Wien (OTS) – SOS-Kinderdorf Österreich schreibt gemeinsam mit
SOS-Kinderdörfer
weltweit und in Zusammenarbeit mit SOS-Kinderdorf International eine
unabhängige wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung seiner
Organisationsgeschichte aus. Im Mittelpunkt stehen die
Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner sowie die Frage, welche
institutionellen Strukturen Gewalt und Missbrauch ermöglicht und
deren Aufdeckung verhindert haben. Die Ausschreibung startet am 1.
November 2026.
„Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit den
Fehlern unserer Vergangenheit auseinandergesetzt und einen
umfassenden Reformprozess eingeleitet. Die unabhängige
wissenschaftliche Aufarbeitung unserer Gründungsgeschichte ist ein
weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg. Wir wollen verstehen,
welche Strukturen Machtmissbrauch ermöglicht haben und welche
Verantwortung daraus für unsere Organisation erwächst. Niemand steht
über Verantwortung“ , betont Univ.-Prof. Dr. Brigitte Lueger-
Schuster, Aufsichtsratsmitglied von SOS-Kinderdorf Österreich.
Zwtl.: Unabhängige Forschung mit internationalem Blick
Die auf 24 Monate angelegte Studie wird die Rolle Hermann
Gmeiners und seines langjährigen Nachfolgers sowie deren Einfluss auf
die Organisation untersuchen. Im Fokus werden insbesondere Macht- und
Abhängigkeitsstrukturen, mögliche Netzwerke von Täter*innen und
Mitwissenden sowie Mechanismen der Verschleierung von Gewalt- und
Missbrauchsfällen stehen. Die Untersuchung wird international
angelegt und neben Österreich und Deutschland auch weitere Länder
umfassen.
Die Auswahl des Forschungsteams erfolgt durch eine internationale
wissenschaftliche Jury. Ein unabhängiger Beirat mit
wissenschaftlichen Expert*innen und Care Leavern wird die
Untersuchung begleiten. Die Forschenden werden uneingeschränkten
Zugang zu relevanten Archivunterlagen und Unterstützung bei der
Kontaktaufnahme mit Zeitzeug*innen erhalten. Die Ergebnisse werden
veröffentlicht.
Zwtl.: Aufarbeitung als Teil des Reformprozesses
Die wissenschaftliche Studie knüpft an den bereits begonnenen
Reformprozess von SOS-Kinderdorf Österreich an. Auch die unabhängige
Reformkommission hat die Notwendigkeit einer konsequenten
Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den dahinterliegenden
Organisationsstrukturen unterstrichen.
„Wir wollen unsere Gründungsgeschichte weder ausblenden noch
beschönigen, sondern vollständig und wissenschaftlich aufarbeiten –
auch wenn die Erkenntnisse unbequem sind. Ehrliche Aufarbeitung und
Kinderschutz haben Vorrang vor jeder Form der Verklärung einzelner
Persönlichkeiten. Nur so können wir aus der Vergangenheit lernen und
unsere Organisation nachhaltig weiterentwickeln“ , so Lueger-
Schuster.
Wissenschaftliche Forschungsteams können sich ab 1. November 2026
bis 28. Februar 2027 für die Durchführung der Studie bewerben. Der
Link dazu wird in Kürze veröffentlicht.