Mülltrennung in Wohnhausanlagen: Hoher Stellenwert, dennoch großer Aufholbedarf

Wien (OTS) – Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von ÖSTERREICH
SAMMELT zeigt:
Für 78 Prozent der Bewohner:innen von Wohnhausanlagen ist es wichtig,
dass die getrennte Sammlung in ihrer Anlage funktioniert.
Gleichzeitig fällt die Bewertung der gemeinsamen Umsetzung im
Müllraum kritischer aus: Jede:r Dritte bewertet die Mülltrennung in
der eigenen Wohnhausanlage als „gut“, nur neun Prozent als „sehr
gut“.

Im Rahmen der repräsentativen Online-Umfrage durch das Market
Institut wurden 2.000 Bewohner:innen von Wohnhausanlagen in ganz
Österreich befragt – Personen, die in Mehrparteienhäusern ab zehn
Wohneinheiten leben. Neben Einstellungen und Motivation zur
Mülltrennung erhob die Studie auch konkrete Alltagserfahrungen im
Müllraum und in der Wohnhausanlage. So wird sichtbar, wo die
getrennte Sammlung in der Praxis besonders häufig stockt, und welche
Verbesserungen aus Sicht der Bewohner:innen am ehesten helfen würden.

In der Praxis sind es vor allem drei Situationen, die im
gemeinsamen Müllraum immer wieder für Frust sorgen: Ein Drittel der
Befragten gibt an, dass Abfälle in der Wohnhausanlage häufig falsch
oder gar nicht getrennt werden (33 Prozent). Ähnlich viele erleben,
dass Kartons und Verpackungen oft nicht zerkleinert entsorgt werden (
32 Prozent) – und knapp ein Viertel berichtet von häufig überfüllten
Mülltonnen (24 Prozent).

„Als Bewohner:in eines Mehrparteienhauses erlebt man solche
Situationen tagtäglich. Österreichweite Erhebungen lagen dazu bisher
nicht vor“, sagt Andreas Pertl, der Sprecher von ÖSTERREICH SAMMELT.
„Mit den Ergebnissen dieser Umfrage liegt nun eine belastbare Evidenz
vor, die die eigenen Erfahrungen einordnet und es uns und anderen
Akteur:innen ermöglicht, darauf zu reagieren.“

Zwtl.: Hohe Bereitschaft, Aufholbedarf in der Umsetzung

Trotz dieser Reibungspunkte ist die grundsätzliche Bereitschaft
zur Mülltrennung hoch: 93 Prozent der Befragten achten zu Hause
darauf, Verpackungsabfälle getrennt zu sammeln. Im Detail zeigt sich
jedoch ein Unterschied nach Abfallart: 85 Prozent entsorgen Altpapier
„immer“ richtig, 77 Prozent Altglas und 63 Prozent Leicht- und
Metallverpackungen; beim Biomüll sind es hingegen nur 39 Prozent.

Zwtl.: (Nicht-) Trennen steckt an

Beim Blick auf die Nachbarschaft zeigt sich eine Kluft zwischen
Eigen- und Fremdwahrnehmung: Nur 51 Prozent sagen, dass andere
Bewohner:innen in ihrer Wohnhausanlage (sehr oder etwas) auf die
getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen achten. Auffällig ist
dabei ein Skalierungseffekt: In Wohnhausanlagen mit mehr als 100
Wohnungen sind nur 43 Prozent der Befragten von der Mülltrennung
ihrer Nachbar:innen überzeugt. Mehr als ein Drittel haben hingegen
den Eindruck, dass in der Nachbarschaft eher wenig oder gar nicht
getrennt wird. Wenn Befragte erklären sollen, warum aus ihrer Sicht
Nachbar:innen nicht trennen, nennen sie vor allem einen
Ansteckungseffekt („weil andere auch nicht trennen“) und dadurch
weniger Eigenmotivation.

„Der Umkehrschluss gilt genauso: Wenn Mülltrennung im Haus
sichtbar gelebt wird, kann auch das ansteckend wirken. Dabei lässt
sich gerade für Wohnhausanlagen ableiten: Je mehr Menschen sich die
Infrastruktur teilen, desto wichtiger werden klare Regeln und eine
gute Organisation“, sagt Pertl. „Aus Erfahrung wissen wir, dass
Mülltrennung im Alltag für alle besser gelingt, wenn sie einfach und
eindeutig ist, und alle gleich gut informiert sind.“

Zwtl.: Erarbeitung von Maßnahmen

Das belegt auch die Umfrage. Danach gefragt, welche Aspekte
wichtig für eine funktionierende Mülltrennung im Wohnhausalltag
wären, sind den Befragten folgende Punkte „auf jeden Fall“ wichtig:
ausreichend Trennmöglichkeiten in der Wohnhausanlage (54 Prozent),
klare Beschilderung, welcher Abfall wohin gehört (54 Prozent), klare,
einheitliche Informationen zur Mülltrennung (47 Prozent) und
Bewusstsein schaffen fürs Mülltrennverhalten aller Bewohner:innen (46
). Genau hier setzt ÖSTERREICH SAMMELT an: Auf Basis dieser
Ergebnisse und Erfahrungen aus der Praxis werden im nächsten Schritt
gemeinsam mit relevanten Akteur:innen – etwa städtischen
Fachabteilungen, Abfallwirtschaftsverbänden, Sammel- und
Verwertungssystemen und Hausverwaltungen – Maßnahmen erarbeitet, um
die Qualität und Quantität der getrennten Sammlung von Altstoffen in
Wohnhausanlagen weiter zu verbessern.

Zwtl.: Über ÖSTERREICH SAMMELT

Die Initiative ÖSTERREICH SAMMELT informiert über alle Themen
rund um das Vermeiden, die getrennte Sammlung und das Recyceln von
Verpackungen und schafft Bewusstsein, um das achtlose Wegwerfen von
Abfällen in unserer Umwelt zu verhindern. Organisatorin von
ÖSTERREICH SAMMELT ist die Verpackungskoordinierungsstelle (kurz VKS)
, ein Tochterunternehmen des Umweltbundesamtes (UBA) im
Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft,
Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).

Träger sind die in Österreich genehmigten Sammel- und
Verwertungssysteme für Verpackungen:

– ARA – Altstoff Recycling Austria AG

– Austria Glas Recycling GmbH

– Bonus Holsystem für Verpackungen GmbH & Co. KG

– European Recycling Platform (ERP) Austria GmbH

– Interzero Circular Solutions Europe GmbH

– Reclay Systems GmbH