Wien (OTS) – Der ORF, als öffentlich-rechtliches Rundfunkunternehmen,
ist wie in
den meisten europäischen Ländern das wirtschaftliche Rückgrat der
Fernsehfilmwirtschaft. Dieser Umstand ist keine Besonderheit, sondern
es ist das Resultat eines gesellschaftlichen Übereinkommens, dass
durch die Herstellung originärer, kultureller und eigener Inhalte im
fiktionalen Bereich Identität geschaffen wird. Die „Landkrimis“ aus
allen Bundesländern, die Dorfkrimis wie die „Uhudler Verschwörung“,
über die Serien und Reihen wie „Soko Donau“ und „Tatort“ bis hin zu
den Kinoerfolgen „Griechenland“ und „Aufputzt is“. All das kommt mit
Mitteln des ORF zustande und ist ein erfolgreiches und
hochgeschätztes Angebot für ein österreichisches Publikum.
Nachdem die verkündete Kürzung ab dem 01.01.2027 ohne jeden
Hinweis, wie diese Einsparungen zustande kommen sollen, kommuniziert
wurde, müssen wir als ordentliche Kaufleute davon ausgehen, dass
Kürzungen ausschließlich in einem Bereich stattfinden können, der
keine langfristigen Vereinbarungen aufweist, also im Programm.
Das betrifft alle österreichischen Hersteller:innen, aber noch
viel mehr betrifft es die Millionen Fernsehzuschauer:innen und somit
jene, die den Sender über eine Haushaltsabgabe finanzieren. Der
Leistungsausgleich zwischen einem Sender und seinem Publikum passiert
ausschließlich über das Programm und wird am Ende nur über dieses
legitimiert. Die Äußerungen des Stiftungsratsvorsitzenden, die
Scheuklappen bei Einsparungen im Programm abzulegen, sind ein
Warnsignal, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Selbstzweck
verstanden wird und dabei unverhohlen in Kauf nimmt, jeden Kontakt
zum Publikum und somit zu den Gebührenzahler:innen zu verlieren.
Diese Nachricht trifft die Mitglieder der Produzent:innenverbände
ausgerechnet in einer Zeit, in der die Regierung, insbesondere der
Kultur- und Medienminister, noch immer keine Maßnahmen gegen die
Steuerflucht amerikanischer Streaming-Giganten – wie im Rest Europas
schon umgesetzt – vorgeschlagen hat und darüber hinaus jede Form der
Teilhabe von österreichischen Expert:innen zu diesem Thema
verweigert. In Zeiten der dominanten internationalen Angebote
börsennotierter Streaminganbietender geht die Versorgung mit
audiovisuellen Inhalten, die direkt aus der Lebensrealität der
Gebührenzahler:innen erzählen, mutwillig verloren. Statt
Gegenmaßnahmen zu treffen, agiert man als Steigbügelhalter gegen die
Interessen der Bevölkerung und will das Angebot verkleinern.
Seit der überfallsartigen Einstellung aufgrund von
Budgetkürzungen 2025 von ÖFI +, einem wesentlichen und dynamischen
Modell zur Standortsicherung des österreichischen Kinofilms, wanken
seither alle wesentlichen Teile der ehemals harmonisierten
Filmförderung.
Bleibt es nun bei der unkommentierten und einfachen Ankündigung
der Kürzung, ohne nachhaltige Konzepte und Pläne zu gestalten und
ohne langfristige Sicherungsmaßnahmen für den Kernauftrag öffentlich-
rechtlicher Versorgung zu treffen, wird der Schaden zu Jahresbeginn
immens sein.
Wir fordern eine Sicherstellung der Versorgung Österreichs mit
audiovisuellen Inhalten, die in einem wesentlichen Teil von und über
den ORF bereitgestellt werden müssen. Alle, wie auch immer gestellten
Begehrlichkeiten an den ORF, alle Forderungen zur Verbesserung der
Effizienz und Gehaltsdebatten dürfen nicht am Rücken der Kernaufgabe
dieses Senders ausgetragen werden. Das Programmangebot muss ausgebaut
werden, um der Existenz des Unternehmens und seinem Auftrag gerecht
zu werden.
