Interessengemeinschaft von acht deutschen LKW-Anhänger Herstellern: EU-Verordnung gefährdet CO₂-Ziele, Transporteffizienz und über 70.000

Berlin und Brüssel (OTS) – Effizienter Klimaschutz braucht
realistische Lösungen

– LKW-Anhänger-Hersteller legen Rechtsmittel beim EuGH ein

– Forderung nach Abschaffung des Simulationstools VECTO-Trailer (
Vehicle Energy Consumption Calculation Tool)

– Kritik an realitätsferner Methodik und fehlender wirtschaftlicher
Umsetzbarkeit der CO₂-Vorgaben

Acht führende Hersteller von LKW-Anhängern haben beim
Europäischen Gerichtshof Rechtsmittel gegen zentrale Artikel der EU-
Verordnung 2024/1610 eingelegt. Diese sehen verbindliche CO₂-
Reduktionsziele auch für Anhänger vor – obwohl diese selbst keine
Emissionen verursachen. Die Unternehmen bekennen sich klar zu den
Klimazielen der EU, warnen jedoch vor den Folgen einer praxisfernen
Regulierung: Statt zur Emissionssenkung beizutragen, droht durch die
Einführung der Verordnung ein Anstieg des Verkehrs und der
Gesamtemissionen.

Die Interessengemeinschaft der acht Unternehmen hatte bereits
beim Europäischen Gericht (EuG) eine Nichtigkeitsklage gegen zentrale
Artikel der Verordnung eingereicht. Das Gericht wies die Klage mit
der Begründung zurück, es fehle an individueller Betroffenheit.

CO ₂ -Einsparung: Simulation kontra Realität

Seit dem 1. Juli 2024 schreibt die Verordnung vor, dass die CO₂-
Emissionen von Sattelanhängern um 10%, bei sonstigen Anhängern um 7,5
% reduziert werden müssen – basierend auf Simulationen mit dem EU-
eigenen Tool VECTO-Trailer, das zentrale Grundlage der Regulierung
ist. Werden die Ziele nicht erreicht, drohen massive jährliche
Strafzahlungen ab 2030: 4.250 Euro pro Fahrzeug und Gramm CO₂-
Emissionen pro Tonne/Kilometer. Berechnungen zeigen, dass allein die
drohenden Strafzahlungen den Anhängerpreis um bis zu 40% erhöhen
könnten – und damit den Verkauf für viele Hersteller wirtschaftlich
unrentabel machen.

„Ein Tool, das CO₂-Einsparungen simuliert, obwohl in der Realität
mehr LKWs unterwegs sind, steht im Widerspruch zu den Klimazielen.
Wir brauchen reale Effizienzgewinne im Gesamtsystem statt
modellierter Scheinlösungen. Die Verordnung in ihrer jetzigen Form
gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch Standorte,
Wettbewerbsbedingungen und über 70.000 Arbeitsplätze. Wir sehen daher
keine andere Möglichkeit, als gerichtliche Schritte zu gehen“,
erklärt Gero Schulze Isfort als Sprecher der Interessengemeinschaft.

Die acht klagenden Unternehmen sind überwiegend mittelständisch
geprägt. Anders als große Konzerne verfügen sie nicht über
unbegrenzte finanzielle oder technologische Ressourcen, um
regulatorische Lasten kurzfristig abzufedern. Für sie stellt die
Verordnung eine akute Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz dar –
mit direkten Folgen für tausende Arbeitsplätze in der Industrie und
im Zuliefernetzwerk.

Technisch nicht nachvollziehbar und wirtschaftlich nicht tragbar

Die Hersteller kritisieren insbesondere die Anwendung des VECTO-
Trailer-Modells. Es bewertet theoretisch modellierte Verbesserungen
am Anhänger – wie beispielsweise eine abgesenkte Höhe oder geringeres
Gewicht – positiv, ohne reale Transportauswirkungen zu
berücksichtigen. In der Praxis führen solche Maßnahmen zu geringerem
Ladevolumen, mehr Leerfahrten und erhöhtem Verkehrsaufkommen, mit dem
Effekt, dass letztlich mehr CO₂ ausgestoßen wird.

Gefährdete Transporteffizienz in Europa

Die Hersteller betonen, dass moderne LKW-Anhänger bereits heute
u.a. mit Leichtbau, Aerodynamik, Rollwiderstandsoptimierung sowie dem
Einsatz von Lenk-, Lift- und e-Achsen erhebliche Effizienzgewinne
liefern. Doch statt reale Fortschritte zu bewerten, orientiert sich
die Regulierung an theoretischen Einzelparametern, die der realen
Transportlogistik widersprechen. „Klimaschutz braucht ganzheitliches
Denken. Nur wenn die gesamte Transportkette effizienter wird,
erreichen wir auch echte CO₂-Einsparungen“, so Schulze Isfort.

Korrektur statt massivem wirtschaftlichem Schaden

Um diese Einsparungen zu erreichen und um wirtschaftlichen
Schaden abzuwenden, fordern die Hersteller:

1. Die Abschaffung des VECTO-Trailer-Simulationstools.

2. Ein Moratorium auf Sanktionszahlungen, solange die Zielvorgaben
technisch nicht umsetzbar sind.

3. Die Anrechnung emissionsfreier Zugmaschinen auf die CO₂-Ziele für
Anhänger (ZE Vehicle Correction Factor).

Die klagenden Unternehmen (Fliegl Fahrzeugbau GmbH, Kögel Trailer
GmbH, Krone Commercial Vehicle SE, Langendorf GmbH, Schmitz Cargobull
AG, Schwarzmüller GmbH, System Trailers Fahrzeugbau GmbH, Wecon GmbH)
repräsentieren über 80% der jährlichen Zulassungen in den betroffenen
Fahrzeugklassen in Deutschland und über 70% in Europa. Sie stehen zum
Pariser Klimaabkommen und sind überzeugt, dass Klimaschutz dauerhaft
nur dann Wirkung entfalten kann, wenn er mit wirtschaftlicher
Tragfähigkeit und technischer Machbarkeit verbunden ist.

Ohne Anpassung der Verordnung droht der Verlust von über 70.000
Arbeitsplätzen. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen
für Deutschland und den Industriestandort Europa wären gravierend.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) teilt die Bedenken bzgl.
unrealistisch hoher und in der Flotte nicht erreichbarer CO₂-Ziele.
Auch er sieht die Mehrheit der Anhängerhersteller in Deutschland und
in Europa in ihrer Existenz bedroht, wenn die Verordnung (EU)
2024/1610 in ihrer jetzigen Form zur Anwendung gebracht wird.