Wien (PK) – Das Parlament und der Bundesverband Rettungsdienst
(BVRD.at)
verliehen gestern Abend im Nationalratssaal zum sechsten Mal die
Camillo Awards, um herausragende Leistungen in der präklinischen
Notfallversorgung zu würdigen. Geehrt wurden Sanitäter:innen, die
durch ihr Engagement und ihre Innovationskraft die Qualität des
österreichischen Rettungsdienstes verbessern. Damit soll ein
sichtbares Zeichen der Anerkennung für die Leistungen und Verdienste
in der präklinischen Notfallversorgung gesetzt und ein Anreiz
geschaffen werden, den Anliegen eines hochwertigen und
patientenorientierten Rettungsdienstes mehr öffentliches Augenmerk zu
schenken.
Die Bedeutung der Anerkennung für die Leistungen der
Sanitäter:innen hob auch Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in
seinen Eröffnungsworten hervor. Die Rettungskräfte würden oft „im
Hintergrund Leben schützen, Leiden lindern und Verantwortung
übernehmen“. Gerade in Zeiten knapperer Ressourcen und zunehmender
Herausforderungen sei es umso wichtiger, diesen Einsatz vor den
Vorhang zu holen, so Rosenkranz. Denn es brauche solche Vorbilder,
die „nicht nur ihren Dienst tun“, sondern auch „mit Herz und
Weitblick gestalten“.
Günter Bildstein, ehemaliger CEO und Leiter der Rettung St.
Gallen ging in seiner Keynote auf die Geschichte des Rettungsdienstes
in der Schweiz sowie die Bedeutung des Ausbildungs- und
Qualitätsmanagements für dessen Entwicklung ein. Sein Fazit war, dass
Veränderungen pragmatisch erfolgen und aus der Praxis kommen sollten.
Es gelte nicht auf die Politik zu warten, sondern selbst aktiv zu
werden, riet Bildstein den Sanitäter:innen. Denn entscheidend müsse
sein, was das Rettungswesen und damit die Versorgung für die
Patientinnen und Patienten weiterbringt.
Clemens Kaltenberger, Präsident des Bundesverband Rettungsdienst,
sprach über die Entstehung des von ihm initiierten Awards und zeigte
sich erfreut, dass die Reform des Sanitätergesetzes Eingang in das
aktuelle Regierungsprogramm gefunden hat. Jurymitglied und
Bundesgeschäftsführerin der Johanniter, Petra Grell-Kunzinger
gewährte einen Blick hinter die Kulissen des Entscheidungsprozesses
für die Verleihung des Camillo Awards. Durch den Abend führte Gernot
Grömer, Moderator und Direktor des Österreichischen Weltraumforums.
Herausragende Leistungen
Hannah Rusterholz von den Johannitern Kärnten erhielt den Preis
in der Kategorie „Herausragende Leistungen“. Sie war die treibende
Kraft hinter der Einführung moderner Medizinprodukte wie
Videolaryngoskope (Instrumente zur Inspektion des Kehlkopfes),
Kapnometer (Geräte zur Messung des Gehalts an Kohlenstoffdioxid in
der Ausatemluft) und elektronischer Raupen-Tragstühle – Innovationen,
die Patientensicherheit erhöhen und das Personal entlasten. Ebenfalls
für seine herausragenden Leistungen wurde Bertram Schedler vom Roten
Kreuz Tirol geehrt, der mit „HERZsicher Region Reutte“ ein
einzigartiges Vorzeigeprojekt initiiert, um eine ländliche Region
flächendeckend mit lebensrettenden Defibrillatoren auszustatten.
Umgang mit häuslicher Gewalt im Fokus
In der Kategorie Ausbildungskonzept reüssierten Isabella Mitter
vom Roten Kreuz Tirol und David Purkarthofer vom Medizinercorps Graz
des Roten Kreuzes Steiermark. Mitter schuf mit der Schulung „Umgang
mit Betroffenen häuslicher Gewalt im Rettungsdienst“ ein
einzigartiges Ausbildungskonzept, das neue Maßstäbe in der
Gewaltprävention im Rettungsdienst setzt. Purkarthofer setzte die
Einführung fokussierter Sonographie durch Notfallsanitäter von der
Konzeptentwicklung über Ausbildung bis zur Qualitätssicherung um. Das
Projekt erweitert die präklinische Diagnostik, ermöglicht schnellere
Entscheidungen und verbessert die Patientenversorgung deutlich.
Preis für eigenes Einschulungsmodul
Regina Ecker und Gordon Campbell von der Wasserrettung des
Arbeiter-Samariterbundes Linz übernahmen Anfang 2024 die
Verantwortung für die Überwachung eines Badesees in Oberösterreich.
Die Auszeichnung in der Kategorie „Leadership & Management“ erhielten
sie für die Entwicklung eines eigenen Einschulungsmoduls für
Sanitätskräfte mit besonderem Fokus auf medizinische
Herausforderungen und einsatztaktische Maßnahmen bei Wasserunfällen.
Innovation & Nachhaltigkeit
Stefan Schrammel von der Berufsrettung Wien entwickelte das
standardisierte Übergabeschema „DELIVER“. Es sorgt für eine sichere,
vollständige und strukturierte Patientenübergabe im Krankenhaus
erleichtert die Kommunikation und erhöht damit die
Patientensicherheit erheblich. Die Jury ehrte Schrammel in der
Kategorie „Innovation & Nachhaltigkeit“.
Forschung & Weiterentwicklung
Mit dem Camillo Award in der Kategorie „Support“ wurde Bernhard
Bürger vom Austrian Institute of Technology ausgezeichnet. Er leistet
mit seinen Forschungsprojekten einen entscheidenden Beitrag zur
Weiterentwicklung des Rettungswesens – von der Notfallversorgung bis
zum Katastrophenmanagement – und erhöht gleichzeitig mit
wissenschaftlicher Exzellenz die internationale Sichtbarkeit der
Forschung.
Preis für Sicherheit im Rettungswesen
Thomas Haidegger von der Landespolizeidirektion Wien initiierte
die Sanitätsgruppe für Großveranstaltungen und Ordnungsdienste und
erhielt dafür den Award in der Kategorie „Polizei“. Die
Sanitätsgruppe ist heute landesweit etabliert und umfasst rund 20
qualifizierte Rettungs- und Notfallsanitäter:innen. Haidegger führte
erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildungen für Spezialeinheiten ein,
reformierte das Erste-Hilfe-Kurswesen und etablierte nachhaltige
Ausbildungsprogramme für operative und administrative Bereiche. Zudem
koordinierte er zahlreiche Großveranstaltungen und Notfalleinsätze
und trägt damit entscheidend zur Sicherheit und Qualität im
Rettungswesen bei.
Auszeichnung für Einsatz im Hochgebirge
Der Camillo Award in der Kategorie „Bundesheer“ ging an Eugen
Zwittig vom Hochgebirgsjägerbattaillon 24 Lienz, der mit den
Projekten „Rescuezelt“ und „QUAD-Bergetechniken“ wesentlich zur
Patientensicherheit und Versorgungsqualität im Hochgebirge
beigetragen hat. In derselben Kategorie wurde Martin Ebner vom
Verteidigungsministerium ausgezeichnet. Besonders in der Ausbildung
zur erweiterten Selbst- und Kameradenhilfe hat er durch unermüdlichen
Einsatz, kontinuierliche Weiterbildung und die Weiterentwicklung von
Lehrmaterialien die Qualität entscheidend verbessert.
Sonderpreis für regionale Notfallversorgung
Mit dem Sonderpreis geehrt wurden die First Responder Fischamend.
Initiiert von Michael Girsa sichern sie seit über einem Jahrzehnt die
präklinische Versorgung in einer Region mit kritischen
Versorgungslücken. Hochqualifizierte Mitglieder erreichen den
Notfallpatienten oft innerhalb von nur fünf Minuten und leisten
lebensrettende Sofortmaßnahmen noch vor dem Eintreffen von Rettungs-
oder Notarztteams. Mit unermüdlichem Einsatz, Kompetenz und
Engagement sind die First Responder Fischamend ein unverzichtbarer
Pfeiler der regionalen Notfallversorgung. (Schluss) wit
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .
