Wien (OTS) – Vom Leitbild zur Umsetzung: Pilotprojekte liefern
konkrete
Erkenntnisse für leistbares, zirkuläres Bauen. Wien baut seine
Vorreiterrolle in der Kreislaufwirtschaft weiter aus und setzt
verstärkt auf die Umsetzung im geförderten Wohnbau. Damit zeigt die
Stadt, wie ökologische Zielsetzungen, Leistbarkeit und hohe
Qualitätsansprüche erfolgreich zusammengedacht und umgesetzt werden
können.
Kreislaufwirtschaft im Wiener Wohnbau bedeutet, Gebäude von
Anfang an so zu planen, zu errichten und zu bewirtschaften, dass
Materialien möglichst lange im Nutzungskreislauf bleiben. Konkret
heißt das: Einsatz wiederverwendbarer und recyclingfähiger Baustoffe,
flexible und rückbaubare Konstruktionen, sorgfältige Dokumentation
der verbauten Materialien sowie ein stärkerer Fokus auf
Instandhaltung, Anpassungsfähigkeit und Lebensdauer. Ziel ist es,
Ressourcen zu schonen, Abfälle zu reduzieren und gleichzeitig
langfristig leistbaren, qualitativ hochwertigen Wohnraum zu sichern –
über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg.
Wie bereits in ersten Pilotprojekten sichtbar wird, befindet sich
die Stadt dabei längst in der praktischen Umsetzung. Für den
wohnfonds_wien bedeutet das einen grundlegenden Wandel:
Kreislaufwirtschaft ist kein abstraktes Leitbild mehr, sondern wird
Schritt für Schritt Teil des täglichen Handelns. Das betrifft
Ausschreibungen ebenso wie Wettbewerbsverfahren, Bewertungskriterien
und die Art und Weise, wie Projekte begleitet und Qualitäten
definiert werden. Ziel ist es, ökologische Anforderungen so in die
Verfahren zu integrieren, dass sie für Bauträger und Planer*innen
klar, nachvollziehbar und praktikabel sind.
„Wien zeigt, dass Klimaschutz, Innovation und leistbares Wohnen
kein Widerspruch sind. Mit unseren Bauträgerwettbewerben schaffen wir
die Grundlage, um Kreislaufwirtschaft konkret umzusetzen und
gleichzeitig die hohe Qualität des geförderten Wohnbaus zu sichern.
Wien zeigt damit einmal mehr, wie vorausschauende Stadtentwicklung
funktioniert: Innovationen werden nicht nur konzipiert, sondern
frühzeitig erprobt und bilden so die Basis für eine nachhaltige und
leistbare Zukunft des Wohnens“ , betont Wohnbaustadträtin Elke Hanel-
Torsch.
„ Die Kreislaufwirtschaft verändert die Art, wie wir Stadt bauen:
weg vom linearen Verbrauch, hin zu einem System, das Ressourcen
intelligent weiterdenkt. Im Regierungsprogramm haben wir der
Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Schwerpunkt zugeschrieben, da sie
in alle Bereiche der Stadt integriert werden kann. Wien nimmt dabei
eine Vorreiterrolle ein, weil wir Innovation, Klimaschutz und
Leistbarkeit gemeinsam denken. Gerade im geförderten Wohnbau müssen
nachhaltige Lösungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch
alltagstauglich und finanzierbar sein“, so Selma Arapović, NEOS Wien
– Klubobfrau & Sprecherin für Stadtentwicklung, Stadtplanung,
Stadterneuerung und Wohnen.
„Für uns steht im Mittelpunkt, Kreislaufwirtschaft in der Praxis
umsetzbar zu machen und gleichzeitig den Faktor Leistbarkeit als
oberstes Ziel des geförderten Wiener Wohnbaus hochzuhalten. Die
Ergebnisse unserer aktuellen Bauträgerwettbewerbe leisten nicht nur
einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der städtischen
Strategien, sondern liefern auch wertvolle Grundlagen für die
nationale Diskussion zur rechtlichen Umsetzung europäischer Vorgaben
im Bereich des kreislauffähigen Bauens. Im Hinblick auf eine mögliche
Verankerung in der OIB-Richtlinie 7 ist es entscheidend, Machbarkeit
und Wirtschaftlichkeit bereits vorab unter realen Bedingungen zu
testen“ , erklärt Gregor Puscher, Geschäftsführer des wohnfonds_wien.
Grundlage dafür bilden zentrale Strategien wie die Smart City
Klimastrategie sowie das Programm „DoTank Circular City Wien 2020
–2030“ (DTCC30). In enger Abstimmung mit den städtischen
Dienststellen wurden auch die Bauträgerwettbewerbe entsprechend
weiterentwickelt. Die Wettbewerbe zum 20., Nordwestbahnhof und 22.,
Seecarré orientieren sich am Zirkularitätsfaktor ZiFa 1.0. Der
aktuell laufende Bauträgerwettbewerb zum 22., Stadtquartier
Eibengasse basiert bereits auf dem weiterentwickelten ZiFa 2.0. einem
optimierten Kriterien-Set für zirkuläres Bauen. Als zweistufiges
Verfahren angelegt, befindet er sich derzeit in der ersten Phase. In
der zweiten Phase werden die ausgewählten Projektteams ihre Konzepte
weiter vertiefen.
Gerade für die gemeinnützige Bauwirtschaft ist der
Lebenszyklusgedanke von zentraler Bedeutung: Gebäude werden nicht nur
errichtet, sondern über lange Zeiträume betrieben und bewirtschaftet.
Die Herausforderung liegt jedoch darin, dass viele Vorteile
zirkulärer Bauweisen erst mittel- und langfristig wirksam werden,
während Investitionsentscheidungen im Neubau stark auf die
Errichtungsphase fokussiert sind. Hinzu kommen Fragen der technischen
Standardisierung, der Materialverfügbarkeit, der Wartung,
Dokumentation und rechtlichen Absicherung.
„ Es ist entscheidend, dass neue Lösungen nicht nur innovativ,
sondern auch robust, instandhaltungsfähig und im Alltag praktikabel
sind. Gleichzeitig eröffnet genau dieser Ansatz große Chancen:
Gebäude, die anpassungsfähig, reparierbar und langlebig konzipiert
sind, schaffen langfristig höhere Werthaltigkeit – ökologisch,
wirtschaftlich und sozial“ , so Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät
für Architektur und Raumplanung der TU Wien, Vorsitz des
Grundstücksbeirats, der zur Förderung eingereichte Projekte
beurteilt.
Digitale Ausstellung: Kreislaufwirtschaft im geförderten Wohnbau
Auf der Website des wohnfonds_wien erhalten Sie in Form einer
digitalen Ausstellung einen Einblick in die bereits gelebte Praxis
des kreislauffähigen Bauens im geförderten Wiener Wohnbau.
Vorgestellt werden ausgewählte aktuelle Projekte aus
Bauträgerwettbewerben und die unterschiedlichen Ansätze der
Projektteams im Umgang mit der Kreislaufwirtschaft – von der Planung
über die Materialwahl bis hin zu langfristigen Nutzungskonzepten.
Ergänzend dazu können Sie den Mitschnitt des Expert*innen-Talks
„Kreislaufwirtschaft im geförderten Wohnbau – Umsetzung in der
Praxis“ vom 11. Mai 2026 ansehen.
Online unter: www.wohnfonds.wien.at/talk-kreislauffaehiges-bauen
Über den wohnfonds_wien
Der wohnfonds_wien wurde 1984 gegründet, mit dem Ziel, im Auftrag
des Landes Wien die geförderten Sanierungen zu begleiten und
abzuwickeln und den geförderten Wohnungsneubau durch den Kauf, die
Verwaltung und Bevorratung von Grundstücken voranzutreiben. Seit 1995
werden Verfahren der Qualitätssicherung (Grundstücksbeirat,
Bauträgerwettbewerbe) für den geförderten Wohnungsneubau
durchgeführt. Alle Wohnprojekte, die Neubauförderung des Landes Wien
beanspruchen wollen, müssen diese Verfahren durchlaufen. Mehr dazu:
https://www.wohnfonds.wien.at/qualitaetssicherung .
