Wien/Vösendorf (OTS) – Der Ausbau von KI-Rechenzentren greift in
Österreich zunehmend in
Lebensräume ein. Tierschutz Austria warnt vor Folgen für Gewässer,
Böden, Wildtiere und die Wasserversorgung und verlangt, große Anlagen
als eigenen Tatbestand im UVP-G wirksam zu erfassen sowie den Neubau
massiv einzuschränken.
Betroffen sind Projekte in Kronstorf (OÖ), Leopoldsdorf (NÖ) und
Nickelsdorf (Burgenland). Nur Leopoldsdorf unterliegt derzeit einer
UVP – vor allem wegen Notstromaggregaten, nicht wegen Strom, Wasser
oder Flächenverbrauch. Andere Vorhaben können ohne umfassende Prüfung
genehmigt werden. Das Umweltministerium hat gestern eine UVP-Novelle
in Begutachtung geschickt und will Rechenzentren erstmals als eigenen
Tatbestand erfassen – allerdings erst ab 100 Megawatt, in
Schutzgebieten ab 50 Megawatt. Das schließt eine Gesetzeslücke dem
Namen nach, nicht der Sache nach: Mittelgroße Anlagen, gestückelte
Ausbaustufen und die Summe benachbarter Projekte drohen weiter
durchzurutschen. Tierschutz Austria fordert daher in der Begutachtung
bis 1. November eine wirksame Schwelle ab 50 MW, Anti-Stückelung und
eine regionale Gesamtprüfung.
„ Wer Energie erzeugt, wird geprüft. Wer sie industriell
verbraucht, oft nicht. Das ist eine Gesetzeslücke zulasten von
Gewässern, Böden, Menschen und Tieren “, sagt Dr.in Madeleine
Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria.
Rechenzentren versiegeln Flächen, belasten Gewässer und brauchen
Strom in der Größenordnung einer Kleinstadt. „ Tierschutz endet nicht
am Stalltor. Eine KI-Strategie ohne Schutz dieser Lebensräume ist
Ressourcenpolitik auf Kosten der Schwächsten “, so Petrovic.
Zwtl.: Tierschutz Austria fordert:
1. Eigenen UVP-Tatbestand mit Schwellenwert ab 50 MW – nicht erst ab
100 MW –, Anti-Stückelung und regionaler Gesamtprüfung.
2. Keine Großgenehmigungen ohne transparente Bilanz zu Strom, Wasser,
Boden, Abwärme, Notstrom und Artenschutz.
3. Geschlossene Kühlsysteme als Standard; keine Entnahme aus Grund-
oder Oberflächenwasser in Dürre- und Schutzgebieten.
4. Nachweisliche, zeitnahe Abwärmenutzung.
5. Bürgerbeteiligung und unabhängige Gutachten zu Gewässerökologie
und Artenschutz in jedem Verfahren.
Digitalisierung braucht Regeln, keine Ausnahmespur. Windräder
durchlaufen eine UVP – Rechenzentren müssen das erst recht. Wer das
Lebensrecht der Tiere und den Schutz ihrer Lebensräume ernst nimmt,
kann Mega-Rechenzentren nicht länger als gesetzlich unsichtbare
Sonderbauten behandeln – zumal im Umfeld solcher Anlagen oft kaum
noch Wildtiere, nicht einmal Eichhörnchen, bleiben. Explizit gilt:
Auch in Österreich wird die Bevölkerung beim Projekt Rechenzentrum
übergangen. Die berühmte Umweltaktivistin Erin Brockovich
dokumentiert denselben Befund in den USA:
https://brockovichdatacenter.com/ .
Mitsprache von Tierschutzorganisationen ist unumgänglicher Teil
der Lösung.
