Wien (OTS) – Eine Woche vor der Budgetrede von Finanzminister
Marterbauer
präsentieren Caritas und Volkshilfe neue Ergebnisse ihres gemeinsamen
„Praxis-Checks“ unter rund 600 Praktiker*innen im Sozialbereich. Die
Umfrage zeigt klar: Viele Menschen kommen schon jetzt trotz
Sozialhilfe kaum über die Runden.
„Armut ist in Österreich Realität. Besonders betroffen sind
Frauen, Kinder und Alleinerziehende. Trotzdem wird über weitere
Belastungen und Einschnitte bei der Sozialhilfe diskutiert. Gerade
mit Blick auf das bevorstehende Doppelbudget befürchten wir, dass
ausgerechnet diese Gruppen weiter unter Druck geraten. Das bereitet
uns große Sorgen“, sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der
Caritas Österreich.
Praxis-Check zeigt massive Belastungen für Frauen, Kinder und
Familien
62% der befragten Praktiker*innen sagen, dass die Sozialhilfe
nicht ausreicht, damit Menschen ihre grundlegenden
Lebenshaltungskosten decken können. Fast alle berichten, dass
zusätzliche Unterstützung notwendig ist, zum Beispiel in Form von
Lebensmittelhilfen oder Energiezuschüssen.
Für viele Familien reicht das Geld nicht für ein Leben, in dem
Kinder gesund aufwachsen und am sozialen Leben teilnehmen können.
Laut Praxis-Check fehlen oft Mittel für Lernmaterialien,
Freizeitaktivitäten oder gesunde Ernährung. Praktiker*innen berichten
von Müttern, die selbst auf Essen verzichten, damit ihre Kinder genug
haben. Andere machen Schulden, damit ihre Kinder beim Schulausflug
dabei sein können oder genug Windeln für das Baby da sind.
„ Unser Praxis-Check zeigt: Kinder in der Sozialhilfe wachsen
unter Bedingungen auf, die sie mehrfach benachteiligen und ihre
Entwicklungschancen massiv einschränken. Das führt zu
Bildungsungleichheit und sozialer Isolation. Gegen diese Entwicklung
können wir mit einer armutsfesten Absicherung der Kinder angehen“ ,
sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.
Die Umfrage zeigt auch, dass fehlende Kinderbetreuung zu den
größten Hindernissen auf dem Weg aus der Armut zählt. Rund 40% der
befragten Praktiker*innen nennen mangelnde Kinderbetreuung als
zentrale Hürde für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Das trifft
wieder insbesondere Frauen.
Caritas und Volkshilfe fordern soziale Absicherung statt weiterer
Kürzungen
Vor dem Doppelbudget warnen Caritas und Volkshilfe vor weiteren
Belastungen für Familien, Frauen und Kinder wie durch nicht
valorisierte Familienleistungen, höhere Belastungen für Menschen mit
niedrigen Einkommen oder mögliche Einschnitte bei der Sozialhilfe.
Die Organisationen fordern daher:
· einen verpflichtenden Armutscheck für alle Budgetmaßnahmen. Wer
sparen will, muss zuerst prüfen, wen die Kürzungen treffen.
· eine armutsfeste Sozialhilfe mit bundesweiten Mindeststandards
. Die Sozialhilfe muss Menschen in Krisen tatsächlich absichern.
· eine armutsfeste Kindergrundsicherung . Alle Kinder brauchen
die gleichen Chancen auf Bildung und Teilhabe.
· sowie die Anpassung von Familienleistungen an die Inflation .
Unterstützung darf nicht real an Wert verlieren.
„Wer Armut ernsthaft bekämpfen will, darf das letzte soziale Netz
nicht schwächen, sondern muss es stärken“, betonen Caritas und
Volkshilfe abschließend.
Lesen Sie hier den Praxis-Check von Caritas und Volkshilfe:
www.caritas.at/praxis-check
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