Tag der Notfallmedizin

Wien/Linz (OTS) – Wenn kritisch kranke Notfallpatient:innen in ein
Krankenhaus
eingeliefert werden, entscheidet oft die erste Phase der Behandlung
über den weiteren Krankheitsverlauf. Die Versorgung solcher Patienten
außerhalb der klassischen Intensivstation, etwa in Notaufnahmen, ist
in Österreich bislang jedoch nicht einheitlich strukturiert.

Mit der Einführung der Spezialisierung Akut- und Notfallmedizin
wurde ein zentraler Schritt gesetzt, um die personellen
Voraussetzungen für eine moderne innerklinische Notfallversorgung in
Österreich zu schaffen. Nun gilt es, auch die entsprechenden
strukturellen Rahmenbedingungen zu etablieren – denn eine qualitativ
hochwertige Versorgung kritisch kranker Notfallpatient:innen darf
nicht vom jeweiligen Standort abhängen.

Zwtl.: Neue Daten für bessere Notfallversorgung

Eine neue österreichweite Umfrage soll nun erstmals systematisch
erfassen, wie diese Versorgungsbereiche organisiert sind und wo
strukturelles Optimierungspotential besteht. Die Erhebung startet am
27. Mai 2026, dem Tag der Notfallmedizin und wird von der ÖGARI
gemeinsam mit der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU), der
Austrian Association of Emergency Medicine (AAEM), der
Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine
Intensivmedizin und Notfallmedizin (ÖGIAIN) sowie dem Verband der
intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs (FASIM)
durchgeführt.

Zwtl.: Frühversorgung als entscheidender Faktor

Daten aus Österreich, unter anderem aus dem AKH Wien und dem
Kepler Universitätsklinikum Linz, zeigen, dass eine frühe
intensivmedizinische Versorgung von kritisch kranken Notfallpatienten
bereits in der Notaufnahme entscheidend sein kann. Sie trägt zur
raschen Stabilisierung bei, kann die Aufnahme auf eine
Intensivstation vermeiden und die Überlebenschancen verbessern.

»Wir wissen aus der klinischen Praxis und wissenschaftlichen
Daten, dass die ersten Stunden einer lebensbedrohlichen Erkrankung
entscheidend sind. Wenn es gelingt, kritisch kranke Patientinnen und
Patienten frühzeitig strukturiert intensivmedizinisch zu betreuen,
können wir viele Krankheitsverläufe positiv beeinflussen.«, betont
Univ.-Doz. Dr. Martin Dünser (ÖGARI) .

Zwtl.: Unklare Struktur für nicht-traumatologische Notfälle

Während für Schwerverletzte in Österreich vielfach etablierte
Versorgungsstrukturen existieren, die auch im österreichischen
Strukturplan Gesundheit verankert sind, fehlt eine vergleichbare
Regelung für nicht-traumatologische Notfallpatient:innen mit
lebensbedrohlichen Erkrankungen.

»Für internistische, infektiologische oder kardiovaskuläre
Notfälle gibt es derzeit keine österreichweit einheitlich definierten
Versorgungsstrukturen außerhalb der Intensivstation. Das führt zu
einem regional sehr unterschiedlichen Versorgungsbild.«, erklärt
Univ.-Prof. Dr. Harald Herkner (AAEM).

Zwtl.: Sichtbarkeit und Grundlage für Standards sind das Ziel

Genau hier setzt die Umfrage an: Sie soll den Status quo erstmals
flächendeckend abbilden und Unterschiede zwischen einzelnen
Standorten sichtbar machen. »Wir brauchen eine valide Datengrundlage,
um die Versorgungssituation realistisch beurteilen zu können. Erst
dann können wir evidenzbasierte Empfehlungen für strukturelle
Mindeststandards entwickeln.«, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Thomas
Staudinger (ÖGIAIN).

Auch aus intensivmedizinischer Sicht ist die Phase vor einer
möglichen Aufnahme auf einer Intensivstation entscheidend: »Viele
kritisch kranke Patientinnen und Patienten werden initial außerhalb
der Intensivstation betreut. Die Qualität dieser frühen Versorgung
beeinflusst maßgeblich den weiteren Verlauf – umso wichtiger ist es,
hier strukturierte Rahmenbedingungen zu schaffen.«, so Univ.-Prof.
Dr. Michael Joannidis (FASIM).

Zwtl.: Fokus liegt auf präklinisch eingelieferte Patient:innen

Ein besonderer Schwerpunkt der Erhebung liegt auf Patient:innen,
die über einen Rettungsdienst oder begleitet von Notärzt:innen in die
Krankenhäuser eingeliefert werden. »Gerade diese Patientengruppe
stellt hohe Anforderungen an die unmittelbare Versorgungsstruktur im
Krankenhaus. Hier entscheidet sich oft innerhalb kürzester Zeit, ob
eine Stabilisierung gelingt oder nicht.«, ergänzt Univ.-Prof. Dr.
Dietmar Fries (ÖGARI).

Zwtl.: Vom österreichischen Fleckerlteppich zur strukturierten
Versorgung

Ein wesentlicher Hintergrund für die Initiative ist die
Einführung der Spezialisierung Akut- und Notfallmedizin in Österreich
im Jahr 2025. Diese wurde maßgeblich von der AAEM und ÖGARI
vorangetrieben und schafft erstmals eine klare Qualifikationsbasis
für die Versorgung von Notfallpatient:innen in Österreich.

Ziel der Initiative ist es, bestehende Unterschiede in der
Versorgung sichtbar zu machen und mittelfristig in konkrete
Empfehlungen zu überführen. »Unser Ziel ist klar: Die Versorgung
kritisch kranker Notfallpatientinnen und -patienten darf nicht vom
Standort abhängen. Wir brauchen transparente Strukturen und
nachvollziehbare Standards in ganz Österreich.«, bestätigen unisono
alle beteiligten Fachgesellschaften.

Über die Studie: Die österreichweite Umfrage wird unter
Beteiligung von Krankenhäusern aller Versorgungsstufen durchgeführt
und analysiert personelle, organisatorische und infrastrukturelle
Voraussetzungen der Versorgung kritisch kranker Notfallpatient:innen
außerhalb der Intensivstationen. Erste Ergebnisse sollen als
Grundlage für weitere fachliche und gesundheitspolitische
Diskussionen dienen.

Zwtl.: Die Verantwortlichen der Notfallgesellschaften (in
alphabetischer Reihenfolge):

Univ.-Doz. Dr. Martin Dünser , Leiter der Sektion Notfallmedizin
der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation
und Intensivmedizin, ÖGARI

Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fries , Österreichische Gesellschaft für
Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, ÖGARI

Univ.-Prof. Dr. Harald Herkner , Präsident der Österreichischen
Gesellschaft für Notfallmedizin, AAEM

Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis , Präsident des Verbandes der
intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs, FASIM

Univ.-Prof. Dr. Thomas Staudinger , Präsident der
Österreichischen Gesellschaft für internistische und allgemeine
Intensivmedizin und Notfallmedizin, ÖGIAIN