Neuer EU Vorschlag zur Einstufung von Sojaöl gefährdet nachhaltige europäische Proteinproduktion

Wien/Brüssel (OTS) – Donau Soja äußert große Besorgnis über den
jüngsten Vorschlag der
Europäischen Kommission, Sojaöl im Rahmen der Renewable Energy
Directive (RED) als Rohstoff mit hohem Risiko indirekter
Landnutzungsänderungen (iLUC) einzustufen. Würde dieser Vorschlag
umgesetzt, könnte Sojaöl ab 2030 — unabhängig von seiner Herkunft —
nicht mehr auf die Ziele für erneuerbare Energien angerechnet werden.
Aurélie Tournan, Geschäftsführerin von Donau Soja, betont: „Eine
pauschale Hochrisiko-Einstufung von Soja würde die positive
Entwicklung der europäischen Sojaproduktion ernsthaft gefährden.
Europäisches Soja wird in einem entwaldungsfreien Kontext angebaut
und steht vollständig im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der
EU.“

Europa ist weiterhin in erheblichem Maße von Eiweißimporten
abhängig, insbesondere im Sojabereich. Diese strukturelle
Abhängigkeit macht das europäische Agrar- und Ernährungssystem
anfällig für geopolitische Spannungen und globale
Lieferkettenrisiken. Gerade deshalb ist der Ausbau einer
eigenständigen Proteinproduktion in Europa von strategischer
Bedeutung. Donau Soja und seine Mitglieder haben in den vergangenen
zwölf Jahren robuste, transparente und entwaldungsfreie europäische
Wertschöpfungsketten aufgebaut und gezeigt, dass nachhaltige und
wirtschaftlich tragfähige Sojaproduktion in Europa möglich ist.

Als Organisation, die seit Jahren an einem transparenten,
entwaldungsfreien europäischen Sojasektor sowie widerstandfähigen
Lieferketten arbeitet, unterstreicht Donau Soja, dass politische
Maßnahmen die fundamentalen Unterschiede zwischen europäischen
Produktionssystemen und Hochrisikoregionen berücksichtigen müssen.
Der europäische Sojaanbau findet zum großen Teil in entwaldungsfreien
Gebieten statt und trägt wesentlich zu Wettbewerbsfähigkeit,
Ernährungssicherheit und strategischer Autonomie der EU bei.

Zwtl.: Widerspruch zur Analyse der Kommission

Der zugrunde liegende Bericht der Europäischen Kommission vom 20.
Januar 2026 bezieht sich ausdrücklich auf Soja aus Südamerika, wo
direkte und indirekte Landnutzungsänderungen weiterhin ein
dokumentiertes Risiko darstellen. Europäischer Sojaanbau hingegen
wird im Bericht nicht erwähnt, obwohl er eine wichtige Rolle bei der
Förderung von Fruchtfolgediversifizierung, Bodenfruchtbarkeit und
regionaler wirtschaftlicher Entwicklung spielt. Eine pauschale
Einstufung als Rohstoff mit hohem Risiko widerspricht den Plänen der
Kommission, die europäische Proteinproduktion zu stärken. Die
Europäische Proteinstrategie wurde eingeführt, um Europas Fähigkeit
zur Eigenproduktion von Eiweißpflanzen zu erhöhen. Die Reduktion
dieser Importabhängigkeit bleibt ein zentrales politisches Ziel und
unterstreicht die Bedeutung des weiteren Ausbaus einer nachhaltigen
europäischen Sojaproduktion.

Tournan ergänzt: „Dieser Vorschlag würde die europäische
Sojaproduktion genau zu einem Zeitpunkt gefährden, an dem die EU
dringend ihre Eigenversorgung und strategische Autonomie stärken
muss. Europäische Landwirte produzieren nachhaltiges Soja – jetzt
braucht es politische Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Soja-Wertschöpfungskette sichern.“

Zwtl.: Negative Auswirkungen auf europäische Proteinproduktion und
Wettbewerbsfähigkeit

Obwohl Donau Soja die globale Bekämpfung von
Landnutzungsänderungen ausdrücklich unterstützt, hätte die
vorgeschlagene Maßnahme wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt:
Anstatt den globalen Landnutzungsdruck zu verringern, würde sie Anbau
und Verarbeitung von Soja aus Europa verdrängen und die Abhängigkeit
von Importen, insbesondere von Sojaschrot aus Hochrisikoregionen,
erhöhen.

Getragen von regionalen Entwicklungen hat Europa in den
vergangenen Jahren seine Sojaverarbeitungs- und
Produktionskapazitäten erfolgreich ausgebaut. Europäische Ölmühlen
haben erheblich investiert — wirtschaftlich tragfähig ist dies jedoch
nur, wenn das bei der Verarbeitung entstehende Sojaöl in den Markt
für erneuerbare Energien gelangen kann. Bis zu 80 % des Öls fließen
in diesen Absatzkanal. Würde dieser Markt wegfallen, geriete die
Verarbeitung europäischer Sojabohnen massiv unter Druck und könnte
sogar vollständig zum Erliegen kommen. Dies würde europäischen
Landwirten wichtige Absatzmöglichkeiten nehmen und zu einem
deutlichen Rückgang im Anbau führen — im klaren Widerspruch zu den
Zielen der EU-Proteinstrategie. Eine pauschale Hochrisiko-Einstufung
würde zudem erheblichen Reputationsschaden für Landwirte und den
gesamten Tierhaltungssektor riskieren, obwohl sie unter strengen
Nachhaltigkeitsanforderungen produzieren.

Zwtl.: Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der EU

Ein Rückgang der europäischen Sojaproduktion würde unweigerlich
die Abhängigkeit der EU von Eiweißimporten erhöhen und damit direkte
und indirekte Landnutzungsänderungen in Drittländern verstärken. Dies
steht im klaren Gegensatz zu den Umweltzielen der RED sowie zu den
übergeordneten Klima-, Nachhaltigkeits-, Resilienz- und
Proteinstrategien der Europäischen Union.Eine solche Entscheidung
könnte zudem weitreichende Folgen für die europäische Tierhaltung
haben und möglicherweise irreversible Auswirkungen auf die
Ernährungssicherheit der EU nach sich ziehen.

Zwtl.: Notwendigkeit einer herkunftsbasierten Differenzierung

Donau Soja fordert die Europäische Kommission daher dringend auf,
eine herkunftsbasierte Differenzierung für Sojabohnen im Rahmen der
RED einzuführen. Während ein Ausschluss von Sojaöl aus Regionen mit
eindeutig hohem iLUC-Risiko gerechtfertigt sein kann, sollte Sojaöl
aus europäischem Anbau weiterhin nachhaltig genutzt werden dürfen.
Auch bei Importen ist eine klare Unterscheidung zwischen nachhaltigen
und nicht-nachhaltigen Quellen notwendig, um die wirtschaftliche
Tragfähigkeit der europäischen Verarbeitungskapazitäten zu sichern.
Ein solch differenzierter Ansatz würde unbeabsichtigte negative
Folgen für die europäische Eiweißversorgung vermeiden, die
Wettbewerbsfähigkeit von Produzenten und Verarbeitern sichern und die
Externalisierung in andere Regionen verhindern.

Im Einklang mit der Vision von Donau Soja für ein transparentes,
nachhaltiges und entwaldungsfreies europäisches Proteinsystem ist ein
ausgewogener politischer Rahmen essenziell, damit
Klimaschutzmaßnahmen nicht unbeabsichtigt die nachhaltige europäische
Landwirtschaft schwächen.

Diese Stellungnahme basiert auf dem Bericht der Europäischen
Kommission COM/2018/757 final zur Entwicklung pflanzlicher Proteine
in der EU, dem Bericht des Europäischen Parlaments Report A9-
0281/2023 on the European Protein Strategy (2023/2015(INI)) sowie dem
Vorschlag der Europäischen Kommission COM (2026) 36 final zur
Einstufung von Rohstoffen mit hohem iLUC-Risiko im Rahmen der RED.