München (OTS) – München (ots)
– Das LMU-Projekt iNSyT-ONE am Nanoinstitut der Ludwig-Maximilians-
Universität München erhält einen Transition Grant des Europäischen
Innovationsrats in Höhe von 2,45 Millionen Euro.
– Mit der Förderung wollen die Forschenden eine patentierte Mikroskop
-Plattform für die Echtzeit-Qualitätskontrolle von Nanomaterialien
weiterentwickeln.
– Ihre innovative Technologie ermöglicht die hochdurchsatzfähige
Echtzeit-Analyse einzelner Nanopartikel mit einer Genauigkeit im
Nanometerbereich.
Das LMU-Projekt iNSyT-ONE hat vom Europäischen Innovationsrat
einen EIC-Transition-Grant in Höhe von 2,45 Millionen Euro erhalten,
um eine patentierte Mikroskop-Plattform für die Echtzeit-
Qualitätskontrolle von Nanomaterialien weiterzuentwickeln. Das
Projekt wurde im Rahmen der hochkompetitiven EIC-Transition-
Ausschreibung 2025 ausgewählt, bei der von insgesamt 611
eingereichten Vorschlägen aus ganz Europa 40 Projekte ausgewählt
wurden. In den nächsten drei Jahren soll die Förderung die
Technologiereife, die industrielle Validierung und die Vorbereitung
auf den Markteintritt unterstützen.
Dr. Philipp Baaske , Vizepräsident für Entrepreneurship der LMU,
gratuliert: „Der European Innovation Council (EIC) fördert mit dem
EIC Transition herausragende Innovation mit vielversprechendem
kommerziellem Potenzial. Ich freue mich, dass das iNSyT-ONE-Team an
der LMU mit dieser Unterstützung seine bahnbrechende Nanotechnologie
bis zur Marktreife weiterentwickeln und so ein LMU -Spin-off auf den
Weg bringen kann.“
Neues Mikroskop soll Qualitätskontrolle von Nanomaterialien
revolutionieren
Nanomaterialien im Allgemeinen und Quantenpunkte im Besonderen
gelten als Schlüsselmaterialien für ein breites Anwendungsspektrum,
das von der Displaytechnologie über die Energie-Umwandlung bis hin
zur biomedizinischen Bildgebung und Diagnostik reicht. Bei heutigen
Testverfahren für Nanomaterialien werden Milliarden von Datenpunkten
auf einen einzigen Durchschnittswert reduziert. Dabei gehen jedoch
wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Partikeln verloren. Wenn
ein Produkt versagt, sehen die Hersteller nur das Ergebnis, nicht
aber dessen Ursache.
Genau hier setzt das neue Technologie-Transfer-Projekt an. Ziel
ist es, eine Technologie marktreif zu machen, die einen Einblick in
die Details ermöglicht indem sie Nanopartikel, die zuvor im
statistischen Rauschen untergingen, einzeln analysiert und
visualisiert.
„Unsere Technologie stellt einen grundlegenden Fortschritt bei
der Qualitätskontrolle von Nanomaterialien dar“, sagt Projektleiter
Dr. Mohsen Beladi , Nanowissenschaftler an der LMU, der seit mehreren
Jahren an der Schnittstelle zwischen Nanowissenschaft und
Technologieentwicklung tätig ist. „Von Anfang an war mir klar, dass
diese Technologie das Potenzial hat, weit über das Labor
hinauszugehen. Indem sie die zugrunde liegende Physik in ein direktes
optisches Signal einzelner Nanopartikel umwandelt, eröffnet sie einen
praktischen Weg zur Lösung einer der zentralen Herausforderungen des
Fachgebiets. Anstatt uns auf Durchschnittswerte zu verlassen, wie es
in der industriellen Praxis noch üblich ist, können wir Tausende von
Nanopartikeln einzeln analysieren und für jedes einzelne
Echtzeitinformationen generieren, was eine schnellere, intelligentere
und weitaus zuverlässigere Herstellung von Nanomaterialien
ermöglicht.“
Die Arbeit wurde in renommierten Fachzeitschriften wie Nature und
Nature Materials (AIP) veröffentlicht und baut auf Forschungen auf,
die im Zuge der Promotion von Dr. Christoph Gruber durchgeführt
wurden, der heute für Operations und die Hardware-Entwicklung
verantwortlich ist. „Als uns klar wurde, dass die Methode auch über
unsere eigene Arbeit hinaus großes Potenzial hat, ließen wir sie
patentieren. Das war ein Wendepunkt in der Überlegung, wie der Ansatz
breiter angewendet werden könnte“, sagt er.
Von der Einzelpartikel-Forschung zu industriellen
Qualitätskennzahlen
Das neue System soll den Anforderungen der Industrie gerecht
werden – hoher Durchsatz, Geschwindigkeit und Echtzeitüberwachung –
und innerhalb weniger Minuten zuverlässige Qualitätskennzahlen für
jedes einzelne Nanopartikel liefern.
„Unser Ziel ist es, komplexe Einzelpartikelmessungen in
automatisierte Echtzeit-Qualitätskennzahlen umzuwandeln, die die
Industrie tatsächlich nutzen kann“, erklärt Dr. Simone Ezendam. Sie
leitet die Entwicklung der entsprechenden Software, die eine
automatisierte Analyse und nahtlose Datenverarbeitung ermöglichen und
diesen Übergang damit möglich machen soll. Die daraus resultierenden
Daten könnten dann direkt in die Produktionsprozesse zurückgeführt
werden, was die Ausbeute steigere, Abfall reduziere und die
Produktfreigabe beschleunige – ein entscheidender Schritt hin zu
einer widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen europäischen
Nanomaterial-Herstellung.
„Nanomaterialien mögen winzig sein, aber sie bilden bereits die
Grundlage für Wertschöpfungsketten im Wert von mehreren zehn
Milliarden Euro und viele der Schlüsseltechnologien, auf die wir alle
angewiesen sind. Unsere Mission ist es, den Rohstoffverbrauch zu
senken, die Produktionsresilienz zu erhöhen und letztlich den Output
und die Margen zu verbessern“, sagt Dr. Jan Englert, Commercial
Officer des Teams.
Wissenschaftlicher Entstehungsort an der LMU
Die wissenschaftlichen Grundlagen von iNSyT-ONE wurden in der
Gruppe „Nanomaterials for Energy“ unter der Leitung von Prof.
Emiliano Cortés am Nanoinstitut München der LMU, Fakultät für Physik,
geschaffen. Cortés initiierte die Forschungsrichtung, hat die Arbeit
kontinuierlich an der LMU begleitet und fungiert als Mentor und
Berater des iNSyT-ONE-Teams, während sich das Projekt von der
Grundlagenforschung zur Technologietransferinitiative entwickelte,
die auf das Energie- und Nanowissenschafts-Ökosystem der LMU
abgestimmt ist – einschließlich des Exzellenzclusters e-conversion,
des Bayerischen Programms für Solartechnologien (SolTech) und des
Zentrums für Nanowissenschaften (CeNS). Ein wichtiger Meilenstein auf
diesem Weg war eine Förderung durch den ERC, die eine wichtige
Grundlage für den Transfer bildete.
„Als wir diese Forschung vor fünf Jahren begannen, hätten wir nie
gedacht, dass sie zu einem Start-up führen könnte“, sagt Cortés.
„Aber die Relevanz, die Wirkung und die wirklich atemberaubenden
Ergebnisse, die das Team erzielte, machten deutlich, dass hier echtes
technologisches Potenzial steckt.“
