund 115 bis
135 Ꞓ/t atro ab Sägewerk. Im zweiten Quartal 2026 wurden bereits
Preise von bis zu 155 Ꞓ/t atro ab Sägewerk berichtet. Aktuelle
Marktinformationen von AustroCel zeigen inzwischen Preisforderungen
von über 200 Ꞓ/t atro (BDMT) ab Sägewerk.
Die Entwicklung zeigt die zunehmende Anspannung auf einem
Rohstoffmarkt, auf den mehrere stoffliche und energetische
Anwendungen gleichzeitig zugreifen.
(Quellen: Holzkurier, Marktberichte November 2025 und April/Mai 2026;
aktuelle Marktinformationen AustroCel).

Zwtl.: 10 Euro mehr bedeuten 3,2 Millionen Euro Mehrkosten

Für AustroCel wird die Dimension schnell sichtbar: Das
Unternehmen verarbeitet jährlich rund 320.000 Tonnen atro Holz.

Jede dauerhafte Erhöhung des durchschnittlichen Holzpreises um 10
Ꞓ/t bedeutet damit rund 3,2 Mio. Ꞓ zusätzliche Kosten pro Jahr. Ein
Anstieg um 50 Ꞓ/t entspricht rechnerisch bereits 16 Mio. Ꞓ jährlich,
sofern die gesamte Holzmenge betroffen ist.

„Wir verkaufen unsere Produkte auf internationalen Märkten.
Regional stark steigende Rohstoffkosten können wir nicht einfach an
unsere Kunden weitergeben. Wenn sich die mitteleuropäischen
Holzpreise dauerhaft vom internationalen Wettbewerbsniveau
entkoppeln, wird aus einer Rohstofffrage eine Standortfrage“, so
Kalt.

Zwtl.: Nicht Bioenergie ist das Problem, sondern die Allokation

AustroCel warnt davor, daraus einen Konflikt zwischen Industrie
und Bioenergie zu machen. Bioenergie ist ein wichtiger Bestandteil
eines erneuerbaren Energiesystems. Entscheidend ist vielmehr, den
Rohstoff Holz möglichst effizient zu nutzen: stofflich, wo dies
möglich ist, und energetisch am Ende der Kaskade.

Durch die stoffliche Nutzung bleibt der im Holz gebundene
Kohlenstoff über die Nutzungsdauer der daraus hergestellten Produkte
gespeichert. Problematisch wird es dann, wenn Sägenebenprodukte, die
sich für eine stoffliche Nutzung eignen, durch zusätzliche
Förderungen oder regulatorische Vorteile verstärkt in die direkte
energetische Nutzung gelenkt werden.

Die starke Preisentwicklung hat inzwischen auch eine
konsumentenpolitische Dimension. Die Arbeiterkammer Salzburg
thematisiert aktuell den rund 30-prozentigen Anstieg der Pelletpreise
gegenüber dem Vorjahr und fordert eine Überprüfung der
Preisentwicklung sowie politische Maßnahmen. AustroCel bewertet diese
Vorwürfe nicht, sieht darin aber einen weiteren Grund für
größtmögliche Transparenz über Rohstoffströme, Preisbildung und die
Wirkung öffentlicher Förderungen.

(Quelle: Arbeiterkammer Salzburg, 16.09.2026,
https://sbg.arbeiterkammer.at/service/presse/AK-fordert-Preisdeckel-
fuer-Pellets.html)

„Wenn dieselben knappen Sägenebenprodukte für stoffliche Produkte,
Pellets und andere energetische Anwendungen benötigt werden, muss die
Politik verstehen, welche Mengen tatsächlich verfügbar sind und
welche Auswirkungen Förderungen und Regulierung auf diese
Rohstoffströme haben“, sagt Kalt.

Zwtl.: Europa erkennt das Allokationsproblem

Auch auf europäischer Ebene gewinnt die Frage an Bedeutung. Ein
Anfang September bekannt gewordener Entwurf der Folgenabschätzung für
den künftigen europäischen Erneuerbaren-Rahmen („RED IV“) weist auf
die begrenzte Verfügbarkeit forstlicher Biomasse und eine teilweise
suboptimale Allokation knapper Biomasseressourcen hin. Der Entwurf
thematisiert zudem mögliche Fehlanreize für energetisch geringwertige
Nutzungen hochwertiger Rohstoffe.
(Quelle: Draft Impact Assessment for the post-2030 Renewable Energy
Framework / RED IV, Stand September 2026)

AustroCel leitet daraus drei Grundsätze ab:

Erstens : Holz, das hochwertig stofflich genutzt werden kann,
sollte grundsätzlich zunächst stofflich genutzt werden.
Zweitens : Sägenebenprodukte dürfen nicht allein deshalb als
bevorzugter Energierohstoff behandelt werden, weil sie als „sekundäre
Biomasse“ oder „Reststoffe“ klassifiziert werden. Entscheidend ist
ihre tatsächliche stoffliche Verwertbarkeit.
Drittens : Förderungen und regulatorische Vereinfachungen sollten
tatsächlich zusätzliche und bislang ungenutzte Biomasse mobilisieren
– nicht Rohstoffe aus bestehenden industriellen Wertschöpfungsketten
abziehen.

Zwtl.: Eine Ressource – viele politische Ziele

Österreich will gleichzeitig Holzbau, Bioökonomie, Zellstoff und
Papier, erneuerbare Wärme und Versorgungssicherheit stärken. Alle
diese Ziele sind nachvollziehbar. Sie können aber nicht unabhängig
voneinander geplant werden, wenn sie auf dieselbe begrenzte
Rohstoffbasis zugreifen.

„Wir dürfen dieselbe Tonne Holz nicht politisch mehrfach
verplanen. Österreich braucht keine Diskussion Industrie gegen
Energie, sondern Transparenz über die verfügbaren Mengen und eine
intelligente Allokation seiner begrenzten Holzressourcen“, so Kalt.

Für AustroCel lässt sich der notwendige Grundsatz einfach
zusammenfassen:
„Aus jedem begrenzt verfügbaren Festmeter Holz möglichst viel
Wertschöpfung – stoffliche Nutzung zuerst, Energie am Ende der
Kaskade.“

Zwtl.: Über AustroCel Hallein GmbH

AustroCel Hallein GmbH hat sich aus einem traditionsreichen
Unternehmen der österreichischen Zellstoffindustrie zu einer
integrierten Bioraffinerie entwickelt. Das Unternehmen beschäftigt
347 Mitarbeitende, erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 155 Mio. Euro
und verfügt über eine Produktionskapazität von bis zu 160.000 Tonnen
Zellulose pro Jahr.

Am Standort Hallein produziert AustroCel Viskosezellstoff,
Bioethanol und Biogas sowie Strom und Fernwärme für den Eigenbedarf
und die Region. Darüber hinaus entwickelt und produziert das
Unternehmen Zelluloseprodukte für nichttextile industrielle
Anwendungen, unter anderem für die Pharmaindustrie, die
Lebensmittelbranche und den Bausektor. Im Juli 2025 wurde der
Pilotbetrieb eines Hydrogel-Granulates zur Verbesserung der
Wasserspeicherfähigkeit von Böden gestartet.
AustroCel kann mit Strom und/oder Fernwärme bis zu 30.000 Haushalte
versorgen. Die Produktionskapazität für Bioethanol entspricht
rechnerisch nahezu 1 % des österreichischen Benzinkraftstoffbedarfs.

Seit Januar 2026 ist AustroCel Hallein Teil der Oji Group, einer
international tätigen japanischen Unternehmensgruppe mit
Geschäftsfeldern unter anderem in Forstwirtschaft, Zellstoff, Papier,
Verpackungen und biobasierten Materialien.

Weitere Informationen: www.austrocel.com |
https://www.ojiholdings.co.jp/en/

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