Wien (PK) – Kaum ein anderer heimischer Spitzenpolitiker kann auf
eine so
erfolgreiche und langjährige Karriere zurückblicken wie Heinz
Fischer. Als der studierte Jurist 1962 nach seinem Gerichtsjahr im
SPÖ-Klub zu arbeiten begann, war wohl noch nicht abzusehen, dass sein
beruflicher Werdegang in der Präsidentschaftskanzlei seinen krönenden
Abschluss finden würde. Die damalige Wahlkampagne um das höchste Amt
im Staat stand unter dem Motto „Politik braucht ein Gewissen“. Und so
lautet auch der Titel einer Publikation, die ausgewählte Reden von
Fischer aus über fünf Jahrzehnten (1971 bis 2025) umfasst und die
gestern auf Einladung des gesamten Nationalratspräsidiums im
Parlament vorgestellt wurde.
Moderiert wurde die Veranstaltung, an der Familienmitglieder
sowie zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst
und Kultur teilnahmen, von der ehemaligen Vizedirektorin der
Parlamentsdirektion Susanne Janistyn-Novák.
Rosenkranz: Gesammelte Reden von Heinz Fischer sind ein Stück
österreichischer Zeitgeschichte
Das Parlament sei nicht nur der Ort der Gesetzgebung, sondern
auch des Gesprächs und des Respekts vor dem besseren Argument,
betonte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in seinen
Eröffnungsworten. Die politische Rede sei daher mehr als eine bloße
Wortmeldung zu einem gewissen Zeitpunkt, sondern markiere oft
historische Wendepunkte, wie man an der Publikation auf
eindrucksvolle Weise erkennen könne. Es handle sich dabei um ein
Stück österreichischer Zeitgeschichte, in der aufgezeigt werde, wie
politische Kultur zu einer bestimmten Zeit verstanden und gelebt
worden sei. Heinz Fischer zeichne besonders aus, dass er, auch
nachdem er die höchsten Ämter in der Republik innehatte, seinen
reichen Erfahrungsschatz stets an Jüngere weitergebe und dem
Parlament noch immer eng verbunden sei. Er habe großen Respekt vor
der Lebensleistung des Parlamentariers, Staatsmanns und
Intellektuellen Heinz Fischer, hob Rosenkranz hervor.
Bures: Großes Talent für Dialog und Kompromissfähigkeit
Die Reden von Heinz Fischer seien allesamt durch einen hohen
intellektuellen Anspruch gekennzeichnet und würden auch seinen
besonderen Stil widerspiegeln, konstatierte Dritte
Nationalratspräsidentin Doris Bures. Fischer habe in all seinen
Funktionen – vom Nationalratsabgeordneten, über den SPÖ-Klubobmann,
den Wissenschaftsminister, den Nationalratspräsidenten bis hin zum
Bundespräsidenten – sein „großes Talent für Dialog und
Kompromissfähigkeit“ einsetzen können und sich durch einen
souveränen, respektvollen und umsichtigen Umgang mit Menschen
ausgezeichnet. Vor allem habe sie ihn immer als „unbestechlichen
Geist der parlamentarischen Demokratie“ erlebt, so Bures.
Fischer: Reiseführer durch wichtige historische Etappen in der
Zweiten Republik
Von einem „Reiseführer durch wichtige Stationen in der Politik
der Zweiten Republik“ sprach Heinz Fischer, der mit „Freude und
Dankbarkeit“ auf seine zahlreichen Tätigkeiten zurückblickte. Er sei
in einer sehr politischen Familie aufgewachsen und Politik habe ihn
schon immer interessiert. Das erste Mal im Parlament sei er im Jahr
1953 gewesen, als er für einen Artikel für die Schülerzeitung
recherchiert und in der Folge über die Budgetdebatte berichtet habe.
Auch an seine erste Rede als Nationalratsabgeordneter, die er zu
einer an den damaligen Bundeskanzler Kreisky gerichteten Dringlichen
Anfrage zum Thema Demokratisierung gehalten habe, erinnere er sich
noch sehr gut.
Bei der Arbeit an der Edition, die vor drei Jahren begonnen habe,
sei ihm auch klar geworden, dass sich wichtige Fragen und
gesellschaftspolitische Themen in politischen Reden niederschlagen
würden. In der Publikation seien daher Texte zu den verschiedensten
Anlässen enthalten. Fischer verwies etwa auf Reden zur
Strafrechtsreform in den 70er-Jahren, zur Einführung des
Zivildienstes, zum Universitätsorganisationsgesetz oder zu vielen
außenpolitischen Meilensteinen. Es würden sich aber auch viele
Beiträge zu Gedenktagen, Jubiläen, Würdigungen oder Abschiedsreden in
der Edition finden. Heinz Fischer dankte allen Beteiligten für das
Zustandekommen der umfangreichen Publikation, die nicht nur das
politische Auf und Ab in den letzten fünf Jahrzehnten aufzeige,
sondern auch die Tonart wiedergebe, die in der Politik früher
geherrscht habe. Diese sei seiner Meinung nach von einem
„beträchtlichen Maß an Teamgeist“ getragen gewesen.
Die fünfbändige Publikation „Heinz Fischer – Politik braucht ein
Gewissen“, die über 4.560 Seiten aufweist, ist im Czernin Verlag
erschienen und um 198 Ꞓ erhältlich. (Schluss) sue
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .
