Sechs Monate Iran-Krieg: die Rechnung für Österreichs Öl- und Gasabhängigkeit

Wien (OTS) – Sechs Monate nach Beginn des Iran-Kriegs zeigt sich, wie
direkt der
Krieg am Persischen Golf auf die Energiekosten österreichischer
Haushalte und Betriebe durchschlägt. Der europäische Gaspreis (TTF)
liegt aktuell bei rund 66 Euro je Megawattstunde und damit doppelt so
hoch wie vor Kriegsbeginn. Brent-Rohöl schwankte in diesem Zeitraum
massiv, bis auf über 120 Dollar, und notiert aktuell bei fast 90
Dollar, knapp ein Drittel über dem Vorkriegs-Durchschnitt von 67
Dollar. Genau diesen Ausschlägen ist Österreich als Importland
unmittelbar ausgeliefert.

Die Österreichische Energieagentur hat Mehrkosten der vergangenen
sechs Monate abgeschätzt; diese sind primär auf die kriegsbedingten
Preisanstiege bei Öl und Gas zurückzuführen. Verglichen wurde die
tatsächliche Preisentwicklung in diesen sechs Monaten mit dem
Durchschnittspreis der beiden Monate vor Kriegsbeginn.

– In Österreich werden täglich durchschnittlich 18 Millionen Liter
Diesel verkauft. Die Mehrkosten für Endverbraucher:innen belaufen
sich in den sechs Monaten seit Kriegsbeginn in Summe auf rund 1,1
Milliarden Euro netto (ohne Umsatzsteuer). Die gesamten Ausgaben für
Diesel liegen bei mehr als 6 Milliarden Euro netto.

– Die Mehrausgaben beim Diesel ergeben sich primär aus höheren
Preisen für Rohöl . Die rechnerischen Mehrkosten der vergangenen
sechs Monate für das importierte Rohöl (ohne Preisanstiege bei
Transport oder Versicherung): rund 680 Millionen Euro.

– Auch bei Gas haben die Börsepreise seit Anfang März deutlich
zugelegt. Für den Import ergeben sich durch gestiegene Gaspreise in
den vergangenen sechs Monaten Mehrkosten in Höhe von rund 500
Millionen Euro.

Diese Mehrkosten fallen zusätzlich zu jenen 9 bis 10 Milliarden Euro
an, die Österreich Jahr für Jahr bei Normalpreisen für den Import von
Kohle, Öl und Gas aufwendet. Das sind Geldmittel, die aus dem Land
abfließen und nicht in Österreich investiert werden.

Zwtl.: Preisschwankungen, die wir nicht kontrollieren können

„Diese Kosten entstehen, weil wir bei Öl und Gas auf Importe
angewiesen sind, deren Preis wir nicht beeinflussen können“, sagt
Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.
„Bei Gas sind wir zu mehr als 90 Prozent, bei Öl zu rund 95 Prozent
auf Importe angewiesen. Eine Eskalation am Golf oder auf anderen
wichtigen Lieferrouten schlägt damit direkt auf Tankrechnungen,
Heizkosten und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe durch. Wir
zahlen den Preis für Konflikte, auf die wir keinen Einfluss haben.“

Zwtl.: Der Ausweg liegt in heimischer Energie und effizienten
Technologien

Diesem Mechanismus kann sich Österreich schrittweise entziehen,
indem es von importiertem Öl und Gas auf heimisch erzeugte Energie
umsteigt, vorrangig Strom aus Erneuerbaren, Erdwärme und Bioenergie,
genutzt über Anwendungen wie Wärmepumpen und Elektromobilität. Damit
europäische Wertschöpfung und Unabhängigkeit entstehen, kommt es
neben der heimischen Energieerzeugung auch auf die Souveränität bei
Rohstoffen und Schlüsseltechnologien an, nach dem Prinzip „Made in
Europe“.

„Wer auf eine Wärmepumpe oder ein Elektrofahrzeug umsteigt, macht
sich unabhängiger von Preisen, die anderswo gemacht werden“, so
Angerer. „Diese Technologien leisten mit deutlich weniger
Energieeinsatz das Gleiche oder mehr. Das spart nicht nur
Energiekosten, sondern erhöht auch die Produktivität und schafft
heimische Wertschöpfung.“

„Wir diskutieren aktuell viel über Klimaziele, vergessen dabei
aber, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien und effiziente
Technologien auch über die Reduktion von Treibhausgasemissionen
hinaus wertvolle Dienste für Österreich leistet: eine selbstbestimmte
Energieversorgung, die unabhängiger von internationalen
Preiseskalationen ist, ein Zuwachs an Effizienz und Produktivität und
mehr inländische Wertschöpfung“, so Angerer abschließend.