Krebs-Vorsorgetag: Krebs betrifft immer mehr Jüngere

Wien (OTS) – Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen
zu.
Betroffen sind sie vor allem von Darm-, Brust-, Magen-,
Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs. Laut WHO könnten 30 bis 50
Prozent aller Krebserkrankungen durch Lebensstilmaßnahmen, Impfungen
oder Umweltfaktoren verhindert werden. Mehr über das Krebsrisiko bei
GenX und Millennials und über Krebsprävention und Früherkennung am
Programm des Krebs-Vorsorgetages des Comprehensive Cancer Centers (
CCC) von MedUni Wien und AKH Wien. Erstmals sind junge Menschen und
Eltern besonders eingeladen, ebenso wird wieder die HPV Impfung vor
Ort angeboten.

Der 31. Jänner 2026 steht ganz im Zeichen der Krebsvorsorge. Das
CCC von MedUni Wien und AKH Wien lädt alle Interessierten von 10 Uhr
bis 13 Uhr in den Van Swieten Saal (1090 Wien, Van Swieten Gasse 1a)
ein, sich bei Vorträgen und persönlichen Gesprächen mit führenden
Expert:innen über das persönliche Risiko und das Thema
„Krebsvorsorge“ zu informieren. Für alle, die nicht vor Ort dabei
sein können, gibt es einen Livestream. „Veranstaltungen wie der Krebs
-Vorsorgetag sind von großer Bedeutung, denn so haben wir die
Möglichkeit Aufklärungsarbeit zu betreiben und können möglicherweise
mithelfen die eine oder andere Erkrankung frühzeitig zu erkennen oder
sogar zu verhindern“, so Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des
AKH Wien, Leitungsteam CCC Cancer School, und Shahrokh Shariat,
Leiter des CCC Vienna, unisono.

Früh erkrankt, schwer betroffen: Krebsrisiken bei GenX und
Millennials
Weltweit zeigen Zahlen zu Krebserkrankungen, dass immer öfter
Menschen der Generation X und die Millennials betroffen sind. „Zu den
Hauptrisiken zählen eine Ernährung mit vielen ultra-verarbeiteten
Lebensmitteln, der frühe Einsatz von Antibiotika, Übergewicht,
Bewegungsmangel, Alkohol und möglicherweise endokrine Disruptoren und
andere Chemikalien“, so Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für
Epidemiologie, Zentrum für Public Health, MedUni Wien, in ihrer
Keynote. Dieser Trend bestätigt sich auch in Österreich: In den
Jahren 1996 bis 2020 traten insgesamt mehr als 56.000 Krankheitsfälle
bei jungen Erwachsenen auf. Brustkrebs (47,3 %), Darmkrebs (12,8 %)
und Lungenkrebs (11,3 %) sind dabei führend. Für Eva Schernhammer
sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig, um die zukünftige
Belastung zu verringern. „Für einige Krebsarten – insbesondere für
Darmkrebs – wurden aufgrund der steigenden Zahlen bereits Leitlinien
geändert und frühere Vorsorgeuntersuchungen vorgeschlagen und auch
umgesetzt“, so Schernhammer und ergänzt: „Es besteht dringender
Forschungsbedarf hinsichtlich der Expositionen in jungen Jahren und
der Wechselwirkungen verschiedener Faktoren im Laufe des Lebens.“

Frühere Erkrankung bei genetischer Disposition bei Brustkrebs
Beim Krebs-Vorsorgetag bringen Expert:innen bei Panel-Diskussionen
ihre Perspektiven, Erkenntnisse und Erfahrungen zu Themen wie „Krebs
bei Kindern und Jugendlichen“ und „Was Eltern wissen sollten“, ein.
Ein Fokus wird zudem beim Thema „Genetik als Risikofaktor“ liegen.
Frauen mit erblichem Risiko bei Brustkrebs erkranken im Schnitt etwa
20 Jahre früher an Brustkrebs. Christian Singer, Leiter des
Brustkrebszentrums am CCC informiert über familiäre Disposition.
„Etwas mehr als 10 % aller Brustkrebserkrankungen treten familiär
gehäuft auf. In wiederum etwa der Hälfte davon – rund 5–7 % aller
Brustkrebserkrankungen – sind Mutationen in einem der beiden
Brustkrebsgene BRCA-1 und BRCA-2 („BReast CAncer“-Gene) ursächlich
für die Erkrankung verantwortlich“, so Singer. Er empfiehlt als
wesentlichen ersten Vorsorgeschritt bei familiärer Vorbelastung das
genetische Beratungsgespräch durch entsprechend geschulte
Fachärzt:innen für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ist eine genetische
Testung angebracht, können heute bis zu 18 verschiedene Krebsgene
erkannt werden.

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) zur transparenten
Entscheidungsfindung
Wie sehr Künstliche Intelligenz in der Krebsmedizin an Bedeutung
gewinnt, darüber informiert beim Krebs-Vorsorgetag David S. Fischer,
Assistant Professor am Institute of Artificial Intelligence &
Comprehensive Center for AI in Medicine, MedUni Wien. „Moderne
Krebsdiagnostik nutzt zunehmend komplexe Daten – bildgebende
Verfahren, molekulare Profile und genetische Informationen. Diese
Datenmenge übersteigt bei weitem die Interpretationskapazität von
Menschen. Hier zeigt sich die Stärke der KI, die eine wesentliche
Unterstützung bei der transparenten Entscheidungsfindung ist“, so
Fischer. In einer weiteren Panel-Diskussion werden die Themen „Machen
Essen und Umgebung Krebs?“ und „Aktiv gegen Krebs“ erläutert.

HNO-Tumoren und HPV – was hat das miteinander zu tun?
HPV (Humanes Papillomavirus) ist ein sehr häufiges Virus, das meist
durch sexuellen Kontakt im jungen Erwachsenenalter übertragen wird.
Bestimmte HPV-Typen (vor allem HPV16) können Jahre später Krebs
verursachen. Im HNO-Bereich betrifft das vor allem Tumore des
Rachenraums (z. B. Mandeln). Diese HPV-bedingten Tumoren nehmen seit
Jahren deutlich zu und unterscheiden sich von Tumoren, die durch
Rauchen oder Alkohol entstehen. Sie sprechen oft besser auf die
Behandlung an. In vielen westlichen Ländern werden heute über die
Hälfte der Rachentumoren durch HPV verursacht. Junge erwerben oft die
Infektionen und erkranken später im mittleren Alter an Krebs, auch
Menschen, die nie geraucht haben. Männer sind insgesamt häufiger
betroffen als Frauen. „Die HPV-Impfung schützt sehr wirksam vor den
wichtigsten krebsauslösenden HPV-Typen, auch vor denen, die
Rachentumoren verursachen. Sie wirkt am besten vor dem ersten
sexuellen Kontakt, wird aber für alle jungen Menschen empfohlen,
besonders auch für Buben und Männer. Leider sind die Impfquoten hier
noch zu niedrig, obwohl viele dieser Tumoren vermeidbar wären“, so
Isabella Stanisz, Fachärztin an der Universitätsklinik für HNO,
MedUni Wien, die einen Vortrag über HPV und HNO halten wird.

Mikro- und Nanoplastik und Krebs: Neue Erkenntnisse durch
innovative Nachweismethoden
Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNPs) sind mittlerweile
allgegenwärtig und gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den
menschlichen Körper. In den letzten Jahren konnte das Forschungsteam
um Lukas Kenner zeigen, dass diese Partikel nicht nur in menschlichen
Geweben nachweisbar sind, sondern auch biologisch relevante Effekte
entfalten können. Ein entscheidender Fortschritt für die Krebs- und
Umweltmedizin ist die Entwicklung neuer analytischer Methoden.
Dadurch können Kunststoffpartikel direkt im Kontext von Entzündung,
Gewebeschädigung und Tumorveränderungen analysiert werden – ohne
Verlust der histologischen Struktur. „Diese Kombination aus
innovativer Analytik und funktionellen biologischen Modellen eröffnet
neue Möglichkeiten, den Einfluss von Mikro- und Nanoplastik auf die
Krebsentstehung und -verlauf systematisch zu untersuchen“, so Lukas
Kenner, Klinisches Institut für Pathologie der MedUni Wien und des
AKH Wien, der am Vorsorgetag über Mikroplastik und Krebs informieren
wird.

HPV-Nachholimpfung: Erfolgreiches Angebot für 21- bis 30-Jährige
noch bis Ende Juni 2026 möglich
„Die HPV-Impfung gibt es im Rahmen des kostenlosen
Kinderimpfprogramms eigentlich nur für junge Menschen bis zum
vollendeten 21. Lebensjahr. Wer der Altersfrist versäumte, musste die
Impfung selbst bezahlen, was bis zu mehreren hundert Euro kostet. Von
Juli 2024 bis 31. Dezember 2025 wurde daher eine Nachholimpfung für
Personen vom vollendeten 21. bis zum vollendeten 30. Lebensjahr
eingeführt. Diese Frist wird nun für all jene verlängert, die ihre
kostenlose Erstimpfung bereits haben; für sie ist die Zweitimpfung
bis 30.06.2026 kostenlos. Wir als ÖGK sehen es als unsere Aufgabe,
diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten – im Sinne einer Versorgung,
die nah an den Menschen ist und auch in Zukunft trägt“, betont
Andreas Krauter, Chefarzt der Österreichischen Gesundheitskasse.

Vorsorge aktiv nutzen
Beim Krebs-Vorsorgetag geht es nicht nur um Aufklärung und
Informationen, sondern auch um ein aktives Vorsorgeangebot: Im Health
Mobil der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuze gibt es
für alle im Alter von 21 bis 29, die bis 31. 12. 2025 eine HPV-
Impfung erhalten haben, die kostenlose zweite Impfung. Dazu ist das
Health Mobil der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuz vor
Ort. Interessierte können sich in diesem fahrenden Gesundheitszentrum
kostenlos und ohne Anmeldung von Ärzt:innen beraten und auch gleich
impfen lassen. Weitere Infos und Termine der Health Mobil-Tour finden
sich unter www.oeggk.at/health-mobil.

Das Programm und die Anmeldung zum Krebs-Vorsorgetag finden Sie
hier .