Steigende Mieten bringen Menschen in Bedrängnis: AK fordert Wohnbeihilfe, die wirklich hilft

Linz (OTS) – Die Wohnbeihilfe soll Menschen mit niedrigem Einkommen
leistbares
Wohnen ermöglichen. Während Mieten und Betriebskosten steigen, bleibt
die Wohnbeihilfe unverändert. Für AK-Präsident Andreas Stangl liegt
klar auf der Hand: Berechnungswerte abseits der Realität und Hürden
bei der Antragstellung verhindern, dass Menschen die nötige
Unterstützung bekommen. Die AK Oberösterreich bekräftigt ihre
Forderungen für leistbares Wohnen.

Die Mieten in Oberösterreich steigen und steigen. Während im privaten
Mietbereich der durchschnittliche Quadratmeterpreis ohne
Betriebskosten im Jahr 2013 bei 5,5 Euro pro Quadratmeter lag, zahlen
Mieterinnen und Mieter aktuell 7,70 Euro pro Quadratmeter ohne
Betriebskosten. Günstiger ist es in geförderten Wohnungen: Hier liegt
der durchschnittliche Quadratmeterpreis ohne Betriebskosten bei 6,10
Euro pro Quadratmeter, während es 2013 noch bei 4,50 Euro pro
Quadratmeter lag. Das zeigen Zahlen der Statistik Austria. Die Zahlen
des Wohnzufriedenheitsindex zeigen zusätzlich: 9 von 10 unselbständig
Beschäftigten in Oberösterreich mit einem niedrigen Einkommen von
weniger als 1.350 Euro bewerten die Leistbarkeit ihrer Wohnsituation
als kritisch oder sogar schlecht. Besonders jene, die aktuell
Erwerbsarbeit suchen oder in Karenz sind, die Teilzeit arbeiten oder
noch keine 30 Jahre alt sind, kämpfen mit den gestiegenen Kosten.

Weniger Antragstellende von Jahr zu Jahr
Die Wohnbeihilfe ist somit ein wichtiges Instrument, um für Menschen
mit niedrigem Einkommen die Folgen der Teuerung abzufedern und ihren
Wohnraum zu sichern. Jedoch sinkt die Zahl der Antragstellenden in
den letzten Jahren. Seit dem Jahr 2013 ist die Zahl der Wohnbeihilfe-
Beziehenden um 29 Prozent von 32.542 auf 23.017 im Jahr 2024
gesunken. Auch das Budget für die Wohnbeihilfe ist rückläufig: 2013
wurden noch insgesamt 72,2 Millionen Euro an Wohnbeihilfe an alle
Beziehenden ausgeschüttet, 2024 waren es um 17,7 Millionen Euro
weniger. Das entspricht einem Rückgang von etwa 25 Prozent.

Abgelehnte Anträge und schwer verständliche Regeln
Gemäß einer Anfragebeantwortung im oberösterreichischen Landtag
wurden 22 Prozent der Anträge im Jahr 2024 abgelehnt. Die Hauptgründe
sind dabei: fehlende Unterlagen (42 Prozent), zu hohes Einkommen (24
Prozent) und Überschreitung des Quadratmeterpreisdeckels (14 Prozent)
. Zahlen des AK Wohnzufriedenheitsindex zeigen die Unzufriedenheit
der Menschen in Oberösterreich mit der Wohnbeihilfe. So kritisiert
jede:r Zweite (51 Prozent) die Höhe der Beihilfe, 42 Prozent die
Verständlichkeit der Regeln und 40 Prozent die Gestaltung der
Formulare.

Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich
Damit sich mehr Menschen mit niedrigem Einkommen eine Wohnung leisten
können, fordert die AK, die Wohnbeihilfe an die Realität anzupassen.
Dazu fordert sie konkret:

– Zugangswege anpassen: Die Wohnbeihilfe ist in Oberösterreich auch
im Jahr 2025 nicht online beantragbar. Die AK fordert eine
kundenfreundliche Möglichkeit, die Wohnbeihilfe digital
vorauszuberechnen und zu beantragen. Zusätzlich soll die Zahl der
einzureichenden Unterlagen reduziert werden.

– Rechtsanspruch auf Wohnbeihilfe: Gegen einen Bescheid in
Zusammenhang mit der Wohnbeihilfe kann in Oberösterreich kein
Rechtsmittel eingelegt werden. Die AK fordert, einen Rechtsanspruch
auf die Wohnbeihilfe auch in Oberösterreich einzuführen – so wie es
ihn bereits in Wien gibt.

– Anrechenbaren Wohnaufwand anpassen: Die Berechnung der Wohnbeihilfe
ist in Oberösterreich an einen anrechenbaren Wohnaufwand pro
Quadratmeter geknüpft. Der maximal anrechenbare Wohnaufwand liegt
aktuell bei 3,7 Euro (ohne Betriebskosten) pro Quadratmeter. Die AK
fordert, den maximal anrechenbaren Wohnaufwand auf 5 Euro pro
Quadratmeter anzuheben.

– Quadratmeterpreisdeckel anpassen: Die Wohnbeihilfe ist in
Oberösterreich an einen bestimmten Hauptmietzins pro Quadratmeter
geknüpft. Um überhaupt Wohnbeihilfe zu erhalten, darf im privaten
Mietbereich der tatsächliche Hauptmietzins höchstens 8 Euro pro
Quadratmeter (inklusive USt., jedoch ohne Betriebskosten) betragen.
Die AK fordert, den Quadratmeterpreisdeckel auf 10 Euro anzuheben.

– Quadratmeteranzahl pro Person anpassen: Die Wohnbeihilfe ist in
Oberösterreich an eine bestimmte Quadratmeterzahl pro Bewohner:in
geknüpft. Während die angemessene Wohnnutzfläche in Wien,
Niederösterreich und dem Burgenland bei einer Person 50 Quadratmeter
und bei zwei Personen 70 Quadratmeter beträgt, liegt sie in
Oberösterreich bei 45 bzw. 60 Quadratmetern. Die AK fordert, die
angemessene Wohnnutzfläche in Oberösterreich entsprechend anzupassen.

– Deckelung anpassen: Die Wohnbeihilfe ist in Oberösterreich in der
Höhe gedeckelt. Die maximale Wohnbeihilfe liegt aktuell bei 300 Euro.
Die AK fordert, den Wert auf 400 Euro anzuheben und ihn regelmäßig an
die Inflation anzupassen.