Wien (OTS) – Brot, Joghurt oder Reis: Viele alltägliche Lebensmittel
kosten in
Österreich deutlich mehr als beispielsweise im Nachbarland
Deutschland – obwohl es sich oft um exakt die gleichen Produkte
handelt. Ein aktueller Preisvergleich von foodwatch zeigt, wie stark
Konsument:innen hierzulande zur Kassa gebeten werden: Ein Warenkorb
mit 30 identen Grundnahrungsmitteln kostet in Deutschland 75,39 Euro
– in Österreich dagegen 93,81 Euro. Das sind rund 24 Prozent
Aufschlag für denselben Einkauf.
Besonders drastisch sind die Unterschiede bei einzelnen
Produkten: Ein Brot derselben Marke kostet in Österreich um 79
Prozent mehr als in Deutschland, ein Naturjoghurt sogar ganze 80
Prozent mehr. Auch Reis, Haferflocken, Tee oder Nüsse sind deutlich
teurer.
foodwatch spricht von einem strukturellen Problem im europäischen
Lebensmittelmarkt: dem sogenannten Österreich-Aufschlag. Hinter den
Preisunterschieden stecken häufig territoriale Lieferbeschränkungen.
Dabei verhindern Hersteller, dass Händler Produkte aus anderen EU-
Ländern günstiger beziehen und hierzulande billiger anbieten. Der
Wettbewerb wird dadurch eingeschränkt – und die höheren Preise landen
direkt auf den Kassazetteln der Konsument:innen.
Besonders problematisch: Der Österreich-Aufschlag trifft
Grundnahrungsmittel – also Produkte, auf die niemand einfach
verzichten kann. Gerade Haushalte mit wenig Einkommen spüren diese
Preisunterschiede besonders stark. In Österreich sind rund 1,1
Millionen Menschen von Ernährungsarmut betroffen, für viele wird
selbst der Einkauf grundlegender Lebensmittel zunehmend zur
Herausforderung.
Auf EU-Ebene wird derzeit über Maßnahmen gegen territoriale
Lieferbeschränkungen diskutiert – also genau jene Praxis, die hinter
dem Österreich-Aufschlag steckt. Neben einem wirksamen gesetzlichen
Verbot stehen aber auch freiwillige Lösungen oder unverbindliche
Leitlinien zur Debatte.
Für foodwatch ist klar: Nur eine klare gesetzliche Regelung, die
ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen ausdrücklich
verbietet, kann das Problem nachhaltig lösen. Freiwillige
Selbstverpflichtungen oder bloße Empfehlungen würden nichts daran
ändern, dass Hersteller weiterhin Preisunterschiede zwischen Ländern
aufrechterhalten können. Daher braucht es gerade jetzt öffentlichen
Druck.
„Wenn Konsument:innen für idente Produkte deutlich mehr zahlen
müssen als im Nachbarland, läuft im europäischen Binnenmarkt etwas
grundlegend falsch. Damit sich daran endlich etwas ändert, müssen
Politik und Hersteller spüren, dass die Menschen dieses System nicht
länger akzeptieren“ , sagt Miriam Maurer von foodwatch Österreich.
Mit einer neuen Petition will foodwatch deshalb möglichst viele
Konsument:innen mobilisieren, um ein klares Signal an Politik und
Lebensmittelindustrie zu senden: Der Österreich-Aufschlag muss
endlich abgeschafft werden.
„Essen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht künstlich verteuert
werden. Wenn idente Produkte im Nachbarland deutlich weniger kosten,
muss die Politik handeln. Der Österreich-Aufschlag gehört abgeschafft
– für leistbare Lebensmittel und faire Preise im Supermarkt“ ,
schließt Maurer.
Weiterführende Informationen:
Petition „Genug gezahlt – Schluss mit dem Österreich-Aufschlag!“
Preis-Check Liste
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