Hattmannsdorfer: „Europa darf sich von Trump nicht erpressen lassen“

Wien (OTS) – Die angekündigte Erhöhung der US-Zölle auf europäische
Automobile von
15 Prozent auf 25 Prozent wurde zwar bislang nicht offiziell
umgesetzt, der politische Druck aus Washington steigt jedoch massiv.
Für Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ist die Entwicklung
ein ernstes Warnsignal: „Populisten haben keine Handschlagqualität.
Die USA stellen mit ihren jüngsten Drohungen zentrale Vereinbarungen
des transatlantischen Handelsrahmens wieder infrage. Europa darf sich
wirtschaftspolitisch nicht erpressen lassen. Wer Vertrauen
einfordert, muss sich auch an Vereinbarungen halten.“

Auslöser der aktuellen Eskalation war die Ankündigung von US-
Präsident Donald Trump am 1. Mai 2026, die bestehenden US-Zölle auf
europäische Fahrzeuge und Komponenten von derzeit 15 Prozent auf
künftig 25 Prozent anheben zu wollen. Damit stellte Washington
erstmals offen zentrale Teile des transatlantischen Handelsrahmens
2025 infrage. Dieser sieht eigentlich vor, dass die EU ihre Zölle auf
US-Industriegüter abschafft und die USA ihre Importzölle auf
europäische Waren im Gegenzug auf maximal 15 Prozent begrenzen.

In der Nacht auf den 7. Mai scheiterten dann die Verhandlungen
zwischen Europäischem Parlament, Rat und Europäischer Kommission über
die gesetzliche Umsetzung dieses Abkommens. Vor allem im Europäischen
Parlament wächst das Misstrauen gegenüber Washington. Parallel dazu
erhöhte Washington den Druck nochmals deutlich: Präsident Trump
setzte der EU laut Angaben aus Verhandlungskreisen ein Ultimatum bis
zum 4. Juli 2026. Bis dahin solle die EU ihre Zusage zur Abschaffung
der Zölle auf US-Industriegüter gesetzlich umsetzen, andernfalls
würden die amerikanischen Zölle „auf deutlich höhere Niveaus“
angehoben. Die Wahl des Datums gilt als bewusst gewählte politische
Symbolik rund um den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten.

„Sollten die USA diese Zölle umsetzen, wäre das ein massiver
wirtschaftspolitischer Fehler und ein direkter Angriff auf Europas
Industrie. Die Automobilbranche steht für hunderttausende
Arbeitsplätze und enorme Wertschöpfung in Europa. Diese Zölle treffen
nicht nur Exporte, sondern gesamte Liefer- und Produktionsketten –
mit weniger Aufträgen, mehr Preisdruck und wachsender Unsicherheit
für Unternehmen in ganz Europa“, so Hattmannsdorfer.

Für Österreich gehe es dabei um weit mehr als nur einzelne
Exportzahlen, betont Hattmannsdorfer abschließend: „Die USA sind
unser zweitwichtigster Exportmarkt mit 12,9 Milliarden Euro und
unsere Unternehmen sind tief in europäische Lieferketten eingebunden.
Gerade deshalb braucht es jetzt klare Sicherheitsmechanismen für
Europa – dazu gehören die Rücknahme bestehender US-Stahlzölle ebenso
wie klare Aussetzungs- und Kündigungsrechte für die EU. Europa muss
handlungsfähig bleiben, wenn wirtschaftliche Vereinbarungen einseitig
infrage gestellt werden.“

Faktenbox:

· 1. Mai 2026: Trump kündigt Erhöhung der US-Autozölle von 15
Prozent auf 25 Prozent an

· Turnberry-Abkommen 2025 sieht eigentlich Begrenzung der US-
Zölle auf maximal 15 Prozent vor

· 7. Mai 2026: Verhandlungen zwischen EP, Rat und EK vorerst ohne
Durchbruch beendet

· Trump setzt EU Ultimatum bis 4. Juli 2026 zur gesetzlichen
Umsetzung des Handelsabkommens

· Andernfalls drohen deutlich höhere US-Zölle auf europäische
Produkte

· Exportorientierte Staaten wie Deutschland und Österreich
drängen auf rasche Einigung

· Frankreich, skandinavische Mitgliedstaaten und Teile des EP
fordern härtere Linie gegenüber Washington

· USA sind mit 12,9 Milliarden Euro Österreichs zweitwichtigster
Exportmarkt

· Mehr als die Hälfte der österreichischen Exporte in die USA
entfallen auf Maschinen und Fahrzeugteile

· Österreich besonders betroffen durch starke Verflechtung mit
deutscher Automobilindustrie

· EU-Gegenzollpakete im Umfang von 21 Milliarden Euro und 95
Milliarden Euro vorbereitet