Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen die häufigste Todesursache

Wien (OTS) – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit rund 37 Prozent die
häufigste
Todesursache bei Frauen – in Österreich ebenso wie weltweit. Dennoch
werden Risiken, Symptome und Krankheitsverläufe bei Frauen noch immer
unterschätzt. Die Medizinische Universität Wien beteiligt sich daher
an der #GoRed-Kampagne und macht gezielt auf frauenspezifische
Aspekte der Herzgesundheit aufmerksam.

Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen wäre
vermeidbar. Fünf veränderbare Risikofaktoren – Übergewicht, erhöhte
Cholesterinwerte, Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen – sind für mehr
als die Hälfte der Erkrankungen verantwortlich. Besonders relevant
ist dabei, dass Diabetes und Adipositas das kardiovaskuläre Risiko
bei Frauen stärker erhöhen als bei Männern. Bluthochdruck gilt als
stärkster einzelner Risikofaktor und steigert das Risiko bei Frauen
um etwa 30 Prozent.

„Wir wissen heute sehr genau, dass Prävention bei Frauen anders
ansetzen muss als bei Männern“, sagt Alexandra Kautzky-Willer,
Stoffwechselexpertin und Gendermedizinerin an der Medizinischen
Universität Wien. „Früherkennung von Diabetes, konsequente Blutdruck-
und Lipidkontrolle sowie Lebensstilmaßnahmen haben bei Frauen einen
besonders hohen präventiven Effekt.“

Zwtl.: Lebensphasen mit besonderem Risiko

Frauen durchlaufen Lebensphasen mit spezifischen kardiovaskulären
Risiken. Zyklusstörungen oder unerfüllter Kinderwunsch können bereits
in jungen Jahren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko sein.
Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie,
Schwangerschaftsbluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes gelten
als frühe Marker für ein lebenslang erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko
und erfordern eine gezielte Nachsorge. Auch eine frühe Menopause
stellt einen bedeutenden Risikofaktor dar. „Diese
geschlechtsspezifischen Risikofaktoren müssen systematisch erfasst
und ernst genommen werden“, betont Kautzky-Willer. „Sie bieten eine
große Chance, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen frühzeitig zu
verhindern.“

Zwtl.: Psychische Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein weiterer zentraler Aspekt ist der enge Zusammenhang zwischen
psychischer Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen.
Stress, Depressionen und Angststörungen beeinflussen das
kardiovaskuläre Risiko messbar. Studien zeigen, dass Frauen auf
chronischen Stress mit stärkeren Entzündungsreaktionen und
Veränderungen der Gefäßfunktion reagieren. Psychosoziale
Interventionen und Stressreduktion im Rahmen einer multifaktoriellen
Risikoreduktion können das Sterberisiko bei herzkranken Frauen
deutlich senken.

„Herz und Psyche sind bei Frauen besonders eng miteinander
verbunden“, so Kautzky-Willer. „Deshalb brauchen wir eine
ganzheitliche Betrachtung, die mentale Belastungen genauso
berücksichtigt wie klassische medizinische Risikofaktoren.“

Zwtl.: Mehr Forschung und mehr Awareness

Frauen sind in klinischen Studien nach wie vor unterrepräsentiert
und erleben häufiger Fehldiagnosen oder Verzögerungen in der
Notfallbehandlung. Alexandra Kautzky-Willer setzt sich für mehr
geschlechtersensible Forschung, eine verbesserte Diagnostik und eine
stärkere Berücksichtigung frauenspezifischer Symptome in
medizinischen Leitlinien ein. Mit ihrem Engagement im Rahmen von Go
Red wollen die Fachleute dazu beitragen, das Bewusstsein für
Frauenherzgesundheit in der Bevölkerung zu stärken und langfristig
die Versorgung von Patientinnen zu verbessern.

Zwtl.: Über #GoRed Austria

#GoRed Austria ist eine österreichweite Awareness-Kampagne, die
die Herzgesundheit von Frauen in den Mittelpunkt rückt und über
geschlechtsspezifische Risiken, Symptome und Prävention informiert.
Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen, zum aktiven Handeln für die
Herzgesundheit zu motivieren und die Wahrnehmung von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen bei Frauen in der Öffentlichkeit zu verändern. Die
Initiative umfasst Informationsangebote, öffentlichkeitswirksame
Aktionen und den jährlichen #GoRed Day (6. Februar 2026), an dem
Menschen mit roten Kleidungsstücken oder Accessoires ein sichtbares
Zeichen setzen. Die Kampagne wurde von Expertinnen aus Medizin,
Kommunikation und Gesundheitsorganisationen initiiert. Alexandra
Kautzky-Willer und ihre Meduni-Wien-Kolleg:innen Jolanta Siller-
Matula (Kardiologie) und Daniel Zimpfer (Herz- und Thorakale
Aortenchirurgie) sind im Medizinischen Beirat. https://gored.at/