Atradius-Umfrage: Zahlungsverzug setzt Österreichs Unternehmen zunehmend unter Druck (FOTO)

Wien (OTS) – – 84 Prozent der Unternehmen melden verspätete Zahlungen
im B2B-
Geschäft

– Fast die Hälfte aller B2B-Verkäufe erfolgt auf Kreditbasis

– Kostenanstieg, schwache Nachfrage und höhere Insolvenzraten
verschärfen den Liquiditätsdruck

Österreichs Unternehmen stehen weiter unter erheblichem
finanziellem Druck. Schwache Nachfrage, steigende Kosten und
wachsende Unsicherheiten im internationalen Handel belasten die
Liquidität vieler Betriebe. Das aktuelle Atradius Zahlungsbarometer
zeigt: 84 Prozent der Unternehmen berichten von verspäteten Zahlungen
ihrer Geschäftskunden – und liegen damit über dem westeuropäischen
Durchschnitt. Gleichzeitig steigen Finanzierungskosten und das Risiko
von Forderungsausfällen. „Viele Unternehmen bewegen sich derzeit in
einem Spannungsfeld aus hoher Kostenbelastung, zurückhaltender
Nachfrage und zunehmenden Risiken im Zahlungsverhalten“, sagt KR
Franz Maier, General Manager Atradius Österreich, Ungarn und
Südosteuropa beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

48 Prozent aller B2B-Verkäufe in Österreich werden inzwischen auf
Kreditbasis abgewickelt. Vor allem Industrieunternehmen nutzen
Warenkredite stärker, um steigende Finanzierungskosten und
Liquiditätsengpässe abzufedern. Gleichzeitig setzen österreichische
Unternehmen im europäischen Vergleich auf eher kurze Zahlungsziele:
Die meisten Rechnungen werden innerhalb von 30 Tagen fällig, längere
Fristen bleiben die Ausnahme und finden sich vor allem im Baugewerbe.
„Die Unternehmen versuchen, ihre Liquidität eng zu steuern und offene
Forderungen schneller in Cashflow umzuwandeln“, erklärt Franz Maier.

Trotz dieser vorsichtigen Kreditpolitik verschlechtert sich das
Zahlungsverhalten vieler Geschäftskunden weiter. Bei jedem zweiten
Unternehmen sind inzwischen bis zu 30 Prozent aller Rechnungen
überfällig. Weitere 24 Prozent berichten sogar von verspäteten
Zahlungen bei bis zu 60 Prozent ihrer Forderungen. Hauptursache sind
mit 54 Prozent Liquiditätsprobleme auf Kundenseite. Hinzu kommen
interne Verzögerungen bei Zahlungsfreigaben, komplexere
Zahlungsprozesse und längere Banklaufzeiten.

Die Folgen für das Working Capital werden zunehmend sichtbar. 46
Prozent der Unternehmen berichten von sinkenden
Liquiditätsspielräumen, 23 Prozent von wachsendem externem
Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig verlängert sich die
durchschnittliche Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding, DSO),
sodass Kapital länger gebunden bleibt. Zusätzlichen Druck erzeugen
Forderungsausfälle: Zehn Prozent der Unternehmen verzeichnen
inzwischen uneinbringliche Forderungen von mehr als fünf Prozent
ihres fakturierten B2B-Umsatzes. „Verspätete Zahlungen und
Forderungsausfälle treffen viele Betriebe in einer Phase, in der ihre
finanziellen Puffer ohnehin kleiner werden“, so Franz Maier.

Ausblick: Insolvenzrisiken bleiben hoch

Auch der Ausblick bleibt verhalten. Für die kommenden zwölf
Monate rechnen 50 Prozent der Unternehmen mit anhaltend hohen
Insolvenzraten, 31 Prozent erwarten sogar einen weiteren Anstieg. Als
größte Risiken für das Zahlungsverhalten im B2B-Geschäft nennen die
Befragten die schwache Konjunktur, steigende Betriebskosten und
anhaltende Lieferkettenstörungen. In der Industrie kommen hohe
Energie- und Rohstoffkosten sowie eine schwache Exportnachfrage
hinzu.

Österreichische Unternehmen reagieren darauf mit einer stärkeren
Absicherung ihrer Zahlungsrisiken. Im Vergleich zu vielen anderen
europäischen Märkten setzen sie häufiger auf Kreditversicherungen,
Rückstellungen für Forderungsausfälle und strengere finanzielle
Schutzmechanismen. Gleichzeitig gewinnt professionelles Liquiditäts-
und Risikomanagement weiter an Bedeutung. „Viele Unternehmen gehen
inzwischen davon aus, dass die wirtschaftliche Unsicherheit kein
kurzfristiges Phänomen mehr ist“, sagt Franz Maier. Umso wichtiger
sei es, Zahlungsrisiken konsequent zu steuern und die finanzielle
Stabilität langfristig zu sichern.

Das Atradius Zahlungsmoralbarometer ist eine jährliche Umfrage
zum Zahlungsverhalten im weltweiten B2B-Geschäft. Die aktuelle
Ausgabe basiert auf einer Befragung von 210 Unternehmen in
Österreich, die im ersten und zweiten Quartal 2026 durchgeführt
wurde.

Das vollständige Zahlungsmoralbarometer finden Sie unter
www.atradius.at .

Über Atradius

Atradius ist ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen,
Bürgschaften, Inkassodienstleistungen und Wirtschaftsinformationen
mit einer strategischen Präsenz in mehr als 50 Ländern. Die von
Atradius angebotenen Produkte schützen Unternehmen weltweit vor den
Ausfallrisiken beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen auf
Kredit. Atradius ist Mitglied von GCO, einem der größten Versicherer
in Spanien und einem der größten Kreditversicherer der Welt. Weitere
Informationen finden Sie online unter www.atradius.at .